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Neuburg

14.03.2015

Fall Rupp: Letzter Akt der Familientragödie?

Als das Auto von Rudi Rupp aus der Donau gezogen wurde, war klar, dass der Schrotthändler aus dem Donaumoos den Wagen nicht „entsorgt“ haben kann, wie Kripo und Staatsanwaltschaft Ingolstadt dem Mann vorgeworfen hatte.
Bild: Archivfoto: Barbara Wild

Das Landgericht Landshut verhandelt gegen den Schrotthändler aus dem Donaumoos. Für Kripo und Staatsanwaltschaft Ingolstadt ist das ein ziemlich unangenehmer Fall.

Jeder Mensch kennt das: Die unangenehmen Dinge schiebt man oft gern ein wenig vor sich her. So könnte das auch bei der Landshuter Justiz gewesen sein, was das Berufungsverfahren gegen einen Schrotthändler aus dem Donaumoos anbelangt.

Der Mann hat einmal gesagt, ein Beamter habe ihm bei einer Vernehmung durch die Kriminalpolizei Ingolstadt in Zusammenhang mit dem Mordfall Rudi Rupp eine Dienstpistole an den Kopf gehalten und damit erzwingen wollen, dass er ein Aussageprotokoll unterschreibt. Daraufhin landete er wegen Falschaussage auf der Anklagebank. Aber der Richter in erster Instanz sprach ihn frei. Ab kommender Woche geht es jetzt vor dem Landgericht in Landshut im Berufungsverfahren wieder um diesen Fall.

Die Akte im Mordfall Rudolf Rupp aus Neuburg ist in der Hauptsache längst geschlossen. Die Geschichte schrieb viele Schlagzeilen: Im Oktober 2001 verschwand der Landwirt aus Neuburg-Heinrichsheim spurlos. Zwei Jahre später wurde die Familie festgenommen, ebenso der Freund einer der beiden Töchter von Rudi Rupp. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt warf ihnen später vor, den Gesuchten umgebracht zu haben. Die Anklage ging davon aus, dass der Landwirt in seinem Haus erschlagen, seine Leiche zerstückelt und den Hofhunden zum Fraß vorgeworfen wurde. In einem Indizienprozess wurden die Angeklagten schuldig gesprochen und wanderten ins Gefängnis. Alles schien geklärt.

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Aber dann kam dieser 10. März 2009, der Ingolstadts Justiz schwer erschütterte: Polizeitaucher bargen an der Staustufe Bergheim das Auto von Rudi Rupp aus der Donau – mit der Leiche hinter dem Steuer. Spätestens jetzt war klar, dass sich der Mord – falls es denn überhaupt einer gewesen ist – gar nicht so zugetragen haben kann, wie die Staatsanwaltschaft Ingolstadt vorgeworfen hat und das Landgericht Ingolstadt später auch so überzeugt war.

Also kam es zum Wiederaufnahmeverfahren. Das wurde zum Landgericht Landshut angeordnet, weil in Ingolstadt aus rechtlichen Gründen kein zweites Mal verhandelt werden durfte. Das neue Verfahren in Landshut endete mit einem Freispruch für die Angeklagten. Ingolstadts Anklagebehörde und die Kriminalpolizei standen wieder bundesweit in negativen Schlagzeilen.

Aber nicht nur wegen der Freisprüche im Mordfall: Denn in diesem Wiederaufnahmeverfahren erhob der Schrotthändler aus dem Donaumoos schwere Vorwürfe gegen die Ermittler. Der Mann sagte am 15. November 2010 in Landshut im Zeugenstand aus, er sei in einer staatsanwaltschaftlichen Vernehmung bei der Kripo Ingolstadt von einem Beamten mit einer Pistole bedroht worden. „Es geht schließlich um Mord - da dürfen wir alles!“, soll ein Beamter gesagt und ihm dabei seine Dienstwaffe an den Kopf gehalten haben. Die Ermittler hatten zu dem Zeitpunkt des Verhörs noch fest angenommen, dass der Mann den Mercedes des gesuchten Bauern verschwinden hat lassen. Genau jenen Wagen, der später aus dem Schlamm am Grund der Donau gehievt wurde...

Die Staatsanwaltschaft Landshut klagte den Schrotthändler gleich nach dessen Aussage im Wiederaufnahmeverfahren wegen Falschaussage an. Das war Anfang 2011.

Es verging viel Zeit. Bis zum Dezember 2012. Erst dann wurde das Verfahren am Amtsgericht Landshut eröffnet. Es endete mit einem Urteil, das Kripo und Staatsanwaltschaft Ingolstadt wiederum in keinem besonders günstigen Licht erscheinen ließ: Strafrichter Bernd Suttner sprach den Schrotthändler frei und kritisierte in seiner Urteilsbegründung die Kripo Ingolstadt heftig. Deren Beamte hätten bei ihrem Auftritt im Zeugenstand „untragbare Aussagen“ gemacht. Unter anderem hatte eine Beamtin, die bei der fraglichen Vernehmung damals dabei war, dem Richter gesagt, sie habe dem Schrotthändler extra einen „besonders harten Stuhl“ hingeschoben, „weil er so ein schlechter Mensch ist...“.

Auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft Landshut in der ersten Instanz hielt nicht hinter dem Berg, was er von dem Schrotthändler hält: „Er ist Abschaum!“, bezeichnete er in seinem Plädoyer den Angeklagten. Medien berichteten bundesweit über diese Entgleisung. Wenige Wochen darauf wurde der Staatsanwalt aus Landshut wegversetzt.

Außerdem kritisierte Strafrichter Bernd Suttner in seiner Urteilsbegründung, dass zu keinem Zeitpunkt ein Ermittlungsverfahren gegen die Polizeibeamten eingeleitet worden ist, nachdem der Schrotthändler seine schweren Anschuldigungen gegen die Kriminalpolizei Ingolstadt erhoben hatte. Die Staatsanwaltschaft habe automatisch angenommen, dass der Mann die Unwahrheit spreche. Also: Freispruch vom Vorwurf der Falschaussage für den Schrotthändler.

Das war am 17. Dezember 2012. Auch das ist lange her. Und sehr lange dauerte es auch, bis das Berufungsverfahren terminiert wurde. Weshalb so lange? Christoph Fellner, der Vizepräsident am Landgericht Landshut, teilte dazu auf Anfrage mit, es habe einige Richterwechsel in der Berufungskammer gegeben. Außerdem seien von der Kammer jene Fälle mit Vorrang zu behandeln, bei denen die Angeklagten in Untersuchungshaft sitzen. Also sei das Verfahren gegen den Mann aus dem Donaumoos mehrfach zurückgestellt worden.

Und dann wollte es der Zufall noch so, dass zwischenzeitlich jener Staatsanwalt als Richter in die Berufungskammer gewechselt ist, der im Wiederaufnahmeverfahren Rupp die Anklage vertreten und den Schrotthändler angeklagt hat. Er schied schon aus Befangenheitsgründen aus.

Ab nächster Woche wird nun also verhandelt. Angesetzt sind vier Prozesstage. Als Zeugen geladen sind wieder die Polizeibeamten, die damals die Vernehmung des Schrotthändlers durchgeführt haben, der Ingolstädter Staatsanwalt, der die Ermittlungen im Fall Rupp geleitet hat, sowie Personen aus dem privaten Umfeld des Angeklagten.

Sollte der Beschuldigte diesmal verurteilt werden, könnte die Strafe mild ausfallen, weil das Gericht einem Angeklagten beim Strafmaß entgegenkommen muss, wenn sich ein Verfahren länger hinzieht als zumutbar. Aber egal, wie es ausgeht: Es ist vermutlich ohnehin erst der vorletzte Akt im Fall Rupp. Denn danach steht allen Beteiligten noch die Möglichkeit offen, Revision gegen das Urteil einzulegen. Und davon muss man ausgehen.

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