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Nahversorgung

04.01.2020

Mehr als nur ein Dorfladen

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Maria und Sieghard Jantschik (†) in ihrem Laden, hier zusammen mit dem Neuburger Kunstmaler Rudolf Scharl (†, links).
Bild: Archiv

In Gansheim schließt nach 62 Jahren der kleine Tante-Emma-Laden der Geschwister Jantschik. Dort gab es mehr als nur Lebensmittel zu kaufen

Vielleicht war er der kleinste Edeka-Laden Deutschlands, auf jeden Fall war er einer der originellsten: Das Geschäft der Familie Jantschik im Marxheimer Ortsteil Gansheim (Donau-Ries) hatte die Funktion als Treffpunkt, Anlauf- und Verkaufsstelle zugleich. Zum Bedauern der Einheimischen ist jetzt Schluss – nach 62 Jahren.

1957 hatten die Eltern Paula und August Jantschik ihr Lädchen in Gansheim eröffnet, zuerst beliefert von Spar, dann von Edeka. Mit der Zeit etablierte sich die Adresse in der Regilostraße, später übernahmen die Kinder Maria und Sieghard das Geschäft. Mit dem Tod von Sieghard Jantschik (75) im Sommer 2019 fiel die tragende Säule weg.

Die Schwestern Maria und Ilse Hipper machten noch einige Monate weiter und entschieden sich dann, das Geschäft aufzugeben. Seit Neujahr 2020 ist Edeka Jantschik zu. Leicht gefallen ist die Schließung den Schwestern nicht: „Aber es war zuviel Arbeit, ohne Personal ist es nicht zu schaffen.“

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Der Laden firmierte zuletzt unter „Nah und gut – Edeka“. Die Warenbestellung ging bis zuletzt per Fax an die Edeka-Zentrale Gaimersheim, anstatt digital über das konzerneigene System. Zwischenzeitlich befürchteten die Inhaber, dass der Miniladen nicht mehr beliefert werden würde, aber Obst, Gemüse und Lebensmittel kamen wie gewohnt alle zwei Wochen.

Neben der Frischware fanden sich lange Zeit auch Essigsaure Tonerde, Kleiderbügel, Kälberstricke oder Geburtstagskerzen. Es gab Bärendreck (Lakritze) und einzelne Bratheringe aus der Dose. Ansichtskarten der Dörfer Daiting, Übersfeld, Blossenau und Gansheim waren zu haben. Ein Eremit legte seine Gedichte aus. Die Zeit schien ein bisschen stehengeblieben zu sein in dem Laden.

Neben der Nahversorgung diente er als sozialer Treffpunkt im Ort. Pendler schauten in der Früh vorbei, Rentner ließen sich ihre Medikamente zu Edeka Jantschik liefern. Sieghard Jantschik, der einst in der Oberliga Fußball gespielt hatte, trainierte zehn Jahre lang ehrenamtlich die Gansheimer Fußballer und belieferte Sport- und Schützenheim.

Mit dem Laden verliert Gansheim eine kleine Institution. „Wir können uns nur bei unseren treuen Kunden und Gästen bedanken“, sagt Maria Jantschik. (nr)

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