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Rohrenfels

27.11.2018

Küchen Kempfle: Seit 150 Jahren in Familienhand

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3 Bilder
In den 1950ern blickt Max Kempfle der Dritte, der heutige Chef von Kempfle Küchen, als kleiner Steppke (rechts) den Gesellen und Lehrlingen seines Vaters bereits über die Schulter.
Bild: Familie Kempfle

1868 legte Bartholomäus Kempfle den Grundstock für das Rohrenfelser Unternehmen. Durch welche Höhen und Tiefen der Küchenhersteller seitdem gegangen ist.

Alles begann vor 150 Jahren mit einer kleinen Schreinerei in Rohrenfels. Bartholomäus Kempfle startete 1868 seine Selbstständigkeit als Handwerker. Der Rohrenfelser legte einen Grundstock, der sich weiterentwickelte und heute rund 75 Mitarbeiter beschäftigt. Und das, obwohl das Unternehmen vor knapp zehn Jahren unverschuldet durch eine tiefe Talsohle marschieren musste. Heute steht es auf gesunden Beinen und hat eines seiner Standbeine stark erweitert. Für die Eigenvermarktung der selbst gebauten Küchen hat das Familienunternehmen Kempfle Küchen in Rohrenfels erst am vergangenen Wochenende ein modernes Küchenhaus eröffnet.

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150 Jahre. Wenn Max Kempfle die wenigen Fotos aus der Firmengeschichte anschaut, wird diese Zeit greifbar. Als 1908 sein Ururopa Michael Kempfle, der Sohn von Batholomäus, das heutige Betriebsgrundstück erwarb, legte dessen Sohn Max gerade die Prüfung zum Schreinermeister ab. Die Investition war gesichert, weil die nachfolgende Generation bereits mitarbeitete und es damals klar war, dass das Geschäft weitergeführt wird.

Das Bild aus dem Jahr 1926 zeigt Max, den Ersten (links), der die Schreinerei in dritter Generation führte, mit seinen Angestellten.
Bild: Familie Kempfle

Und so lief das die vergangenen 150 Jahre weiter und wiederholt sich gerade auch mit der Nachfolger-Generation von Max und Brigitte Kempfle. Tochter Simone Kempfle-Kugler, Diplomkauffrau, und Sohn Maximilian Kempfle, Schreiner, der gerade seine Bachelorarbeit in Holzingenieurwesen schreibt, arbeiten in der familieneigenen Firma mit. Beide haben sich bereits in ihrer Ausbildung darauf vorbereitet. Die Übergabe an die sechste Generation ist gesichert.

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Die einst fruchtbare Partnerschaft mit Quelle endete im Chaos

Aber zurück zur Unternehmensgeschichte. Der Sohn von Michael erhält von seinen Eltern den Vornamen, den seither alle Chefs tragen: Max. Der erste Max übernimmt die Bau- und Möbelschreinerei 1914 und vergrößert sie nach Ende des ersten Weltkriegs 1918. Mit insgesamt 15 Angestellten wurde damals auch noch eine Landwirtschaft betrieben. 1954 übernahm der zweite Max im Bunde die Geschäfte. Der Vater des heutigen Firmeninhabers begann mit der Fertigung von Kleinmöbeln für die Firma Tucha und später für das Versandhaus Quelle. Eine Partnerschaft, die lange gute Früchte tragen und dann im Chaos enden sollte.

Nach dem frühen Tod von Max Kempfle, dem Vater des heutigen Firmeninhabers, der 1960 mit nur 42 Jahren an einem Herzinfarkt starb, lenkte eine Erbengemeinschaft mit Ehefrau Anna Kempfle an der Spitze die Geschicke der Firma. Zu der Zeit wurden bereits Möbel und Anstellküchen produziert. Nach dem Tod von Anna Kempfle fungierte der heutige Firmeninhaber Max Kempfle zuerst als Geschäftsführer und übernahm das Unternehmen dann ein Jahr später. Die Aufträge des Versandhauses Quelle aus Fürth lasteten die Kapazitäten des Unternehmens voll aus. „Die Nachfrage war so groß, dass wir rasch auf 90 Mitarbeiter wuchsen. Die Partnerschaft zu Quelle war von einer besonders guten Art“, erinnert sich Max Kempfle. Täglich wurden 30 bis 40 Küchen gefertigt. Zu dieser Zeit entstand auch eine Werksausstellung, die vor allem für Schulungen von Verkäufern genutzt wurde. Kempfle begann, die eigenen Küchen auch selbst zu vermarkten.

Das neue Küchenhaus von Kempfle zeigt den Weg in die Zukunft

Dann der schwere Rückschlag. Quelle meldete 2009 Insolvenz an. „Das machte rund 90 Prozent unserer Aufträge aus“, erinnert sich Max Kempfle. Die ausstehenden Zahlungen für bereits gelieferte Küchen waren zwar durch eine Kreditversicherung abgedeckt. Aber ohne Aufträge konnte Kempfle seine Mitarbeiter nicht halten. „Eine Zeit der schlaflosen Nächte, in der wir versuchten, unsere Leute an andere Firmen zu vermitteln.“

Das heutige Führungsteam von Kempfle Küchen inmitten der Ausstellung im neuen Küchenhaus: (von links) Max Kempfle, Ehefrau Brigitte Kempfle, Tochter Simone Kempfle-Kugler und Sohn Maximilian Kempfle.
Bild: Manfred Dittenhofer

Dann endlich Licht am Ende des Tunnels. Investoren hatten das Küchensegment aus der Konkursmasse herausgelöst, die Verpflichtungen gegenüber Kempfle übernommen. Sie wollten weiterhin Küchen aus Rohrenfels beziehen. Kempfle stellte sogleich viele der entlassenen Mitarbeiter wieder ein. „Einige waren leider schon anderweitig untergekommen. So verloren wir einiges an Expertise.“ Als zweites Standbein wurde die Möbelgruppe KHG als Kunde gewonnen. Und heute nimmt ebenfalls die Eigenvermarktung einen größeren Raum ein. Deshalb auch der Neubau des Ausstellungs- und Schulungsgebäudes. Das neue Küchenhaus zeigt den Weg in die Zukunft. Denn Kempfle setzt auf sehr viel Individualität bei seinen Küchen. Viel Zeit für Beratung, Einzelanfertigungen, viel Handarbeit und Lösungen für jede Nische. Damit will das Rohrenfelser Unternehmen weiter punkten.

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