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Neuburg-Schrobenhausen

22.09.2017

Haben Vereinsgaststätten im Landkreis eine Zukunft?

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Langen ehrenamtlich bei den Veranstaltungen sowie Heimspielen für die Bewirtung beim FC Zell/Bruck mit hin: (von rechts) Ulrike Rupaner, Jochen Vetter, Hubert Eisenhofer und Andrea Vetter.
Bild: Xaver Habermeier

Die einen suchen händeringend nach einem Pächter, andere bewirten notgedrungen selbst. Wer heute eine Vereinswirtschaft betreiben will, muss durchaus erfinderisch sein

Nagelneu, mit moderner Küche und großer Theke, nur eines fehlt: ein Wirt. Der TSV Burgheim sucht händeringend einen Pächter für seine Vereinsgaststätte im neu gebauten Sportheim. Doch jemanden zu finden, ist schwierig. Notgedrungen wird es deswegen derzeit auf ehrenamtlicher Basis von den Vereinsmitgliedern betrieben. Aber diese Art der Bewirtung mit Ehrenamtlichen, die auch schon beim Neubau unermüdlich geholfen haben, soll und kann nur eine Zwischenlösung sein, sagt der für Veranstaltungen zuständige Stefan Stadler.

Der TSV Burgheim ist nicht der einzige Verein im Landkreis, der für sein Sportheim einen Wirt sucht. In manchen Orten liegt das gesellschaftliche Vereinsleben brach, in anderen halten ein paar wenige gute Seelen die Bewirtung aufrecht, aber es gibt auch positive Beispiele.

Sabrina Uhlich hat erst vor Kurzem die Sportgaststätte des BSV Neuburg übernommen. Davor hatte das Vereinsheim einige Wechsel hinter sich. Zeitweise wurde es von Mitgliedern betrieben, zeitweise gab es Pächter, aber die blieben oft nur kurz. Nur vom abendlichen Getränk der Sportler nach den Trainings leben können die wenigsten. Dessen ist sich auch Uhlich bewusst. Deswegen bietet sie einen erweiterten Service an. Sie will Veranstaltungen aller Art in die Vereinsgaststätte locken und bietet auch ein Catering an.

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Erleichtert ist man auch in Joshofen. Für die Sportgaststätte am See konnte der Verein nahtlos einen Nachfolger für das nach Kroatien zurückkehrende Pächter-Ehepaar Maria und Boce Stipic finden. Die ehemaligen Wirtsleute der „Burgschänke“ auf der Willibaldsburg in Eichstätt, Elke und Eberhard „Dino“ Schubert, haben das Vereinsheim Anfang des Jahres übernommen. Vorsitzender Hubert Daubmeier ist zufrieden: „Die Bewirtung läuft ganz gut an und wird immer mehr angenommen.“

Nebenbei betreibt Tobias Prüfer die Vereinsgaststätte in Bergheim. Er arbeitet hauptberuflich als Koch und bietet im Sportheim abends und an den Wochenenden bayerische Küche zusammen mit seiner Freundin Tschoiwan Tang an. „Ich mache das nebenbei, denn davon leben könnten wir nicht“, erzählt er. Aber was umgesetzt wird, entspreche seinen Erwartungen.

Mithilfe der Brauerei ist man bei der TSG Untermaxfeld im Internet fündig geworden. Lange hatte Josef Fischer mitsamt seinen Vereinskollegen nach einem Pächter gesucht, teilweise die Gaststätte ehrenamtlich selbst betrieben – keine Lösung auf Dauer. Die Vereinsmitglieder helfen zwar immer noch mit, aber in machbarem Maße: Bei Heimspielen wird der Kiosk direkt am Fußballplatz mithilfe Ehrenamtlicher aus dem Verein ergänzt.

So viel Glück hatten der SC Ried und der FC Zell/Bruck nicht. Früher war das Vereinsheim an Wirte verpachtet. „Aber das rechnet sich heutzutage nicht mehr“, berichtet der Vizevorsitzende Hubert Eisenhofer. Er selbst und einige besonders Fleißige kümmern sich mit viel Herzblut um die Bewirtschaftung. Neben dem Ausschenken von Getränken und der Ausgabe von Speisen bei den Heimspielen gibt es im Pavillon auch noch einige Vereinsveranstaltungen oder Geburtstagsfeiern. „Es läuft, aber ein paar Freiwillige mehr zur Unterstützung wären schon nötig“, so Eisenhofer.

Das Problem mit den freiwilligen Helfern ist altbekannt. Es falle immer schwerer, Ehrenamtliche für ein andauerndes Engagement im Verein zu gewinnen, sagt Ralph Bartoscheck vom Kreisklassisten SC Ried. Als Gründe nennt der Abteilungsleiter, dass viele aus finanziellen Gründen einem Nebenjob nachgehen und in Familien beide Eltern berufstätig sind. Das Zeitmanagement von Familie, Beruf und sonstigen Verpflichtungen lässt ein zeitaufwendiges Ehrenamt oft nicht zu. Und die Bewirtschaftung eines Vereinsheims erfordere Zeit und Engagement. Das fange bei der Bestellung von Speisen und Getränken an und reiche bis hin zur Bewirtung, der Buchführung und dem Putzen der Einrichtungen. Noch dazu sind die Gaststätten meistens am Abend und am Wochenende geöffnet – keine allzu beliebten Arbeitszeiten. Bartoscheck verweist auf das schmucke Rieder Vereinsheim im nördlichen Stadtteil mit funktioneller Ausstattung. Aber dort trifft sich nur noch am Freitagabend eine gesellige Runde. Die kümmern sich allerdings selbst um Essen und Getränke. Bei Heimspieltagen oder Vereinsveranstaltungen langen Mitglieder und Spielerfrauen mit hin.

Einen Vorzeigebetrieb mit Ehrenamtlichen betreibt der FC Ehekirchen. Hier ist es der Vereinschef Alois Bauer, der selbst mit hinlangt und sich für keine Arbeit zu schade ist. „Meine Ehefrau Agatha arbeitet mit einigen Mithelferinnen in der Küche, Josef Spreng und Walter Fiedler kümmern sich um die Getränke.“ Bei Festivitäten sowie bei Heimspielen packen noch viele Freiwillige mehr mit an. „Alle machen das ehrenamtlich, die Einnahmen fließen in den Verein“, sagt Bauer. Er ist sich sicher, dass eine gut funktionierende Bewirtschaftung der Vereinsgaststätte einem intakten Vereinsleben zugutekommt. Daraus zieht er seine Energie.

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