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Neuburg

11.11.2019

Grüne: Wo bleibt der Aufwind auf dem Land?

Die politische Großwetterlage im Land beschert den Grünen derzeit rosige Aussichten.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Plus Auf Bundesebene fliegen die Grünen von einem Hoch zum nächsten, in Großstädten sind sie beliebt wie nie. Auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen geht es aufwärts.

Die Grünen sind im Höhenflug. Im Westen Deutschlands und vor allem in Großstädten hat die einst belächelte Öko-Partei bei den Europa- und Kommunalwahlen historische Erfolge gefeiert. Sogar der Einzug ins Kanzleramt ist inzwischen nicht mehr undenkbar. In kleineren Städten, in Gemeinden und auf dem Land sieht die Situation oft anders aus. In Bayern und auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen dominieren oftmals CSU und Freie Wähler. Wir haben mit Theo Walter, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Neuburger Stadtrat und Kreistag von Neuburg-Schrobenhausen gesprochen. Er verfolgt die Entwicklung seiner Partei seit Jahrzehnten aufmerksam und sagt: Es kündigt sich eine Trendwende an.

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Blickt man auf die reinen Mitgliederzahlen im Kreisverband, so sind die Grünen (noch) ein zartes Pflänzchen. Aber immerhin: eines, das wächst. „Wir sind rund 60 Mitglieder und es werden täglich mehr“, sagt Walter. Zum Vergleich: Bei der letzten Kommunalwahl im Jahr 2014 zählte der Kreisverband erst 40 Mitglieder. „Und da sind wegen der Diskussion um Schorn schon zehn Mitglieder aus Karlskron dazugekommen“, erklärt Walter. Man könne also vor den anstehenden Kommunalwahlen im März 2020 von einem Drittel mehr an Mitgliedern gegenüber der vergangenen Wahl sprechen. In Schrobenhausen sei zudem in diesem Jahr ein neuer Ortsverband Schrobenhausener Land mit 17 Mitgliedern entstanden, zum ersten Mal werde es dort einen grünen OB-Kandidaten geben.

Neuburg-Schrobenhausen: Grüne (noch) ein Randphänomen

Insgesamt, sagt Walter, sei er mit der Steigerung zufrieden. Er hoffe, dass sich die positive Entwicklung seiner Partei auch nach den Kommunalwahlen fortsetzen werde. Denn trotz des Zuspruchs, den die Grünen beispielsweise in Großstädten erfahren, können die Zahlen im Landkreis nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Partei dort bislang nicht mehr als ein Randphänomen darstellt. Woran das liegen könnte? „Wir haben einfach noch nicht genügend neue Leute zusammen“, gibt Walter zu. Vor allem dort, wo es keine Ortsverbände und damit auch keine gewachsenen Strukturen gebe, sei es schwer, von Null auf zu beginnen. Junge Leute, beispielsweise durch die Fridays-For-Future-Bewegung politisiert, verlieren sich nach einiger Zeit wieder, weil es nichts gibt, wo sie andocken könnten, sagt Walter. Und spätestens wenn sie wegen des Studiums oder der Arbeit die Gegend verlassen, bliebe für die Grünen als Partei nichts hängen.

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Dennoch gäbe es auch im ländlichen Raum Zeichen einer Trendwende. In Waidhofen etwa, einer kleinen Gemeinde im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen mit etwas mehr als 2000 Einwohnern, werde es zur Kommunalwahl gelingen, eine kleine Liste mit rund sechs Personen für den Gemeinderat aufzustellen. Und auch in Neuburg rechnet Walter mit einer Premiere: „Wir gehen davon aus, dass wir mit Gerhard Schoder nicht nur einen OB- Kandidaten stellen, sondern erstmals die 30 Kandidaten umfassende Liste für den Stadtrat voll oder zumindest fast voll bekommen werden.“ Grund dafür seien viele Parteieintritte in den vergangenen Wochen, gerade von jungen Menschen, darunter auch viele Frauen. Das Ziel sei es, sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag, die Zahl der Mandate zu verdoppeln – von zwei auf vier beziehungsweise von drei auf sechs. In den Gemeinden, etwa in Rennertshofen, sollen mittelfristig gezielt neue Ortsverbände entstehen, um flächendeckend vertreten zu sein.

Neuburg-Schrobenhausen: Das sind die Probleme der Grünen auf dem Land

„Vor ein paar Jahren waren wir noch eine Randerscheinung“, erinnert sich Walter. Als „Verrückte“ seien sie verspottet worden, bis politische Gegner wie Wähler gemerkt hätten: „Die liegen ja doch nicht so verkehrt!“ Nichtsdestotrotz seien die Vorbehalte gegenüber seiner Partei auf dem Land nach wie vor groß. Mit einer linksgrünen Ideologie, die vielleicht in Großstädten salonfähig sein mag, lässt sich in der Provinz kein Blumentopf gewinnen, dessen ist sich Walter bewusst. „Wir müssen die Menschen mit vernünftigen Argumenten erreichen, und nicht auf grüner Ideologie rumreiten“, sagt er. Die Grünen seien zwar in einem städtischen Umfeld entstanden, umgeben von städtischen Problemen. Das seien aber oft nicht die Probleme der Landbevölkerung, vielmehr seien diese oft entgegengesetzt.

„Die Genderproblematik interessiert auf dem Land niemanden“, sagt Walter überspitzt. Das Thema Mietpreissteigerung sei auch ein typisch städtisches und spiele auf dem Land eine untergeordnete Rolle. Auch der Kontakt mit Fremden sei in der Stadt viel normaler als auf dem Land – Stichwort Asyl. Allergisch würde die Landbevölkerung auch reagieren, wenn sie den Eindruck bekäme, die Grünen seien prinzipiell gegen Autos. „Erzählen sie das mal jemandem in Illdorf oder Attenfeld, der nicht mal eine anständige Busverbindung hat.“ Auch bei Landwirten hatten die Grünen lange einen schweren Stand. „Wir waren die Spaßverderber, die den Landwirten den Garaus machen wollten.“ Durch die Vorschläge seiner Partei für eine bessere Agrarpolitik, die den Bauern ein Einkommen sichert und gleichzeitig nicht zu immer mehr Großbetrieben führt, hätte gerade aufgrund des Biobooms jedoch ein Umdenken stattgefunden. Langfristig, ist Walter überzeugt, werde sich eine Politik der Nachhaltigkeit auch in ländlichen Regionen durchsetzen.

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