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Gericht

29.11.2019

Ins Gefängnis wegen eines Ladekabels

Ein Mann hält sich zu nahe bei Kindern auf, obwohl er keinen Kontakt zu Minderjährigen haben darf. Auch wenn er diesen nicht gesucht hat, wird er dafür bestraft

Je länger Richter Gerhard Ebner aus dem Bundeszentralregister vorliest, desto klarer wird, warum der Angeklagte inzwischen mehr Zeit im Gefängnis als in Freiheit verbringt. Satte 26 Einträge stehen dort: Sechs Monate Gefängnis wegen Betrugs, vier Monate für Fahren ohne Fahrerlaubnis, sechs Monate dafür, unerlaubt Ausländer nach Deutschland geschleust zu haben. Doch dann gibt es einen Eintrag, der aus dem Rahmen fällt: Ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe unter anderem für den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen.

Der Mann, der diesen langen und breiten Eintrag sein wenig stolzes Eigentum nennt, stand am Dienstag in Neuburg vor Gericht. Die Gefängnisstrafe für den Missbrauch hat der 55-Jährige längst verbüßt. Aber wirklich frei wird er nach dieser Tat wohl nie wieder sein. Denn an die Gefängnisstrafe fügt sich eine Weisung an: Er darf keinen Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen, und Orte, an denen sie sich aufhalten, muss er meiden. Die Weisung gilt für ihn unbefristet, womöglich bis an sein Lebensende. Schon einmal hat er gegen sie verstoßen – ein Jahr und vier Monate Gefängnis waren die Strafe dafür. Jetzt warf ihm Staatsanwältin Miriam Hüller erneut vor, die Weisung missachtet zu haben: Im Februar und März soll er heuer Kontakt zu einem Dreijährigen und einem 15-Jährigen in seiner Nachbarschaft gehabt haben. Er wohnt in einer Obdachlosenunterkunft in Pfaffenhofen. Nicht nur Familien wohnen in seiner Gegend, dort liegt auch noch ein Spielplatz. „Lässt sich das nicht vermeiden?“, fragte Richter Gerhard Ebner.

Er habe es versucht, antwortete der Angeklagte. Doch auf dem Wohnungsmarkt sehe es schlecht aus. Den Kontakt zu den Minderjährigen hatte er in dem Fall, um den es vor dem Neuburger Amtsgericht ging, ohnehin nicht auf dem Spielplatz. Zunächst habe er nämlich bloß ein Ladekabel für einen Kollegen bei einer Familie in der Nachbarschaft abholen wollen, sagte er vor Gericht. Das habe ihm dann der 15-jährige Sohn der Familie übergeben, etwa zehn Minuten habe das gedauert. Auch um dessen dreijährigen Bruder ging es am Dienstag: „Der läuft jedem hinterher“, sagte der Angeklagte. Auch dass er sich in dessen Nähe aufgehalten habe, warf ihm Staatsanwältin Hüller vor.

Einig war sie sich mit Richter Ebner und Verteidigerin Petra Kerschner, dass der Kontakt zu den Minderjährigen nicht sonderlich ausgeprägt war, die Ausführungen des Angeklagten stellte niemand infrage. Doch um eine erneute Strafe kam er nicht herum: Zu einer Gesamtstrafe von zwölf Monaten – heuer leistete der Angeklagte sich noch zwei weitere Delikte, die in das Urteil mit einflossen – verurteilte ihn Richter Ebner. Denn obwohl der Angeklagte den Kontakt nicht gesucht hatte, hätte er sich sofort entfernen müssen, als die Minderjährigen in seiner Nähe waren, begründete Ebner das Urteil. Auch die vielen Vorstrafen fielen zulasten des Angeklagten ins Gewicht. Seine Vita habe außerdem keine Bewährung mehr zugelassen: „Die würde er nicht durchstehen“, erklärte Ebner. „Bei jedem Kontakt wird es zu einem neuen Verfahren kommen“, sagte er dem Angeklagten. „Da müssen Sie etwas ändern.“ (cup)

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