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Schrobenhausen

31.03.2021

Kapital in Krisen-Zeiten: Warum die Bauer AG 30 Millionen Euro mehr will

Die Bauer AG, hier die Hauptverwaltung in Schrobenhausen, ist ein weltweit tätiger Tiefbau- und Maschinenbauspezialist.
Foto: Pressefoto Bauer

Plus Der Bau- und Maschinenbauspezialist Bauer aus Schrobenhausen hat schwierige Jahre hinter sich. Jetzt möchte sich der Konzern breiter aufstellen. Aktionäre sind zunächst kritisch.

Die Bauer AG mit Sitz in Schrobenhausen will sich finanziell auf breitere Füße stellen. Im Rahmen einer außerordentlichen, digitalen Hauptversammlung am Mittwoch waren 99,8 Prozent der abgegebenen Aktionärsstimmen für eine Kapitalerhöhung. Damit will der weltweit tätige Tiefbau- und Maschinenbauspezialist bis zu 30 Millionen Euro zusätzlich generieren und das bisherige Kapital von gut 80 Millionen Euro aufstocken. Mitglieder des Vorstands erläuterten auf der Versammlung die Situation des Konzerns, und wozu das zusätzliche Kapital benötigt wird. Außerdem mussten sie sich kritischen Fragen der Aktionäre stellen.

Hauptversammlung: Bauer AG aus Schrobenhausen stockt das Eigenkapital auf

„Wir haben schwierige Jahre hinter uns“, fasste Vorstandsvorsitzender Michael Stomberg zusammen. 2019 hatte der Konzern nach einem Gerichtsurteil in China, bei dem es um den Mehraufwand beim U-Bahn-Bau in Hongkong ging, 40 Millionen Euro zusätzlich aufwenden müssen. So verbuchte Bauer am Ende des Jahres ein Minus von fast 37 Millionen Euro. Und auch das Jahr 2020 war aufgrund der Corona-Pandemie herausfordernd. Weltweite Ausgangsbeschränkungen und Kunden, die sich krisenbedingt mit Investitionen zurückhielten, belasteten die Bilanzen. Die Gesamtkonzernleistung ging, vor allem im Bereich Maschinen, nach vorläufigen Zahlen deutlich zurück, von knapp 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf voraussichtlich 1,4 Milliarden 2020. Nach Steuern steht ein erwartetes Minus von acht Millionen.

Eine Zahl, mit der die Verantwortlichen leben können. Sie hatten einen Fehlbetrag von bis zu 20 Millionen befürchtet. Doch das Minus hielt sich einigermaßen in Grenzen, was unter anderem daran lag, dass gerade die letzten Jahreswochen, insbesondere im Bereich Maschinen, besser liefen als angenommen.

Eigenkapital aufgestockt: Bauer AG sieht sich gut aufgestellt

Insgesamt habe man eine gute Ausgangssituation geschaffen, ist Konzernboss Stomberg überzeugt. Das einzige Problem: Das Eigenkapital hat zuletzt gelitten. Nun müsse man die Liquidität verbessern, um die Finanzsituation für die kommenden Jahre zu sichern. „Die Pandemie ist noch nicht besiegt“, betonte Stomberg. Das wirtschaftliche Umfeld, in dem man arbeitet, sei weiterhin Belastungen ausgesetzt. Außerdem benötige man für Projekte im Baugeschäft oftmals eine Vorfinanzierung, erklärte er auf der Versammlung. Durch ein größeres Eigenkapital will Bauer demnach Zinskosten reduzieren und unabhängiger von Finanzpartnern werden.

Die Bauer AG verwirklicht Bauprojekte auf der ganzen Welt.
Foto: Bauer AG

Das Kapital will man durch die Ausgabe von gut sieben Millionen zusätzlichen Aktien im ersten Halbjahr 2021 generieren. Sowohl die Familie Bauer, die derzeit gut 43 Prozent der Aktien hält, als auch die Doblinger Beteiligung GmbH, auf die knapp 20 Prozent entfällt, wollen sich „in wesentlichem Umfang“ an der Kapitalerhöhung beteiligen.

Mehr Eigenkapital für die Bauer AG: Kritische Fragen der Aktionäre

Aktionäre hatten kritische Fragen an den Vorstand eingereicht, die sie vor ihrer Stimmabgabe beantwortet haben wollten. In einer Rückmeldung war zu hören, dass die angekündigte Kapitalerhöhung Aktionäre überrascht und verunsichert habe. Schließlich ist Bauer erst im vergangenen Dezember einen solchen Schritt gegangen. Damals ging es um einen Betrag von gut sieben Millionen Euro. Das Kapital sei lediglich zur Absicherung dagewesen, so Finanzchef Hartmut Beutler. Er versicherte den Aktionären am Mittwoch: „Die Bauer AG hatte keine Zahlungsschwierigkeiten, und diese drohten auch nicht.“

Der Schritt, dass der Konzern nun erneut Kapital braucht, erwecke bei Aktionären einen übereilten Eindruck, hieß es in einer Nachricht. Mehrfach erkundigten sich Anteilseigner, warum Bauer damit nicht zumindest bis zur ordentlichen Hauptversammlung im Juni warten konnte. Konzernchef Stomberg verwies auf einen Kredit von fast einer halben Milliarde Euro, der im Juni 2022 ausläuft. Zur Absicherung der Konzernfinanzierung wolle Bauer den Vertrag rechtzeitig, bis Mitte 2021, verlängern. Durch das höhere Eigenkapital erwartet der Konzern eine bessere Verhandlungsposition, wenn es um die Konditionen, etwa die Zinslast, geht. Um diesen Prozess zeitlich nicht zu gefährden, entschied man sich für eine außerordentliche Versammlung.

Schrobenhausen: Aktionäre der Bauer AG stimmen für Kapitalerhöhung

Trotz der kritischen Rückmeldungen war die Zustimmung zur Kapitalerhöhung letztlich überwältigend, was wohl auch an den guten Perspektiven liegt, die der Konzern verkündete. Demnach ist der Auftragsbestand im Segment Bau auf einem Rekordniveau. Für den Bereich Maschinen erwarten die Verantwortlichen eine Markterholung im zweiten Halbjahr. Außerdem trennte sich Bauer im vergangenen Jahr von Sparten, die nicht zum Portfolio gepasst haben. Nach zwölf Jahren unter dem Dach von Bauer verkaufte man etwa die Firma Esau & Hueber. Das Unternehmen, das ebenfalls aus Schrobenhausen stammt, ist in der Brau- und Getränkeindustrie tätig – ein Bereich, in dem Bauer nicht heimisch ist. „Wir haben konsequent Geschäfte beendet, die nicht zu uns passen“, so Stomberg.

Der Tiefbau- und Maschinenbauspezialist will sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren – und diese dem Zeitgeist anpassen. Baustellen in Städten benötigen künftig leise Geräte mit Elektroantrieb. Dafür habe Bauer Lösungen, die man noch in diesem Jahr präsentieren werde, so Stomberg. Außerdem sehe er Wachstumspotenzial für umweltfreundliche Bauverfahren. Auch die zunehmende Digitalisierung auf Baustellen bietet laut Bauer-Chef Chancen.

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