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Ingolstadt

31.01.2019

Krise bei Audi setzt eine ganze Region unter Druck

Ingolstadt hat rund 135.000 Einwohner.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Audi hat Ingolstadt reich gemacht. Nun kränkelt der größte Arbeitgeber der Region. Was das für den Autokonzern und die Stadt bedeutet.

Die meistzitierte ökonomische Kalenderweisheit in den Autostädten dieser Welt geht in der Ingolstädter Variante so: Hat Audi einen Schnupfen, kriegt die Stadt eine Grippe. Die sich nun – gerade in diesen Tagen – unproblematisch daraus ableitende Folgefrage lautet: Was bedeutet es denn für Ingolstadt, wenn Audi eine richtig fiese Grippe hat? Eine mit allen Schikanen?

Wie es Audi letztlich geht, was die Firma hat, ob es eine Inkubationszeit gibt und was nach dieser zutage tritt, werden die nächsten Jahre zeigen. Ingolstadt wird – so oder so – damit zurechtkommen müssen. Die Symptome sind: Nach zahlreichen Spitzenjahren ist der Absatz 2018 eingebrochen. 3,5 Prozent weniger Autos wurden im Vergleich zum Vorjahr verkauft. Weltweit zwar immer noch rund 1,81 Millionen, aber die Rekordfahrt ist vorbei.

Zugleich ist der für das Unternehmen sehr teure Abgasskandal noch lange nicht aufgearbeitet. Dazu kommen die Probleme mit dem Abgaszyklustest WLTP. Schließlich sind da – von Unternehmensseite allerdings zurückgewiesene – Meldungen über einen drohenden Stellenabbau. Und wäre das alles noch nicht genug, stehen wegen des – inzwischen beendeten – Streiks im ungarischen Motorenwerk von Györ im Ingolstädter Stammwerk noch bis Sonntag die Bänder still. Mehr als zehntausend Autos insgesamt konnten diese Woche deshalb nicht gebaut werden. Über zehntausend Audianer sind in Ingolstadt vom Ausstand betroffen. Und die Betriebsferien nach Weihnachten waren – wegen notwendiger Umbauarbeiten – ohnehin schon länger.

Blick auf das Stammwerk von Audi in Ingolstadt.
Bild: Ulrich Wagner

Im Ingolstädter Werk wurde im Januar 2019 an zehn Tagen produziert, heißt es auf Anfrage. Der neue Vorstandsvorsitzende Bram Schot hat kürzlich die Gewinnziele drastisch erhöht. Das Betriebsergebnis soll von 2018 bis 2022 um insgesamt rund 15 Milliarden Euro wachsen. Wie genau er dieses Ziel erreichen will, wie – in Zeiten von Digitalisierung und E-Mobilität – die "größte Transformation der Unternehmensgeschichte" aussehen soll, erfährt die Öffentlichkeit Mitte März. Dann ist die erste Jahrespressekonferenz mit dem Niederländer an der Spitze.

Audi-Mitarbeiter: "Weitermachen und Kopf hoch"

Wer am Mittwoch auf unterschiedlichen Ebenen in den Konzern reinhorcht, hört knappe Antworten. Was die Leute sagen, changiert zwischen Frust, Zweckoptimismus und der Ungewissheit darüber, wie die Ziele erreicht werden sollen. Wenn man dann noch vor den Werkstoren eine nicht repräsentative Umfrage macht, erfährt man Folgendes: Eine Audianerin etwa sagt auf einem der riesigen Parkplätze in robustem Tonfall: "Weitermachen und Kopf hoch. Da müssen wir jetzt durch." Eine Kollegin am anderen Werkende antwortet dagegen – gefragt nach den Spekulationen zum Jobabbau und der Stimmung im Werk – sarkastisch: "Die ist bombig."

Was bedeutet all das für den Standort? Für die Stadt, der es – noch – vergleichsweise prächtig geht? Hat man sich geimpft, als klar war, dass der mutmaßliche Patient was Ansteckendes hat?

Audi-Chef Bram Schot kündigte bereits an: "2019 wird kein Spaziergang."
Bild: Armin Weigel, dpa (Archiv)

Die Abhängigkeit der Stadt von der VW-Tochter Audi mit ihren derzeit 44.526 Beschäftigten im Stammwerk ist niemanden so geläufig wie Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel. Die Monostruktur brachte jahrelang Segen, denn VW ist der größte Gewerbesteuerzahler der Stadt. In den absoluten Boom-Jahren (2012/2013) waren es jährlich über 240 Millionen Euro. Für das laufende Jahr rechnet man allerdings mit deutlich geringeren Gewerbesteuereinnahmen. Auch im Vergleich zu 2018.

Für das vergangene Jahr belaufen sich die Zahlungen aus Wolfsburg wohl auf rund 123 Millionen Euro. Für 2019 plant man derzeit mit rund 63 Millionen Euro. Wissend, was Audi für Ingolstadt bedeutet, sagte Lösel kürzlich beim Neujahrsempfang der Stadt, dass er es beunruhigend fände, "wie in Deutschland mit unserer Leitindustrie umgegangen wird". Er fügte an: "Selten mussten wir so stark um gute und fair bezahlte neue Arbeitsplätze kämpfen wie derzeit." Es sei nicht selbstverständlich, dass ein wohlhabendes Land wohlhabend bleibe. Gleiches gelte für eine wohlhabende Stadt. "Nicht nur unser Wohlstand, sondern insbesondere der unserer Kinder hängt davon ab, ob wir den entbrannten, internationalen Wirtschaftskampf für uns entscheiden können."

Bei Audi soll die Mobilität der Zukunft erforscht werden

Lösel denkt in Abständen von 20 Jahren. Ihm geht es um Nachhaltigkeit. Wenn es Audi dann gut geht, der Innovations-Campus – das Zukunftsprojekt von Audi und der Stadt schlechthin – gebaut ist, wird es ihm sehr recht sein. Aber den Standort richten er und der Stadtrat derzeit dennoch so aus, dass die Monostruktur etwas aufgebrochen wird. Nicht gegen, sondern explizit mit Audi. Ein Emanzipationsakt aber ist es – irgendwie – dennoch. Hier nur ein paar Beispiele: Da ist die landesweit Schlagzeilen machende, von der EU-Kommission unterstützte Urban Air Mobility-Initiative.

In Ingolstadt soll die Mobilität der Zukunft erforscht werden. Immer mehr Firmen wollen bei der Flugtaxi-Sache mitmachen. Zuletzt unterzeichnete der Triebwerke-hersteller MTU Aero Engines eine Absichtserklärung. Dann wird der Hochschulstandort weiterentwickelt. Ingolstadt bekommt ein Fraunhofer Anwendungszentrum und ein Zentrum für künstliche Intelligenz. Und künftig wird ein mit 50.000 Euro dotierter Wissenschaftspreis ausgelobt. Auch er soll Forscher anlocken und Unternehmensgründungen fördern. Grippeprophylaxe, wenn man so will.

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31.01.2019

Habe nie gehört dass die Stadt und Region gejammert haben, als es ihnen gut ging! Jetzt wo die Luft scheinbar dünn wird japst man danach. Die ganze Region und darüber hinaus hat Audi jede Menge Facharbeiter gierigst aufgesaugt, aufgrund dessen viele klein- und mittelständische Betriebe ihre Aktivitäten einstellen mussten. Keine Angst, es gibt ganz bestimmt tüchtige Entschädigungen, falls Stadt und Region am Krückstock gehen.

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