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Ingolstadt

13.08.2019

In Ingolstadt soll es bald eine demokratische Schule geben

Lernen, was und wann man will: Das ist das Grundprinzip demokratischer Schulen. Ein Verein plant in Ingolstadt eine solche Schule. 
Bild: Uwe Anspach (dpa)

Ein Verein will in der Region eine demokratische Schule gründen. Hier sollen Kinder nur das lernen, was sie auch wirklich lernen wollen. Doch die Hürden sind hoch.

Wenn sich Brigitte Kloess eine Schule für ihre Tochter basteln könnte, dann sähe die so aus: Drinnen experimentieren ein paar Kinder in einem Labor herum, draußen toben sich ein paar Teenager auf einer Wiese aus und ein paar Meter weiter buddeln die Schüler, auch schon die Kleinsten, im Gemüsebeet. Und für die Leseratten stehen jede Menge Bücher in einer Bibliothek, in die sie sich jederzeit zurückziehen können. Noten gibt es nicht, Prüfungen und Stundenpläne genauso wenig, keine Hausaufgaben, keinen Lehrplan und auch keinen Druck, binomische Formeln oder Vokabeln pauken zu müssen. Von einer „kindgerechten Schule“ spricht Kloess. Für sie und ihre Mitstreiter aus dem Raum Ingolstadt soll eine solche Schule kein Traum bleiben. Sie haben vor zwei Jahren einen Verein gegründet, um in der Region schon bald eine demokratische Schule gründen zu können. Das Ziel ist eine Eröffnung der Privatschule zum Schuljahr 2021/22 mit gut 20 Schülern, es wäre die erste in Bayern.

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Die Sudbury-Schule am Ammersee wurde nach dem Probebetrieb geschlossen

Dass sie mit Widerständen rechnen müssen, wissen sie. Nach einem zweijährigen Probebetrieb wurde die Sudbury-Schule am Ammersee, ebenfalls eine demokratische Schule, 2016 von der Regierung von Oberbayern wieder geschlossen, im Juni erst kam das vorläufige Aus für die Initiatoren der Luana-Schule in Augsburg: Die Regierung von Schwaben hat die Anträge für eine Grund- und Mittelschule abgelehnt. Die Begründung: Ein nach dem Gesetz erforderliches besonderes pädagogisches Interesse sei nicht schlüssig nachgewiesen.

Der Ingolstädter Verein will sich nicht entmutigen lassen. Auch, wenn immer wieder die gleichen Fragen auftauchen: Lernen die Kinder dort überhaupt etwas? Gibt es an dieser Schule irgendwelche Regeln? Und was ist nach der Schule, können die Schüler später in der Arbeitswelt mithalten? Auf alle Fragen kennt Kloess eine Antwort: „Ja.“

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Kernelement demokratischer Schulen ist, dass die Kinder selbst entscheiden, wann und was sie lernen. Dass sie an der Schule etwas lernen, ist für Kloess zweifellos der Fall, auch wenn es weder Klassen noch klassische Lehrer gibt. Die heißen an einer demokratischen Schule Lernbegleiter, müssen aber ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorweisen.

Kinder sollen herausfinden, was ihnen Freude macht, sagt Kloess. Lesen, rechnen, schreiben, all das wollen Kinder irgendwann aus eigenem Antrieb lernen – mancher früher, mancher später. Irgendwann, sagt Kloess, würden sie merken, dass man sonst von der Gesellschaft ausgeschlossen wird.

Abschlüsse werden an der demokratischen Schule in Ingolstadt nicht angeboten

Abschlüsse werden an der Schule nicht angeboten, sie müssen an anderen Schulen abgelegt werden. Kloess hat sich das Modell der demokratischen Schulen erst vor Kurzem in Berlin angeschaut und dort zwei Absolventen getroffen. Beide hätten eine gute Mittlere Reife absolviert. Und hätten freiwillig für die Prüfungen gelernt, so Kloess, weil sie einen Sinn darin erkannt hätten. Mit der Freiheit, die den Schülern gegeben wird, seien sie besser auf das Leben nach der Schule vorbereitet als mit Frontalunterricht und Leistungsdruck, ist Kloess überzeugt. Faktenwissen rücke künftig mehr in den Hintergrund, stattdessen sollten Menschen im Beruf teamfähig, kommunikativ und kreativ sein – all das, so sagen es die Initiatoren, werde auf einer demokratischen Schule gelernt:„Die Kinder werden perfekt auf die Zukunft vorbereitet.“

Eine Schule ohne Regeln will die demokratische Schule nicht sein. „Es gibt keine Anarchie,“ sagt Kloess. Die Schulpflicht gilt auch hier und innerhalb der Schule müssen die Schüler einiges beachten. Doch die Regeln stellen die Kinder selbst auf. Keine Füße auf den Tisch, nicht länger als eine halbe Stunde am Computer daddeln – so könnten sie aussehen. Wer sich nicht daran hält, muss die Konsequenzen aushalten, die die Mitschüler beschließen. Putzdienst zum Beispiel.

Im kommenden Jahr will der Ingolstädter Verein der Regierung von Oberbayern sein Konzept vorlegen. Allerdings sind die Mitglieder immer noch auf der Suche nach einem Standort und auch nach Lehrern, die in einer demokratischen Schule unterrichten wollen.

Weitere Infos und Termine für Informationsveranstaltungen gibt es unter www.demokratische-schule-ingolstadt.de

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