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Neuburg/Karlshuld

13.05.2020

Fitnessstudiobetreiber scharren mit den Füßen

Hans Dünstl und sein Sohn Michael haben die Zeit des geschlossenen Fitnessstudios im Rödenhof genutzt, um es auf Vordermann zu bringen. Wann es wieder öffnen darf, weiß niemand so genau.
Bild: Gloria Geissler

Plus Nach und nach öffnet sich das Leben wieder, nur die Fitnessstudios dürfen nicht. Deren Inhaber fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Wie knapp es finanziell für manch einen wirklich wird, wird sich wohl erst noch zeigen.

Die Sitze sind neu bezogen, die Wände frisch gestrichen und die Gewinde der Geräte geschmiert. Hans Dünstl hat die Corona-Zeit genutzt, um sein Fitnessstudio im Rödenhof auf Vordermann zu bringen. Am 17. März mussten alle Studios in Bayern schließen. Während Geschäfte, Gastronomie, Friseurläden und selbst die Bundesliga langsam wieder anlaufen, müssen die Fitnesstempel weiterhin geschlossen bleiben. „Wir sind die Ersten, die zumachen mussten, und die letzten, die wieder öffnen dürfen“, fasst Ulrike Krebs die Lage zusammen. Mit ihrem Mann Gregor betreibt sie das „No Limit“ im Neuburger Fürstgartencenter. Dort, wo sonst das Leben pulsiert, der Schweiß tropft, ist seit fast zwei Monaten tote Hose. Nicht nur Familie Krebs fühlt sich von der Politik im Stich gelassen, in ganz Bayern werden die Proteste der Fitnessstudiobetreiber immer lauter. Und auch Mitglieder beschweren sich.

Im „Moofit“ in Karlshuld macht Hans-Peter Dittenhauser aus der Not eine Tugend. Seit dieser Woche bietet er Sportkurse im Freien an: Rückenschule, Core Fitness, Yoga und Kid fit für Kinder – wie es die Hygienevorgaben vorschreiben mit Mindestabstand und nur mit maximal vier Teilnehmern. Es ist ein Versuch, wie Dittenhauser sagt, der geglückt ist. Seine Kurse stoßen auf großes Interesse. Es scheint, die Menschen hätten darauf gewartet, sich endlich wieder gemeinsam bewegen zu dürfen. Die Kurse gibt es gratis. „Mir geht es darum, meine Mitglieder wieder zu sehen“, sagt Dittenhauser, und natürlich auch ein bisschen darum, sich und sein Fitnessstudio wieder in Erinnerung zu bringen. Denn das „Moofit“ kam gerade erst aus den Startlöchern, als es von der Corona-Krise erwischt wurde. Das seit Oktober geöffnete Studio arbeitete noch am Aufbau seines Kundenstamms, als die Hiobsbotschaft kam.

Das "Moofit" in Karlshuld bietet jetzt Sportstunde im Freien an

Aber auch etablierten Studios macht die unbefristete Schließung zu schaffen. „Wir sind jetzt schon bei einem sechsstelligen Verlust“, gibt Gregor Krebs unumwunden zu. Im „No Limit“ werden den Mitgliedern für die Zeit der Schließung keine Beiträge abgezogen. „Wir finden das nur fair und wollen kein schlechtes Gewissen haben, Geld bekommen zu haben für nicht erbrachte Leistung“, sagt Uli Krebs.

Fitnessstudiobetreiber scharren mit den Füßen
Bild: Gloria Geissler

Dem neuesten Studio in Neuburg hat Corona die Geburtstagsparty vermasselt. Eigentlich hätte das „Easy Fitness“ im März sein Einjähriges gebührend feiern wollen, doch daraus wurde nichts. Stattdessen wurden eifrig Geräte gerückt, damit die Mitglieder während des Trainings den Mindestabstand einhalten können, wenn irgendwann wieder geöffnet wird. Wie die Hygienevorschriften genau aussehen werden, weiß niemand so genau, aber Sauna, Duschen, ja sogar die Umkleiden werden wohl geschlossen bleiben müssen. Schon allein wegen dieser Umstände glaubt Markus Reiter, der Inhaber von „Easy Fitness“, nicht, dass es nach der Wiederöffnung einen großen Ansturm geben wird. Vor allem aber werden wohl die Neuanmeldungen ausbleiben. „Wenn wir keine Neuverträge abschließen, wird es irgendwann unwirtschaftlich“, sagt Reiter. Akut sind die meisten Fitnessstudios nicht von Liquiditätsproblemen bedroht, denn die Beiträge ziehen die meisten nach wie vor ein und hängen die ausgefallenen Monate dann hinten dran. Wie hart es die Studios wirklich trifft, wird sich also wohl erst in ein paar Monaten zeigen.

Das EMS in Neuburg darf wohl bald schon öffnen

Bei „Clever Fit“ steht man schon in den Startlöchern. „Wir könnten jederzeit loslegen“, sagt Inhaber Stefan Lechner. Bei ihm herrscht Unverständnis für die momentane Situation. „Wir haben sogar ein computergestütztes Programm am Eingangsbereich.“ Besser als jede Tracking-App kann es mit einem Klick nachvollziehen, wer wann mit wem zusammen im Studio war. „Bei uns lässt sich also alles auflisten – sollte ein Erkrankter unter den Trainierenden gewesen sein“, sagt Lechner. Immerhin darf er wohl schon bald sein EMS-Studio in der Innenstadt wieder öffnen. Eine Klage sei erfolgreich gewesen, sodass Lechner hofft, dass wenigstens dort spätestens nächste Woche die Sportler wieder los legen dürfen.

Während es vielen Kollegen nicht schnell genug gehen kann, mahnt Hans Dünstl zur Vorsicht, schließlich gehe es um die Gesundheit. Gerade vormittags trainieren in seinem Studio im Rödenhof viele Senioren. Gerade für sie sei zwar möglichst viel Bewegung essenziell, aber nicht um jeden Preis.

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