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Ingolstadt

28.01.2019

Ingolstadt gedenkt der Opfer des Holocaust

Die Schüler der Ludwig-Fronhofer-Realschule in Ingolstadt gestalteten das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
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Die Schüler der Ludwig-Fronhofer-Realschule in Ingolstadt gestalteten das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
Bild: Manfred Dittenhofer

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung mahnen Redner wie der ehemalige Kultusminister Ludwig Spaenle: Hetze gegen Juden sei noch immer aktuell.

Hass! Ofen! Leid! Ohnmacht! Chaos! Ausrottung! Unrecht! Schmerz! All diese Attribute stehen für den HOLOCAUST. Und ihre Anfangsbuchstaben bilden auch dieses Wort. Die Schüler der Ludwig-Fronhofer-Realschule haben sich einiges einfallen lassen, um bei der zentralen Ingolstädter Gedenkfeier eindringlich an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Seit 1998 veranstaltet die Stadt diese Gedenkfeier in Zusammenarbeit mit den Ingolstädter Schulen. Dieses Mal richteten die Schüler und Lehrer der Realschule am Schulzentrum Südwest die Gedenkfeier aus.

Das Gedenken an die Millionen von Opfern dieser industriell organisierten Menschenvernichtung soll durch die eingehende Erinnerung in die Gegenwart wirken. Denn, so die Schüler, auch 74 Jahre nach dem Holocaust werden in Europa und Deutschland Juden beleidigt und bedroht. 30 Prozent der europäischen Juden überlegen gar, den Kontinent zu verlassen. Eindringlich deshalb auch die Worte von Ludwig Spaenle. Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, war für die Feier nach Ingolstadt gekommen und betonte die Diskriminierung bis hin zur Vernichtung von Juden sowie Sinti und Roma. Die ganze Perversion dieser Taten lasse der Umstand erahnen, dass die Deportationszüge im Bahnverkehr Vorrang vor den Nachschubzügen an die Wehrmacht hatten.

Die junge Generation trage keine Schuld, sondern eine immense Verantwortung

Regelrecht salonfähig sei es inzwischen wieder, gegen Deutsche jüdischen Glaubens zu hetzen. Umso beeindruckter zeigte sich Spaenle vom Umgang der Schüler mit diesem Thema. Die junge Generation trage keine Schuld, aber eine immense Verantwortung: „Es geht um die Menschenwürde im Alltag, die wir bewahren, indem wir uns diese Gräueltat immer wieder ins Gedächtnis rufen.“

Ingolstadts Kulturreferent Gabriel Engert mahnte die Verantwortung an, die aus dieser Erinnerung an den Holocaust mitgenommen werden müsse. Immer noch würden antisemitische Straftaten angezeigt. Und in allen Gesellschaftsschichten würden Menschen diskriminiert. Auch die Schüler mahnten: 74 Jahre nach dem Holocaust würden Menschen auf offener Straße beschimpft und bedroht. Immer noch seien Vorurteile vorhanden, gegen die gekämpft werden müsse.

Erinnerungsstele an Marie Herzenberger wurde enthüllt

Bereits am Sonntag wurde eine blaue Stele zum Gedenken an Marie Herzenberger enthüllt. Die Ingolstädterin war als Angehörige der Sinti und Roma am 11. Mai 1943 in Auschwitz ermordet worden.

Bereits 1999 wurden im Luitpoldpark in Ingolstadt sowie an fünf Orten im Stadtgebiet blaue Stelen aufgestellt. Die Landshuter Künstlerin Dagmar Pachtner entwickelte damals ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus, das alte Erinnerungsmale integrierte und den Opfern stellvertretend ein Gesicht gab. Mittels einer Lichtschranke wird das Porträtfoto beleuchtet und eine Beschreibung informiert über den Todeszeitpunkt und die Zugehörigkeit, zum Beispiel zum katholischen Klerus, zu politischen Parteien oder zum jüdischen Bürgertum. Dagmar Pachtner entwarf dazu die markanten blauen Stelen, die sowohl im Luitpoldpark, in der Altstadt als auch am Auwaldsee zu sehen sind. Eine Stele im Luitpoldpark erhielt 1999 kein Porträtfoto. Sie sollte Namen und Opfergruppen gewidmet sein, die erst im Zuge weiterer Forschungen ermittelt werden können. Das Stadtarchiv Ingolstadt hat in Zusammenarbeit mit Serina Roché das Schicksal ihrer Großmutter, Marie Herzenberger, für die freie Stele im Luitpoldpark vorgeschlagen.

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