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Neuburg-Schrobenhausen

29.07.2020

Kultauto: Die Ente kurvt noch immer durch den Landkreis

Manuela Schinagl (links) und Sohn Florian fahren die rote Club-Ente aus dem Jahr 1989.
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Manuela Schinagl (links) und Sohn Florian fahren die rote Club-Ente aus dem Jahr 1989.
Bild: Andreas Dengler

Plus Vor 30 Jahren lief die letzte Ente im portugiesischen Citroën-Werk Mangualde vom Band. Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sind noch 16 Enten angemeldet. Was ist der besondere Reiz an den 2CVs?

Wie eine zu klein geratene Mafiosi-Limousine erscheint der Citroën 2CV „Charleston“ oder kurz einfach nur Charleston-Ente. Sie erinnert an die Goldenen Zwanziger, an rauchende Frauen und Männer mit Schnauzer und Hut. Das elegante Enten-Modell gehört Roland Dulz aus Neuburg und steht schön positioniert im Ausstellungsraum seiner Werkstatt. Durch die Schaufenster ist das Kultauto selbst von der Straße aus zu sehen.

Die Ente prägte selbst das Bild im Kreis Neuburg-Schrobenhausen

Die Ente ist ein Fahrzeug, das noch vor ein paar Jahrzehnten selbst im Audi-Land, also auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, das Straßenbild prägte. Inzwischen sind immer weniger der „kleinen Franzosen“ unterwegs. Vor 30 Jahren verließ die letzte Ente das Citroën-Werk in Mangualde in Portugal. Damit endete eine Ära, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg begonnen hatte. Der 2CV war ursprünglich als Auto für Landwirte gedacht, aber wurde im Laufe der Zeit vor allem zum beliebten Studentenauto, mit dem so manche Spritztour gewagt wurde.

Die fehlende Servolenkung ist für ungeübte Fahrer eine Herausforderung.
Bild: Andreas Dengler

Eine wilde Fahrt blieb der Charleston-Ente von Dulz bisher erspart. Der Citroën-Kenner sagt: „Meine Ente hat noch keinen Regen gesehen.“ Allein daran lässt sich erahnen, wie wichtig ihm das Fahrzeug ist. Im Innenraum seiner Charleston-Ente ist sogar noch der Neuwagengeruch zu riechen. Als Kraftfahrzeugmeister mit eigener Citroën-Werkstatt hat Dulz schon mehrfach an einem 2CV geschraubt. „Die Ente ist das zuverlässigste Auto, das es gibt“, sagt Dulz überzeugt. Lediglich eine regelmäßige Wartung sei notwendig. Der Grund für die Zuverlässigkeit sei die einfache und mechanische Technik.

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Der Tod einer Ente sei lediglich der Unterbodenrost, weiß der Fachmann. Und der komme mit dem Streusalz im Winter, erklärt Dulz. Aber für das Problem gibt es eine Lösung: Sowohl der Rahmen als auch die Karosserie können heute mit Ersatzteilen ausgetauscht werden. Fragt man nach einem Nachteil der Ente, fällt Dulz nur ein einziges Manko ein: „Im Winter ist es saukalt.“

Die Ente punktete mit schlichtem Design, Langlebigkeit und Kaufpreis

Dass der Kleinwagen überhaupt Ente genannt wird, geht auf einen niederländischen Journalisten zurück, der das Fahrzeug mit dem hässlichen Entlein aus dem gleichnamigen Märchen verglich. In Deutschland und England wurde der Kosename ebenfalls übernommen. In Frankreich, Italien und Spanien beziehen sich die Spitznamen hingegen aufs Pferd.

Auch Elfriede Dulz kommt ins Schwärmen, wenn es um den 2CV geht. Gemeinsam mit ihrem Ehemann eröffnete sie im Jahr 1966 die Citroën-Werkstatt in Neuburg. Dass es ausgerechnet das französische Fabrikat wurde, sei reiner Zufall gewesen, erinnert sie sich zurück. In den Jahren verkaufte sie so viele Enten, dass sie die genaue Zahl nicht mehr wisse. „Würde es die Ente heute auf dem Markt geben, wir würden das Geschäft unseres Lebens machen“, sagt sie überzeugt. Das schlichte Design, die Langlebigkeit, der günstige Unterhalt und der niedrige Kaufpreis seien Eigenschaften, die noch immer gefragt sind.

Auch von hinten überzeugt die Charleston-Ente mit ihrer Eleganz.
Bild: Andreas Dengler

Im Landkreis sind 30 Jahre nach Produktionsende noch 16 Enten angemeldet. Eine davon fährt Familie Schinagl aus Sinning. Statt ein Sammlerstück ist ihre Ente ein Alltagsgegenstand, der genutzt wird. Und das von der ganzen Familie. Das erste Auto von Familienvater Manfred Schinagl war ein gelber 2CV „Special“, ein Sparmodell der Ente. Geheiratet wurde dann in einer weißen Club-Ente. Mit dem französischen Kleinwagen reiste das junge Ehepaar in den 80er Jahren mehrfach nach Spanien.

Seit 13 Jahren gehört mit der roten Club-Ente wieder ein 2CV zur Familie. Vor allem Manuela Schinagl nutzt die Familien-Ente, egal ob mit ihr in die Arbeit zu fahren oder den Wocheneinkauf zu erledigen. „Man fällt damit immer auf, aber positiv“, sagt die überzeugte Enten-Fahrerin. Auf bis zu 110 Stundenkilometer komme die Ente, weiß Sohn Florian, der mit ihr auch hin und wieder den Arbeitsweg bestreitet. Die neugierigen Blicke der Kollegen sind ihm dann immer sicher.

Neuburg-Schrobenhausen: Manfred Schinagl begeistert die Technik

Nicht das Fahrvergnügen, sondern die Technik unter der Motorhaube begeistert Manfred Schinagl, der in der Freizeit gemeinsam mit den erwachsenen Söhnen an alten Motorrädern schraubt. Dass eine Ente wie ein Porsche das Zündschloss auf der linken Seite hat, merkt Sohn Thomas an. Aber auch die Revolverschaltung und der obligatorische Holzkeil, der zur Grundausstattung gehöre, machen das Gefährt für Manfred Schinagl einmalig.

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