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Königsmoos-Obermaxfeld
29.11.2018

Hundedrama Obermaxfeld: Große Solidarität unter den Tierheimen

Alle Hunde, die auf dem Grundstück in Obermaxfeld lebten, haben in Tierheimen – einige wenige sogar schon privat – eine Unterkunft gefunden.
Foto: Norbert Eibel

Wie man jetzt weiß, waren auf dem Grundstück in Obermaxfeld 134 Hunde. Offen sind noch die juristischen Konsequenzen und die Frage, wer die Zeche bezahlt.

Die gute Nachricht vorneweg: Alle Hunde, die auf dem Grundstück in Obermaxfeld lebten – und das waren, wie sich letztlich herausgestellt hat, 134 – sind mittlerweile in Tierheimen untergebracht. Weniger erfreulich sind dagegen die finanziellen Nachwehen, die der Fall mit sich bringt. Wie Interims-Landrat Alois Rauscher sagt, muss zunächst – und möglicherweise dauerhaft – der Landkreis die Kosten für die Unterbringung aufbringen. Die sind mit über 60000 Euro im Monat enorm.

Im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag im Landratsamt wurde der Fall mit den zuständigen Amtsleitern noch einmal rückblickend aufgerollt. Alois Rauscher wies darauf, dass der Hundehalter bereits seit 2013 im Visier der Behörde stand. In diesen fünf Jahren habe es insgesamt 26 Aktionen von behördlicher Seite gegeben. Dazu hätten unangemeldete Kontrollen ebenso gezählt wie Bußgeldbescheide, die gegen den Hundehalter verhängt worden seien. Wie stellvertretender Veterinäramtsleiter Johannes Riedl schilderte, seien bei Kontrollen immer weitaus weniger Hunde zu sehen gewesen, wie sich letztlich tatsächlich auf dem Grundstück befanden. Das Anwesen habe man aber nie ganz zu sehen bekommen habe. Die Hunde, die ihm vorgeführt worden seien, hätten sich zudem in einem guten Zustand befunden. Aufgrund der regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden aus der Nachbarschaft und dem, was er jeweils zu sehen bekommen habe, habe zwar auch er sich gedacht, dass er auf den Arm genommen werde. „Aber mein Bauch- und mein Menschengefühl reichen vor Gericht nicht aus, um einen Durchsuchungsbeschluss zu erwirken.“

Zuletzt war am 24. Oktober bei einem angekündigten Termin in Obermaxfeld sogar das Verwaltungsgericht vor Ort. Doch an diesem Tag befanden sich nur etwa 30 bis 40 auf dem Grundstück. Wo die anderen untergekommen waren, weiß man nicht. Neben baulichen Auflagen – dazu zählte der Rückbau von Volieren, in denen Greifvögel gehalten wurden und der Rückbau weiterer Anbauten – ordnete das Gericht auch an, dass der Mann die Anzahl der Hunde auf 15 reduzieren muss. Der Handel mit Hunden war dem Jäger schon vorher untersagt worden.

Hunde aus Obermaxfeld sind auf 22 Tierheime in Bayern verteilt

Dass er sich an keinerlei Auflagen gehalten hat, flog schließlich am 16. November bei der spektakulären Aktion der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ auf. Nachdem der Scheinkauf von 24 Hunden abgewickel und festgestellt worden war, in welch schlechtem Zustand sich einige Tiere befanden, griff auch die eingeschaltete Kriminalpolizei zu. Erst danach zeigte sich das ganze Ausmaß des Hundedramas.

Landrat Rauscher betonte, dass er den Mitarbeitern dankbar sei, dass sie den Fall nach der Aufdeckung so beherzt aufgegriffen hätten. Wie Werner Dippong, Leiter des Amts für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, sagte, habe man zunächst versucht, die Hunde im Umkreis unterzubringen. Dann schaltete sich die Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes in Bayern ein und verschickte eine e-Mail an Heime im ganzen Freistaat. Die Solidarität, so Dippold, sei riesengroß gewesen. Wegen der großen Aufnahmebereitschaft habe man das Angebot, auch Heime in Baden-Württemberg anzufragen, gar nicht mehr annehmen müssen. Nun sind Hunde aus Obermaxfeld nicht nur in Heimen in Nördlingen, Augsburg oder Ingolstadt, sondern auch in Kaufbeuren, Straubing, Bad Reichenhall, Hof oder Selb. Insgesamt sind es 22 „Auffangstationen“.

Das Gros der 134 Hunde nahm das Tierheim in Neuburg auf. Zu den anfangs 34 Vierbeinern haben sich mittlerweile 16 Welpen gesellt, sodass in Riedensheim quasi von heute auf morgen 50 Hunde untergekommen sind. Drei Hunde sind mittlerweile verstorben. Doch es gibt auch überaus erfreuliche Nachrichten. Wie Tierarzt Johann Schneemeier aus Neuburg erzählt, hat sich ein Frauchen für einen gehbehinderten Hund gefunden. Aber nicht nur das: „Als die Dame den Dackel gesehen hat, dem ein Auge entfernt werden musste, hat sie den auch gleich noch mitgenommen.“

Tierheim Neuburg: Pflegefamilie für einen Welpenwurf

Außerdem hat sich jemand bereit erklärt, die Hundemama mit ihren sieben Jungen vom zweiten Wurf während der Säugezeit bei sich aufzunehmen. Auch für die neun Welpen des ersten Wurfs hätte es eine Pflegestelle gegeben. Aber die Hündin sei nicht einfach, zeige sich aggressiv, was aber auf ihren natürlich Mutterinstinkt zurückzuführen sei. „Die ist normal ganz zahm“, sagt Schneemeier. Der Tierarzt weist auch darauf hin, dass durchaus anzunehmen sei, dass noch weitere Hündinnen trächtig sind.

Dass über den Winter noch recht viel mehr Hunde aus dem Tierheim in Neuburg vermittelt werden, glaubt Schneemeier eher nicht. Die meisten Interessenten würden sich im Frühjahr einen Hund holen. Da es kürzlich auch in Rain einen Fall gegeben habe, bei dem 40 Hunde untergebracht werden müssen, sei die Region zudem gesättigt. Bis die jetzt aufgenommenen 50 Hunde untergekommen sind, werde es , so seine Vermutung, länger dauern.

Das dürfte Landrat Alois Rauscher nicht gerne hören. Denn für die Kosten muss erst einmal der Landkreis aufkommen. Zunächst werden mit den Tierheimen, die Hunde aufgenommen haben, Austauschverträge abgeschlossen. Darin werden Tagessätze von 15 Euro pro Hund festgelegt. Hinzu kommen Kosten für notwendige medizinische Untersuchungen. Hochgerechnet auf die 150 Hunde würden dadurch in einem Jahr beim Landkreis über 800000 Euro auflaufen. Nur so halblaut rechnete Rauscher hoch, dass dafür nicht einmal die Erhöhung der Kreisumlage um einen Punkt ausreichen würde. Natürlich werde man, so der Landrat, „alle Mittel ausschöpfen, um uns das Geld wieder zu holen“. Wie groß allerdings die Erfolgsaussichten sind, dass der Hundehalter dafür aufkommen wird, ließ er offen. Allzu große Hoffnung in dieser Hinsicht scheint er sich aber nicht zu machen.

Gegen den Hundehalter aus Obermaxfeld läuft ein Ermittlungsverfahren

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht nur gegen den Hundehalter wegen eines Vergehens gegen das Tierschutzgesetz. Auch einen Tierarzt aus Ingolstadt hat sie im Visier. Ihm wird vorgeworfen, dass er den Verkauf der 24 Hunde durch gefälschte Impfpässe unterstützen wollte.

Übrigens: Seine zwei Lieblingshunde durfte der Jäger behalten. Dafür habe er sich äußerst Kooperationsbereit gezeigt. Ohne die Mithilfe des Mannes, so Werner Dippong, hätten die Hunde jedenfalls nicht so einfach vom Grundstück abtransportiert werden können. Die Situation sei mitunter durchaus gefährlich gewesen.

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