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Neuburg

16.11.2019

Historische Aufstellung bei den Grünen in Neuburg

So sehen sie aus, die Kandidaten der Neuburger Grünen für den Stadtrat. Bunt gemischt, unterschiedlichen Alters, weiblich und männlich, schicken sie sich an, die etablierten Machtverhältnisse im Rathaus neu zu ordnen.
Foto: Marcel Rother

Plus Erstmals stellen die Grünen 30 Kandidaten für die Stadtratswahlen auf. Die Jüngste ist 17 Jahre alt. Auch die Frauenquote ist rekordverdächtig.

Die Grünen in Neuburg ließen bei ihrer Nominierungsversammlung am Freitag im Gasthaus Pfafflinger keinen Zweifel daran, dass sie Morgenluft wittern. „Wir haben nicht nur bundesweit und in den Großstädten Aufwind, sondern auch in Neuburg“, sagte die Ortsvorsitzende Karola Schwarz zur Begrüßung der Mitglieder und Gäste im gut gefüllten Gasthaus. Zum vollen Saal passte die Nachricht, dass die Grünen in Neuburg zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 1986 die 30 Personen umfassende Liste für den Stadtrat voll bekommen werden.

„Ich bin froh, dass so viele den Mut gefasst haben und sich auf die Liste haben setzen lassen“, sagte der Ortsvorsitzende Norbert Mages. Er sieht damit einen gesamtgesellschaftlichen Trend in Neuburg angekommen. Als er im Jahr 1992 zu den Grünen gekommen sei, habe die Partei bundesweit 48.000 Mitglieder gehabt, heute seien es 95.000. Bayernweit sei die Zahl von damals 4800 auf heute 15.000 gestiegen. Und im Kreisverband Neuburg-Schrobenhausen sind es mit über 60 Mitgliedern rund ein Drittel mehr als noch bei den vergangenen Kommunalwahlen im Jahr 2014. Aktuelle Umfragewerte sehen die Grünen bundesweit bei einem Stimmenanteil von ungefähr 20 Prozent. „Das werden wir in Neuburg nicht ganz erreichen“, räumte Mages ein. Dennoch gab er sich kämpferisch und formulierte für die bevorstehenden Wahlen im März folgendes Ziel: „Wir wollen es mit unserem Oberbürgermeisterkandidaten Gerhard Schoder in die Stichwahl schaffen!“

Gerhard Schoder, OB Kandidat der Grünen in Neuburg.
Foto: Karin Heidmeier

Grüne Neuburg: Gerhard Schoder ist OB-Kandidat

Dass der das uneingeschränkte Vertrauen seiner Partei genießt, wurde bei der Nominierungsversammlung ebenfalls deutlich. Als alleiniger Bewerber wurde er von den 21 Stimmberechtigten einstimmig zum Oberbürgermeisterkandidaten der Grünen für Neuburg gewählt. Schoder, 38 Jahre alt, verheiratet, hat vier Kinder, wurde in Ingolstadt geboren und ist in Neuburg aufgewachsen. Er nutzte die Gelegenheit, um die Parteimitglieder und Gäste auf eine Zeitenwende und die bevorstehenden Wahlen einzuschwören. „Heute ist ein besonderer Tag für die Grünen: So viele Leute hatten wir noch nie in Neuburg!“ Er wertete dies als Zeichen dafür, dass seine Partei in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei und nun auch in der Stadtpolitik eine gewichtigere Rolle einnehmen werde. Er sprach von einem „Sturm, der die Talare der Stadtpolitik aufwirbeln“ werde.

Schoder eröffnete sogleich den Wahlkampf mit einem Seitenhieb gegen die CSU, bei der er einst Mitglied war. Deren Stadtratsliste für die Kommunalwahlen 2020 hätte einen Frauenanteil von gerade einmal 23 Prozent. Das spiegele „das überholte Verständnis von Gleichberechtigung“ innerhalb der Partei wider. Dagegen lobte er die SPD, die auf ein geschlechtergerechtes Verhältnis von 50:50 komme. Im Gegensatz dazu liegt der Frauenanteil bei der Stadtratsliste der Grünen bei rekordverdächtigen 63 Prozent. Die jüngste Aspirantin für den Stadtrat, Nina Vogel, ist 17 Jahre alt. Die Schülerin, die in ihrer Freizeit vegane Brunches organisiert, Kleidertauschaktionen veranstaltet und sich an den „Fridays for Future“-Demonstrationen beteiligt, begründete ihre Motivation, sich zur Wahl zu stellen, wie folgt: „Ich möchte die Wünsche und Visionen der Jugend vertreten, deshalb engagiere ich mich.“

Kommunalwahl 2020: Das sind die Ziele der Grünen in Neuburg

Für welche politischen Ziele sich Schoder und die Grünen in Neuburg einsetzen wollen, machte der OB-Kandidat in einem kurzen Abriss einiger Wahlkampfthemen klar. Zusammengefasst sagte er: „Ich will Neuburg fit für die Zukunft machen.“ Konkret wolle er die Stadt beispielsweise „lebens- und liebenswerter“ machen. So soll etwa die Hälfte des städtischen Budgets für Straßen in Zukunft für Fahrradwege ausgegeben werden, zurzeit lägen die Ausgaben bei einem Drittel. Zusätzlich soll es mehr Fahrradständer und städtische Zuschüsse für Lastenräder geben. „Wenn ich Bürgermeister bin, werden keine Grünflächen oder Spielplätze mehr für Parkplätze geopfert – die Menschen müssen an erster Stelle stehen“, sagte er. Die neu gestaltete Gärtnerstraße und den Spitalplatz brandmarkte er als Betonwüsten ohne Aufenthaltsqualität. „Wir wollen kleine grüne Oasen in der Innenstadt, in denen die Menschen die Stadt genießen können“, sagte er. Vehement will er auch gegen Hetze von rechts Position beziehen, etwa, indem er das Bündnis „Neuburg ist bunt“ unterstützt. Die kommenden Wochen wollen er und seine Partei nutzen, um weiter an ihrem Wahlprogramm zu feilen.

Die Stadtratsliste der Grünen für die Kommunalwahlen 2020:

  1. Gerhard Schoder, 38 Jahre, selbstständiger Unternehmer
  2. Karola Schwarz, 48, Angestellte, Stadträtin (StR), Kreisrätin (KR)
  3. Lisa Forster, 32, Gestalterin für visuelles Marketing
  4. Norbert Mages, 59, Ausbilder von Englischlehrkräften
  5. Mona Wolbert, 62, Angestellte
  6. Theodor Walter, 70, Stadtrat (StR), Kreisrat (KR), Rechtsanwalt
  7. Nina Vogel, 17, Schülerin
  8. Anton Stiglmair, 60, Schädlingsbekämpfer
  9. Violetta Vogel, 24, Angestellte
  10. Köstler Matthias, 38, technischer Redakteur
  11. Maria Sax, 57, Lehrerin
  12. Alexandra Fromm, 60, Bildhauerin und Malerin
  13. Heike Schleer, 51, Architektin und Kunstlehrerin
  14. Andreas Kellerer, 35, Marketing Manager
  15. Gabi Mages, 56, Gymnasiallehrerin
  16. Ulrich Hennes, 67, Kaufmann
  17. Kathrin Köstler, 38, Trainerin/Beraterin
  18. Uwe Jakob, 57, Psychotherapeut
  19. Julia Grollmann, 40, Kunstpädagogin
  20. Thomas Schechinger, 38, Psychotherapeut
  21. Jutta Roßkopf, 53, Physiotherapeutin
  22. Dieter Moosheimer, 62, Geschäftsführer
  23. Judith Ker, 45, Mathematikerin
  24. Thomas Wienhardt, 47, Professor für Praktische Theologie und Abteilungsleiter im Bistum Augsburg
  25. Ina Degen, 33, Innenarchitektin
  26. Claudia Walter, 40, Wissenschaftliche Angestellte
  27. Sigrid Murr, 60, Angestellte
  28. Maria Schechinger, 36, Pädagogin
  29. Christine Schoder, 70, Pensionistin
  30. Hildegard Sprenzel-Wacker, 82, Rentnerin

Nachrücker sind Sarah Schoder, 38, und Stefan Kaufmann, 51.


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