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Neuburg

03.08.2017

Löwenfieber am frühen Morgen

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1860 im Herzen und auf der Motorhaube: Der Neuburger Andreas Jakob ist glühender Fan der Löwen und hat für das Pokalspiel am kommenden Mittwoch acht Tickets erworben.
Bild: Benjamin Sigmund

Bereits um 6.30 Uhr stehen die ersten Fans an, um Karten für das Pokalspiel zwischen dem VfR Neuburg und 1860 München zu ergattern. Trotz aller Euphorie gibt es noch Restkarten.

Damit hat Harald Rogalinski nicht gerechnet. Als der Leiter Finanzen des VfR Neuburg gestern um 6.30 Uhr letzte Vorbereitungen für den Vorverkauf für das Pokalspiel zwischen den Lilaweißen und 1860 München treffen will, stehen bereits knapp 50 Menschen vor den Geschäftsräumen von „Modern Living“, wo der Verkauf stattfindet. Ursprünglich ist der Plan, die Türen erst zweieinhalb Stunden später zu öffnen. Das Risiko, keine der knapp 2100 zum Verkauf stehenden Karten zu ergattern, war manchen Fußballanhängern aber wohl doch zu groß.

Fans kommen von weit her

„Es waren Neuburger dabei, aber auch Leute aus Dachau oder Friedberg“, sagt Rogalinski. Er zeigt Herz, will die Fans nicht warten lassen und beginnt sofort, erste Tickets zu verkaufen. „Die Leute“, sagt er schmunzelnd, „haben mir einfach leidgetan.“ Etwas später, kurz vor 9 Uhr, betritt Andreas Jakob das Gebäude. Er hat Freunden versprochen, acht Karten zu besorgen. „Hoffentlich bekomme ich noch welche“, sagt er, als er die Schlange vor sich sieht. Der 29-Jährige, der beim VfR-Stadtrivalen BSV Neuburg spielt, ist Löwe durch und durch. Seine Liebe zum Münchner Traditionsverein zeigt er offen. Die Motorhaube seines weißen Autos ist von blauen Streifen überzogen und mit dem Emblem des Traditionsvereins verziert. An der Seite ist groß TSV 1860 zu lesen. Jakob weiß, dass die Partie in Neuburg nur durch den Abstieg aus der 2. Liga möglich geworden ist. Verdaut hat er ihn längst. „Ich bleibe Löwe, egal in welcher Liga der Klub gerade spielt.“ Ob der VfR kommenden Mittwoch (18.30 Uhr) überraschen kann? „Eigentlich nicht. Als Löwen-Fan muss ich einfach sagen, dass der VfR überhaupt keine Chance hat.“ Dass er über 15 Euro für einen Stehplatz entrichten muss, tangiert Jakob nicht. „Ich glaube, jeder Verein würde so ein Ereignis nutzen, möglichst viel zu verdienen.“

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9 Uhr, Heideckstraße 4. Vor der Eingangstür der Fahrschule Bauer, dem zweiten Ort des Vorverkaufs, hat sich eine kleine Schlange von 20 Fußballbegeisterten gebildet. Auch sie wollen dabei sein, wenn der Regionalligist in Neuburg gastiert. „Eigentlich bin ich Bayern-Fan, aber mein Spezl spielt beim VfR“, erzählt der 25-jährige Fabian Knikl aus Karlshuld. Eine knappe halbe Stunde hätte er gebraucht, um seine beiden Karten zu bekommen. Er hofft auf ein „gutes Pokalspiel“, welches möglichst lange spannend bleiben sollte.

Viele tippen auf einen Sieg der Gäste

Rupert Würnsehr aus Bittenbrunn ist überzeugt, „dass es ein Kampfspiel wird, wie üblich im Pokal“ und tippt auf ein 3:1 für seine Löwen. Er freut sich auf die Partie, da er so für seine 60er diesmal nicht nach München fahren muss. Mit einem Wunschergebnis von 6:1 für die Münchner ist die Erwartungshaltung von Patrick Bauer hingegen eine andere. „Da das alles Profis sind und zweimal täglich trainieren, dürfe das kein Problem darstellen“, sagt der 20-Jährige aus Unterhausen.

Ähnlich sieht es Andreas Rasalier, der aus Thierhaupten nach Neuburg gefahren ist, um sich seine Tickets für die erste Hauptrunde des Totopokals zu sichern. Er ist sich sicher, dass der Klassenunterschied erkennbar sein wird, und gibt mit 4:0 den einzigen Tipp ohne ein Gegentor der Giesinger ab. Er wünsche sich vor allem „dass dann endlich Ruhe und Kontinuität“ einkehren möge. Der 53-jährige Roland Winkler aus Lichtenau ist Mitglied beim Giesinger Traditionsklub. Seit er selbst nicht mehr gegen das runde Leder tritt, ist er „immer dabei, egal ob auswärts oder in München“. Auch er ist überzeugt davon, dass der VfR dem Regionalligisten nichts entgegenzusetzen hat. „Allerdings ist unsere Abwehr nicht die stabilste, die fängt sich immer ein Gegentor ein.“

Fan mit Löwen-Tattoo auf der Wade

Auch Nina Kern und Christian Degen kaufen sich an der Fahrschule Bauer acht Karten. Die Wade der Frau ist mit mehreren Löwen-Tattoos übersäht. Der 18-jährige Degen trägt ein Trikot der Sechziger. Beide kommen aus Dingolfing, sind Mitglied im Löwen-Fanclub Reisbach. Um möglichst viele Tickets zu ergattern, fahren sie auch noch zu „Modern Living“. Der Ausflug nach Neuburg, für den sie zwei Stunden Fahrt in Kauf genommen haben, soll sich schließlich lohnen. „Wir haben Dauerkarten für die Heimspiele im Grünwalder Stadion“, erzählt Nina Kern. Gerne wären sie auch bei jedem Auswärtsspiel dabei. „Allerdings ist das inzwischen wegen der kleinen Stadien deutlich schwieriger als noch in der 2. Liga. Daher haben wir uns gedacht, wir fahren mal nach Neuburg.“ An 1860 gingen lediglich 1100 Tickets. Es sei nahezu nicht möglich, mehrere davon zu ergattern. Über den VfR Neuburg wissen die Dingolfinger wenig. Sie kennen lediglich Martin Stanek, den sportlichen Leiter. Dessen Auftritt bei der Auslosung in Nürnberg, die live im Internet übertragen wurde, fanden sie „cool“.

An das Spiel selbst denken kann Harald Rogalinski derzeit kaum. Der Kartenverkauf ist nur ein kleiner Teil der Vorbereitung, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Gestern um 11 Uhr sind nur noch 200 Karten übrig. Danach geht es eher schleppend weiter. Am Ende des ersten Verkaufstages ist dennoch lediglich ein kleines Restkontingent übrig.

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