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Ingolstadt

04.12.2019

Ingolstadts digitaler Kindergarten

Velissaria und Fynn malen um die Wette. Aber nicht mit Zettel und Stift, sondern mit Finger und Tablet.
Bild: Luzia Grasser

Beim Ingolstädter Kindergarten Südwind gehören Tablets zum Alltag. Seit einem Jahr nimmt die Einrichtung als eine von 100 bayerischen Kitas an einem digitalen Pilotprojekt teil.

Bei der fünfjährigen Emma frisst sich die Raupe Nimmersatt gerade durch einen Apfel. Doch sie sitzt nicht neben einer Erzieherin, die ihr das Buch vorliest, vor ihr liegt ein Tablet, über das die Raupe kriecht. Nebenan malen Velissaria und Fynn um die Wette. Wer schafft es eher, dass die Blume ganz blau ist? Doch sie halten keinen Stift in der Hand, sondern wischen mit ihren Fingern über den Bildschirm. Im städtischen Kindergarten Südwind in Haunwöhr gehören Tablets seit einem Jahr zum Alltag. Sie liegen wie Stifte, Spiele und Bausteine in den Gruppenräumen. Der Kindergarten ist eine von 100 Einrichtungen in Bayern, die an dem zweijährigen Modellversuch „Medienkompetenz in der Frühpädagogik stärken“ teilnehmen, der vom Staatsinstitut für Frühpädagogik München (IFP) initiiert wurde. Ziel ist es, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, wie digitale Medien bereits bei kleinen Kindern sinnvoll eingesetzt werden können.

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Der Kindergarten erhielt sechs Tablets, Beamer und Lautsprecher

Vor einem Jahr erhielt der Kindergarten mit seinen 80 Kindern die entsprechende Ausstattung: nicht nur sechs Tablets, sondern auch einen Beamer, eine Leinwand, Mikrofon und Lautsprecherboxen. Zudem steht während der zwei Jahre den Erzieherinnen ein Mediencoach zur Seite. Nach einem Jahr zieht Südwind-Leiterin Sabine Weith ein positives Fazit.

Am Anfang, sagt Weith, habe es durchaus ein paar Eltern gegeben, die dem Projekt skeptisch gegenüber gestanden seien. „Muss das schon im Kindergarten sein?“ habe sie gehört. Oder auch: „Die Kinder spielen doch schon genug zu Hause am Tablet“. Doch dann hätten sie und ihr Team losgelegt und die Stimmen seien verstummt, sagt Weith. Rund zehn Apps werden seitdem intensiv genutzt. Eine halbe Stunde pro Woche darf jedes Kind die Angebote zum Spielen auf dem Tablet nutzen, die Zeit ist begrenzt. „Kein Kind hängt dauerhaft am Tablet dran“, hat Weith beobachtet. „Die Kinder wollen spielen.“ Ganz analog, mit Puppen, Autos und Brettspielen. Anfangs mussten die Erzieherinnen Regeln im Umgang mit den Tablets aufstellen. Zu Anfangszeiten saß schon mal ein Haufen Kinder ums Tablet, jetzt darf nur noch ein Kind zuschauen.

Ingolstadts digitaler Kindergarten

Die Kinder dokumentieren mit den Tablets ihren Kindergarten-Alltag

Aus dem Kindergartenalltag sind die Tablets mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Die Kinder fotografieren viel, erzählt Weith. Die Vorschulkinder zum Beispiel haben im Haus nach verschiedenen Formen gesucht, diese geknipst und dann den anderen gezeigt. Auch der Tagesablauf wird mit dem Tablet dokumentiert, die Kinder machen Bilder von den einzelnen Ereignissen: Wenn gesungen wird, wenn gespielt wird, wenn herumgetobt wird. Für den Tag der offenen Tür haben die Kinder einen Film gedreht und den Besuchern so den Kindergarten – aus ihrer ganz eigenen Sicht – vorgestellt. „Für Kinder ist es spannend, wenn sie etwas präsentieren können“, hat Weith beobachtet. Erst kürzlich haben sie für das Martinsfest ein Schattenspiel gefilmt. Das Tablet sei im Kindergarten ein „Werkzeug“, betont Weith, und nicht ein Mittel, um Kinder ruhigzustellen.

Der Modellversuch läuft noch in diesem Kindergartenjahr. Sabine Weith hofft, dass der Kindergarten auch danach digital bleiben wird.

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