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Neuburg

10.08.2020

Luggi Herbinger: „Nach so vielen Jahren bist du schlichtweg fertig“

Ludwig „Luggi“ Herbinger mit seinem E-Bike im Hof des Neuburger Schlosses. Mit dem elektrischen Fahrrad unternimmt der ehemalige Wirt der „Blauen Traube“ in der Oberen Altstadt gerne und häufig Touren.
Bild: Manfred Rinke

Plus Ludwig „Luggi“ Herbinger war 36 Jahre lang der beliebte Wirt der „Blauen Traube“ in der Neuburger Altstadt. Das Aufhören vor dreieinhalb Jahren fiel ihm nicht schwer. Nur das Danach machte ihm zu schaffen.

Gut 36 Jahre lang der überaus beliebte Wirt in der „Blauen Traube“ in Neuburgs Altstadt. Und dann mit 57 Schluss gemacht. Geht denn das so einfach?

Das Aufhören war im Grunde nicht das Schwierige – aber das Danach.

Könntest du das etwas genauer beschreiben?

Ich bin in ein Loch gefallen, war mit den Nerven am Ende und habe mich zurückgezogen, was ganz untypisch war für mich. Vorher war ich täglich von Menschen umgeben, dann verhalte ich mich genau andersherum. Doch nach so vielen Jahren als Koch und Gastwirt bist du schlichtweg fertig.

Hat diese Phase länger gedauert?

Dass man da alleine nicht mehr herauskommt, sondern professionelle Hilfe braucht, merkt man ja erst, wenn es zu spät ist. Ich habe rund zwei Jahre gebraucht, bis ich mich einigermaßen gefangen hatte.

Aber du kennst doch so viele Leute, warst in allen Stammtischen in der „Blauen Traube“ Mitglied. Da kann es doch nicht sein, dass man sich allein gelassen, verloren, einsam fühlt...

Natürlich lernst du viele Menschen kennen, musst dir allerdings auch viel Schmarrn anhören. Letztlich waren es aber doch die echten Freunde, die mir geholfen haben, aus dem Loch zu kommen. Sie waren ganz wichtig für mich, haben mich eingeladen, sind mit mir ausgegangen – haben sich einfach um mich gekümmert.

Und jetzt bist du einigermaßen übern Berg?

Ja, durchaus.

Was treibst du denn so den ganzen lieben langen Tage?

Ich habe einen festen Tagesrhythmus: So gegen 8 Uhr steh’ ich auf, geh’ dann in ein Café zum Zeitunglesen, danach einkaufen und zwischendurch wird geratscht.

Und was unternimmt man als Frührentner sonst noch, damit es nicht langweilig wird?

Ich reite zwar nicht mehr, weil’s mir zu gefährlich ist, aber ich hab’ noch Kontakt zu alten Reiterkollegen. Dann fahr ich hie und da mit meinem Oldtimer, einem alten Porsche, und ich unternehme was mit guten Freunden.

Was denn zum Beispiel?

Ja, mia fahr’n zum Beispiel mit de Radln in an Biergarten im Landkreis oder mach’n einfach das, was uns grad so einfällt.

Apropos Radfahren: Das ist ja mittlerweile ein großes Hobby von dir. Wie war denn die Tour mit den Spezln über die Alpen?

Da waren wir zehn Mann und hatten eine rechte Gaudi. Wir fuhren unfallfrei von Füssen nach Meran und jeder, auch die, die nicht mit dem E-Bike fuhren, hat’s problemlos geschafft. Wir wurden sogar von einem „Besenwagen“ begleitet, der unser Gepäck transportierte. Da bin ich auch mal mitgefahren. Schließlich kannst du ja nicht vier Tage lang nur Rad fahren...

Und wenn du ausgehst, besuchst du dann auch öfter die „Blaue Traube“, sie ist ja gleich in deiner Nachbarschaft?

Da geh’ ich eher seltener hin, weil auch kaum noch die Leute dort sind, mit denen ich meinen Spaß hatte. Da kommt natürlich mittlerweile ein ganz anderes Publikum zu meiner Nachfolgerin Stephanie Höck. Das ist ja auch völlig normal. Ich bleibe mittlerweile abends auch gerne zu Hause.

Trotzdem denkst du doch sicherlich noch manchmal an deine Jahre als Wirt, den du ja leidenschaftlich gelebt hast?

Na, klar. Das war ja über weite Strecken mein Leben. Ich hab’ das Wirtshaus im November 1980 von den Pfadfindern abgelöst, bei denen ich bis dahin hauptberuflich als Koch gearbeitet habe. Fahrschüler konnten bei mir günstig essen und die Hausaufgaben machen. Mit meinem Vater Ludwig hab’ ich dann die Wirtschaft umgebaut und er hat mir auch sonst im Wirtshaus viel geholfen – und meine „Muddl“ Hildegard hat die Wäsche gewaschen.

Hattest du nie den Wunsch, mal eine andere Wirtschaft zu übernehmen, woanders, oder etwas anderes zu arbeiten?

Ich hatte eigentlich immer das Gefühl, dass ich genau hierher gehöre. Ich hatte zudem eine gute Verpächterin und eigentlich nie größere Probleme in der Wirtschaft oder außen herum.

Was sind denn als schöne Momente in den knapp vier Jahrzehnten in Erinnerung geblieben?

Was immer schön war, war die Zeit der Sommerakademie. Da kam ein ganz anderes, besonderes Publikum. Das war eine für mich gewinnbringende Abwechslung in jede Richtung.

...und das Schloßfest?

Die ersten Male war das ein Mordsstress für mich. Doch dann hab’ ich das so organisiert, dass ich mich nur noch um die Gäste gekümmert und mit ihnen angestoßen habe und die Arbeit im Lokal hab’ ich den anderen überlassen.

Wer kam denn überhaupt so als Promi zu dir in die Altstadt?

Oh Gott, das waren einige. Caroline Reiber, Anneliese Fleyenschmidt, Ottfried Fischer, Joachim Gauck, Gustl Bayrhammer, Ilja Richter, Doris und Gerhard Schröder und sogar das schwedische Königspaar war vor sechs Jahren auf ein paar Bratwürstl mit Kraut in der Traube. Aber es waren noch ganz viele mehr.

Hat denn König Carl Gustaf und seine Silvia niemand erkannt?

Das war doch alles top secret. Ich hab’ ja auch erst ein, zwei Stunden vorher erfahren, dass sie kommen. Die waren schon in der Klosterwirtschaft in Baring inkognito und bei mir waren sie alleine in der Wirtschaft, weil die anderen Gäste draußen saßen. Der Wöhrl Hans vom Volkstheater, der erst verstorben ist, der hat sie damals erkannt.

Wer war dir denn von den Promis am liebsten – und wen konntest du gar nicht riechen?

Also cool war der Jazztrompeter Till Brönner. Der hat bei uns mal übernachtet, weil er im Schlosshof auftrat. Mit ihm haben wir in der Traube einen amüsanten, langen – na, ja – sehr langen, durstigen Abend verbracht. Deshalb musste er am nächsten Morgen das Frühstück ausfallen lassen. Am Abend hatte er dann seinen Auftritt im Schlosshof. Dort stellte er auch sein allerneuestes, frisch komponiertes Werk vor mit dem Titel: „No breakfast at Luggi“.

Was hast du denn noch so vor in den nächsten Jahren?

Konkrete Wünsche hab’ ich keine. So wie es kommt, so kommt’s. Ich schau’ positiv in die Zukunft und hoffe schon noch auf ein paar schöne Jahre, dass ich gesund bleib’ und daheim nicht versauer. Und ich werde mich mit Leuten umgeben, mit denen ich ganz einfach gerne zusammen sein will.

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