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Konzert

20.01.2020

Musik im Dialog der Kulturen: Zwischen Orient und Okzident

Brillant: Sarah Gilford. Sie intonierte mit dem GKO die Goethe-Lieder aus der Feder von Fazil Say.
Foto: Johannes Seifert

Das GKO und Sopranistin Sarah Gilford zeigen eine stimmige Darbietung der „Goethe-Lieder“

Für die neue Abo-Reihe 2020 des Georgischen Kammerorchesters (GKO) scheint die Verpflichtung von Fazil Say als „Artist- und Composer in Residence“ ein Glücksgriff zu sein. Selten hörte man beim GKO im Festsaal Notationen des international renommierten Pianisten und Komponisten in solch einer Vielfalt. Noch dazu mit der brillant agierenden Sopranistin Sarah Gilford, die mit einer überaus stimmigen Darbietung der „Goethe-Lieder“ des in Ankara geborenen Künstlers beeindrucken konnte.

Für diesen Liedzyklus hat Fazil Say einige Texte aus Goethes „West-östlichen Divan“ ausgewählt. Damit unterstreicht er einmal mehr, wofür er steht – nämlich für den Dialog sowie den kulturellen Austausch der Kulturen, besonders zwischen Orient und Okzident.

Wie so oft bei Say überwiegen Neunertakte, die metrisch in Rhythmus und Melodie differieren und vielfach arabisch geprägt sind.

Goethe beruft sich in den zugrundeliegenden Gedichten auf den persischen Dichter Hafis, der im Land der so reichhaltigen Kultur zwischen 1315 und 1390 lebte.

Die Transparenz des Klanges, die mitreißende Rhythmik und die geschmeidige Prägnanz dieses von Fazil Say komponierten Liedgutes sprechen das Publikum in besonderer Weise an.

Sarah Gilford – sie ist seit der Spielzeit 2019/20 Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper – mit ihrem brillanten, reinen, pointierten und betörend-schimmernden Sopran bot eine nahezu makellose Darbietung und wurde vom GKO auch entsprechend solide begleitet.

Die Tonsprache dieser Lieder spannt einen weiten Bogen, etwa von Richard Wagner bis Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch, ist gewürzt mit Tonfragmenten aus Orient und Okzident und rhythmisch höchst anspruchsvoll.

Voll von original türkischer Musik ist hingegen die Kammersinfonie, op. 62 – ebenso von Say – komponiert im Jahr 2015. Konkret verarbeitet er in dem Werk das musikalische Erbe aus dem alten Istanbul, beispielsweise die vergessene Musik der Sinti und Roma aus dieser Region oder des historischen „Sulukule-Viertels“ der Metropole. Der Finalsatz repräsentiere die „überschäumende Energie der türkischen Roma-Musik“, so Say, und solle „im Stile der Musik des Balkans“ interpretiert werden.

Das Georgische Kammerorchester gilt als ein enorm vielseitiges Ensemble. Und besonders unter der einmal mehr äußerst prägnanten Leitung von Ruben Gazarian gelang eine überaus treffende Intonation, in der das Zerrissene, Grelle, Gefährdete dieser Musik bestens zum Vorschein kommen konnte. Auch die dargebotenen Sinfonien Nr. 35 und Nr. 42 von Joseph Haydn – im weiteren Verlauf des Abends – waren überaus ansprechend intoniert: besonders wegen der glanzvoll und dynamisch perfekt agierenden Harmoniebesetzung.

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