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Internetbetrug

22.04.2015

Internetbekanntschaft endet mit einer Geldstrafe

Ein Mann lernt im Internet eine Frau kennen. Er nimmt Post für sie an und leitet diese weiter. So macht er sich strafbar. Ein beliebter Trick im Netz.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ein Mann lernt in einem Chatroom eine Frau kennen. Sie bittet ihn, er möge Post für sie weiterleiten. So macht er sich strafbar. Das ist ein beliebter Trick im Netz.

Am Ende der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Ingolstadt sind drei Dinge klar: 1. Natalie gibt es nicht. 2. Sie war keine attraktive Frau und 3. Sie war nicht scharf auf den Architekten.

Der gesetzte Herr mit etwas unbedarften Umgangsformen (er kommt eine Viertelstunde zu spät zu seiner Verhandlung, eine Entschuldigung hält er für überschätzt) sitzt auf der Anklagebank des Amtsgerichts und muss sich wegen leichtfertiger Geldwäsche in fünf Fällen verantworten. Gegen einen Strafbefehl über 750 Euro hatte er Einspruch eingelegt. Aber Richter Michael Fein machte ihm innerhalb einer Minute klar, dass für ihn nichts zu holen sein würde. Am Ende zog der Mann seinen Einspruch zurück.

Der Ingolstädter lernte "Natalie" im Chatroom kennen

Seine Geschichte ist dennoch eine tragische: Der geschiedene Ingolstädter wird vergangenes Jahr im Sommer in einem Chatroom im Internet angeschrieben. Die Frau habe ihn kontaktiert. Das ist ihm wichtig, nur macht es die Sache nicht besser. Ihr Name: Natalie. Man lernt sich ein bisschen kennen, soweit man im Internet von Kennenlernen sprechen kann. Sie zeigt auch ein Foto, in dem ihre Reize, nun ja, dezent angedeutet sind. Irgendwann bittet ihn die virtuelle Dame, er möge doch Päckchen, die für sie seien, an eine Adresse in Tallinn weiterschicken. Sie verspricht ihm sogar einen kleinen Geldbetrag.

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Fünf Pakete kommen im August und September bei ihm an. Was dort drin gewesen sei, habe er nicht gewusst, beteuerte der Angeklagte gestern. Er schickte sie dennoch an die genannte Adresse weiter. Darin waren: ein Saugroboter, ein Mischpult, Markenklamotten, Hifi-Geräte und ein Markenrechner. Waren im Wert von ein paar tausend Euro.

Richter Fein wurde durchaus deutlich, als er nachfragte: „Wie kann man denn so blöd sein?“ Er sei doch studierter Architekt, ob er denn gar nicht nachgedacht habe, was er da tue?

Die Ware in den Päckchen war mit falschen Daten gekauft

Passiert war das: Bevor die Waren beim Architekten landeten, hatten Hintermänner bei verschiedenen Leuten die Kreditkartendaten ausspioniert. Unter falscher Identität kauften sie Markenware ein, bezahlten und ließen diese an seine Adresse liefern. Der Angeklagte nahm die Ware entgegen, leitete sie an die Adresse in Estland weiter und machte sich somit der leichtfertigen Geldwäsche strafbar. Zusätzlich wollen die jeweiligen Händler nun von ihm das Geld für die gelieferten Produkte zurück. Er hatte sie schließlich entgegengenommen. Die, deren Kreditkartendaten missbraucht wurden, können dafür nicht belangt werden. Jemand, der Pakete offiziell annimmt und diese dann weiterverschickt, schon.

Es geht um zwei Sorten des Internetbetruges in Kombination: Phishing und Romance Scam. Zunächst wurden Kreditkartendaten gehackt und dann missbraucht. Hintermänner – wer, ist weiterhin unklar – , kauften mit neuer Identität ein und zahlten. Das nennt sich Phishing. Dann machte sich jemand mit gefälschtem Profil im Netz an den Angeklagten heran, nahm Kontakt zu ihm auf. Die Dinge nahmen ihren Lauf und der Mann auf der Anklagebank wurde auf eine Art auch zum Opfer.

Der "Romantic Scam" ist eine beliebte Betrugsmasche

Markus Dobler, Kriminaloberkommissar ist im Polizeipräsidium Oberbayern-Nord zuständig für Internetbetrugsdelikte, sagt, dass allein im Raum Ingolstadt durch vergleichbare Straftaten jährlich ein Schaden von rund 100.000 Euro entstehe. Die Opfer, die – sozial manipuliert – selbst zu Tätern werden, schämen sich oft. Erst vor wenigen Wochen, so Dobler, sei im Raum Neuburg eine Frau auf eine vergleichbare Masche hereingefallen. Da ging um eine Summe von 20.000 Euro. Wer erzählt das schon gerne?

Die Geschichte von ihm für sie im Chatroom gibt es gerne in dieser Variante: US-Soldat ist beispielsweise in Afghanistan. Bei einem Einsatz kommt er zu einer größeren Summe Bares und braucht dringend eine Kontonummer, über die er das Geld nach Hause transferieren kann. Die Frau findet im Chat nicht selten die virtuelle Soldatenidentität attraktiv und gibt ihre Kontonummer raus. Natalie heißt dann zum Beispiel Tom.

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