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Konzert

11.06.2019

Musik, die zum Frieden mahnt

Glanzvoll: Die russische Klavier-Solistin Elisaveta Blumina im Zusammenspiel mit dem GKO.
Bild: Johannes Seifert

Die russische Pianistin Elisaveta Blumina und das Georgische Kammerorchester Ingolstadt spielen eindrucksvoll Werke von Weinberg und Honegger

Die russische Pianistin Elisaveta Blumina präsentierte am vergangenen Donnerstagabend im sechsten Abo-Konzert des Georgischen Kammerorchesters, Mieczyslaw Weinbergs Klavierquintett (op. 18) in einer Bearbeitung für Streichorchester von Mathias Baier.

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Das Leben des polnisch-jüdischen Komponisten, dessen 100. Geburtstag im Dezember begangen wird, ist eng mit dem Zeitgeschehen des 20. Jahrhunderts verbunden. 1939 vor den Nazis aus Polen nach Moskau geflohen, 1953 vom russischen Geheimdienst verhaftet, entgeht er nur dank des Engagements Schostakowitschs der Hinrichtung.

Auch künstlerisch sind die Verbindungen zwischen Schostakowitsch und Weinberg kaum zu trennen. Dies offenbart das Klavierquintett von Weinberg: Es zählt ebenso fünf Sätze – genauso wie das Klavierquintett Schostakowitschs, von 1940. Nach dem launig-grimmigen ersten und dem deklamatorisch gehaltenen Klageton des langsamen Satzes wirken die beiden Scherzo-Sätze umso schattenhafter. Wie bei Schostakowitsch kann zudem das Finale seine bitterböse Groteske kaum verbergen. Weinberg, ein Chronist seiner Seele und seiner Zeit, arbeitet mit Brüchen, und ähnelt ihm auch hier in besonderer Weise.

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Einmal mehr wurde im Konzertverlauf deutlich wie sehr das Georgische Kammerorchester in der Lage ist, mit solch höchst anspruchsvollen Werken besondere Akzente zu setzen. Innig in der Melodik, sanft in der Tonalität und äußerst einfühlsam sowie mit entsprechender Sorgfalt begleitete es im gut besuchten Theaterfestsaal die Solistin, die unglaublich präzise, gleichermaßen beseelt und dominant sowie agogisch rein intonierte.

Elisaveta Blumina studierte Klavier und Kammermusik am Rimski Korsakow-Konservatorium St. Petersburg und setzte ihre Studien an der Hamburger Musikhochschule sowie am Konservatorium in Bern fort. Zu ihren Lehrern zählen internationale Musikgrößen wie Jewgeni Koroljow, Sir András Schiff, Boris Pergamenschikow, Radu Lupu und Bruno Canino.

Das Georgische Kammerorchester, unter der Gesamtleitung von Ruben Gazarian offenbarte auch im zweiten Teil des Abends, mit der gelungenen Darbietung von Honeggers Sinfonie Nr.2 für Streicher und Trompete (Solist, der junge Ingolstädter Christian Fuss) wie farbig expressiv und stimmig es musizieren kann. Nahezu zeitgleich, ebenfalls inmitten des Zweiten Weltkriegs, hat auch der französisch-schweizerische Komponist Arthur Honegger diese Sinfonie komponiert. Von Paul Sacher in Auftrag gegeben und 1942 in Zürich uraufgeführt, ist sie von dem damals abgründigen Lauf der Welt geprägt.

Sicherlich spiegeln beide Werke in ganz besonderer Manier ein Zeitgeschehen, dass sich nicht wiederholen darf. Umso mehr ist es großartig, wenn das GKO, das ja selbst die Heimat verlassen musste, hier musikalische Akzente setzen kann, die zum Frieden mahnen und an die Versöhnung unter den Völkern appellieren.

Das Konzert wurde von Deutschandfunk-Kultur mitgeschnitten und wird am 16. Juli um 20.03 Uhr ausgestrahlt.

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