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Medizin

02.12.2020

In Ingolstadt sollen Drohnen bald Medikamente liefern

Diese Fotomontage zeigt, wie eine Drohne über das Klinikum in Ingolstadt fliegt. Im Rahmen eines Projekts soll erprobt werden, wie der Medikamententransport vonstattengehen könnte.
Bild: Quantum Systems

Plus Vom Klinikum Ingolstadt aus sollen künftig per Drohne Medikamente an umliegende Krankenhäuser geliefert werden. Damit könnten vielleicht sogar Leben gerettet werden.

Zwischen dem Klinikum Ingolstadt und der Ilmtalklinik in Pfaffenhofen liegen rund 40 Kilometer. Eine Dreiviertelstunde braucht man mit dem Auto. Wenn kein Schnee liegt. Wenn es keinen Unfall gibt, wenn keine Straße gesperrt ist. Für die meisten Autofahrer sind ein langer Stau oder vereiste Straßen einfach nur nervig, doch für schwerkranke Patienten kann es dabei um Leben und Tod gehen. Dann nämlich, wenn ein dringend benötigtes Medikament nicht rechtzeitig ins Krankenhaus geliefert werden kann. Eine Alternative zum Auto könnten in Zukunft Drohnen sein.

Ein Projekt am Klinikum in Ingolstadt soll nun Möglichkeiten ausloten, wie über den Luftweg die Medikamentenversorgung an kleineren Krankenhäusern verbessert und gleichzeitig neben Zeit auch noch Geld gespart wird. Das Projekt trägt den Namen „MEDinTime“, das Verkehrsministerium fördert das Vorhaben mit gut einer Million Euro. Projektpartner sind neben dem Klinikum der Landkreis Pfaffenhofen, die Technische Hochschule Ingolstadt sowie das Rote Kreuz und der Drohnen-Hersteller Quantum Systems. Innerhalb von zwei Jahren sollen ein Demonstrator entwickelt und eine Teststrecke zwischen den Krankenhäusern in Ingolstadt und Pfaffenhofen eingerichtet werden.

Projekt am Klinikum Ingolstadt: Drohne kann aktuell 700 Gramm tragen

Knapp 1500 verschiedene Medikamente lagern in der Apotheke des Klinikums. Von hier aus werden viele umliegende Krankenhäuser, einige Spezialkliniken und auch mehrere Rettungsdienste mitversorgt. Zweimal in der Woche werden die Krankenhäuser regulär von Ingolstadt aus beliefert. Hinzu kommen sechs bis sieben Notfalllieferungen. Das kann zum Beispiel für einen Patienten sein, der dringend auf ein bestimmtes Reserve-Antibiotikum angewiesen ist. „Mit einer schnellen Lieferung steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit“, erklärt Peter Linhardt, Leiter der Klinikum-Apotheke.

Das Medikament könnte in eine Transportbox an der Drohne, die aktuell 700 Gramm tragen kann, gepackt und dann schnell losgeschickt werden – auf langfristige Sicht sogar komplett autonom. Auf das Klinikum kommen bei dem Projekt voraussichtlich „weder größere Kosten noch Umbauten“ für Starts und Landungen zu, erklärt Geschäftsführerin Monika Röther. Lediglich Platz braucht die Drohne, an die 20 Quadratmeter.

Eine Fotomontage zeigt, wie sie über der Notaufnahme schwebt – und überhaupt nicht aussieht wie eine klassische Kopterdrohne mit mehreren Rotoren. Eher wie ein Flugzeug mit einer Spannweite von gut zweieinhalb Metern. Diese Form bringe einige Vorteile mit sich, erklärt Claudia Steinhoff, Sprecherin von Quantum Systems. Die elektrisch betriebene Drohne kann senkrecht aufsteigen und danach in den Gleitflug wechseln. Was den Energieverbrauch senkt und gleichzeitig die Flugdistanz erhöht. Die Energie reicht laut Steinhoff für rund 100 Kilometer, die die Drohne in etwa eineinhalb Stunden zurücklegen kann. Die Strecke Ingolstadt-Pfaffenhofen und zurück wäre damit problemlos zu bewältigen.

Mobilität der Zukunft: Kliniken erhoffen sich von Drohnen-Projekt Ersparnisse

Das Projekt umfasst aber mehr als nur allein den Transport von Arzneimitteln. Es ist eingebettet in einen Digitalisierungsprozess rund um die Medikamentenversorgung. Nachdem bereits das digitale Rezept eingeführt worden ist, sollen nun kleinere Häuser in der Region einen Echtzeiteinblick in den Bestand der Notfallmedikamente der Krankenhausapotheke des Klinikums bekommen können. „Wir wollen eine totale Transparenz über unsere Bestände“, sagt Peter Linhardt. Und damit Zeit sparen und auch Geld. Denn die Bevorratung von selten benötigten Notfall-Medikamenten ist für kleine Kliniken teuer.

Steht beispielsweise bei Patienten, die einen Blutverdünner nehmen, eine Notfall-OP an, so muss die erhöhte Blutungsgefahr durch Gegenmittel, sogenannte Antidote, aufgehoben werden. Diese kosten – je nach Mittel und Menge – zwischen 2000 und 30.000 Euro pro Therapie. Und wenn das Verfallsdatum erreicht ist, müssen sie entsorgt werden. Mithilfe des Projekts kann so auch die Lagerhaltung effizienter gestaltet werden. „Als großer Versorger wollen wir eine innovative Rolle in der Region einnehmen“, sagt Röther.

Die Deutsche Bahn beteiligt sich am Modellprojekt „Urban Air Mobility“. Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär, DB-Vorstand für Digitalisierung und Technik Sabina Jeschke und Ingolstadts OB Christian Lösel unterzeichneten eine entsprechende Absichtserklärung. Mit dabei: der Bundestagsabgeordnete Reinhard Brandl (CSU). 
Bild: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

„MEDinTime“ ist nur ein Beispiel aus einer Reihe von Vorhaben, die in Ingolstadt gerade rund um das Thema Mobilität in der Luft am Entstehen sind. Als Mitglied in der europäischen Initiative Urban Air Mobility hat sich die Region mittlerweile einen Namen als Zentrum für Entwicklungen rund um die Mobilität in der dritten Dimension gemacht. Bekanntes Beispiel dürfte ein von Airbus entwickeltes Flugtaxi sein.

Erst am Dienstag hat sich Airbus-Helicopters-Chef Bruno Even mit einem Tweet zu Wort gemeldet. Zu sehen ist der City Airbus, der in Manching erprobt wird. Nach Donauwörth, wo er gebaut wurde, ist er jetzt auch vor den Toren Ingolstadts in die Luft gegangen. In den kommenden Jahren wird die Region rund um Ingolstadt Fördergelder vom Freistaat in Höhe von 100 Millionen Euro für verschiedene Projekte bekommen.

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