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Kabarett

24.10.2017

Max Uthoff, ein großer seiner Zunft

Sorgte bei der Benefizveranstaltung in der Schlosswirtschaft in Sinning für ein volles Haus: der Politikkabarettist Max Uthoff.
Bild: Doris Bednarz

„Sinninger Initiative gegen Rechts“ gelang ein echter Glücksgriff – und das auch noch für den guten Zweck

Der bekannte Politkabarettist Max Uthoff sorgte am Samstag in Sinning für eine restlos ausverkaufte Schlosswirtschaft. Der „Sinninger Initiative gegen Rechts“ gelang mit der Einladung des Münchners ein echter Glücksgriff.

Zum einen überzeugte Uthoff mit seinem dritten Soloprogramm „Gegendarstellung“ das Publikum, zum anderen verkündete Lutz Hollermeier, der Sprecher der „Sinninger Initiative gegen Rechts“ zu Beginn des Abends, dass der Künstler sich für eine Benefizvorstellung entschieden hatte. Die Einnahmen der Veranstaltung gehen an die Integrationsklasse der Mittelschule Neuburg und an ein Schulprojekt im Kongo, das der Sinninger Pfarrer, Serge Senzedi, unterstützt.

Der 50-jährige Uthoff, der 2007 seine Anwaltskarriere an den Nagel hing, moderiert seit 2014 zusammen mit Claus von Wagner die Fernseh-Satire „Die Anstalt“ im ZDF und wurde 2012 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet. Schick in Anzug und Krawatte, in der Hand ein Megafon, klärt er gleich zu Beginn des Abends die Gäste mit der Behauptung „Wer immer wieder dasselbe sagt, hat recht!“ auf. Nach dem Erfolgsslogan der herrschenden Klasse begrüßt der Satiriker seine Gäste mit einer leicht veränderten sarkastischen Gedichtzeile von Johann Gottfried Seumes: „Wo man singt, da lass’ dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder. In diesem Sinne willkommen zu einem Abend ohne Musik!“

Max Uthoff reiht mit atemberaubender Sprechgeschwindigkeit Pointe an Pointe und klärt die Gäste über seine Sicht der sozialen Missstände auf. Er berichtet über die Deformierung und Entgleisungen von Politik und Medien. Doch der brillante Satiriker nimmt höchst unterhaltsam auch sich selbst aufs Korn: „Wenn ich eine bewusstseinsverändernde Erfahrung machen will, nehme ich zwei Treppen auf einmal!“ Max Uthoff macht mit seinen verbalen Bosheiten vor keiner Partei halt. Er lästert über Trumps Frisur, die „aussieht, als ob er in einer Zuckerwattemaschine hängengeblieben ist“ und bezeichnet den Hamburger G-20-Gipfel als Kasperltheater, in den Hauptrollen Angela Merkel als Kasperl und Donald Trump als Seppl. Er kritisiert die riesigen Wahlplakate und ist für die Ehe für alle, „weil jeder das Recht erhalten sollte, die gleichen Fehler zu begehen“.

Max Uthoff beschränkt sich während seines zweistündigen Auftritts auf seine messerscharfe Artikulation und verzichtet auf jegliche Bühneneffekte. Er bezeichnet Ursula von der Leyen als schönste Vereidigungsministerin nach Karl-Theodor zu Guttenberg. Er verharmlost die Gefahr eines Atomkriegs. Wer so miserabel twittert wie Trump, kann keinen Atombombencode fehlerfrei eingeben.

Sein Repertoire erstreckt sich über die vergangenen 40 Jahre und umfasst internationale Politik, Wirtschaftsformen und Gesellschaftsentwicklung. Seine satirische Abrechnung macht auch nicht vor dem Islam Halt, der Selbstmordattentätern den Einzug ins Paradies und 72 Jungfrauen verspricht. Er unterstellt Bochumer Jugendlichen noch nicht Macho genug zu sein, um zu erkennen, warum die Jungfrauen noch Jungfrauen sind.

In seiner Zugabe machte er dem Publikum noch Vorschläge für originelle Grabsteinsprüche verschiedener Prominenter. Angela Merkel würde möglicherweise „Das ist alternativlos“, Helene Fischer logischerweise „Atemlos“ wählen, bei Helmut Schmidt könnte „Bitte keine heiße Asche einfüllen“ oder bei Günter Wallraff „Endlich ganz unten“ auf dem Stein stehen.

Einen Kabarettabend vom Feinsten bot Max Uthoff, ein Großer seiner Zunft, der auf humorvolle Weise nicht nur politische Themen durch den Kakao zog.

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