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Kreis Neuburg-Schrobenhausen

30.12.2020

Nach Corona-Jahr: Das plant Landrat Peter von der Grün für 2021

Wird deutlich teurer als ursprünglich geplant: Die Paul-Winter-Realschule, die im Herbst 2021 in Betrieb gehen soll.
Bild: Claudia Stegmann

Plus Das Corona-Jahr hat das Tagesgeschäft von Landrat Peter von der Grün in den Hintergrund rücken lassen. Stattdessen ging es um Masken und Testzentren. Welche Wünsche und Pläne er für 2021 hat.

Über diese eine Maske kann Landrat Peter von der Grün heute noch lachen. Als medizinische Mund-Nasen-Bedeckungen rar wurden und Deutschland auf den Schutz von selbst genähten Community-Masken setzte, da gab es auch einen findigen Händler, der dem Landratsamt sein Modell anbot. Als Peter von der Grün den weißen Feinripp-Lappen in der Hand hielt, konnte er nicht fassen, was er da sah. „Das ist doch ein umgebauter Tennissocken!“, entfuhr es ihm entsetzt. Gleichzeitig war er amüsiert darüber, welche Auswirkungen die Krise auf den Geschäftssinn so mancher Menschen haben kann.

Kreis Neuburg-Schrobenhausen: Landrat Peter von der Grün über das Corona-Jahr 2020

Es war nicht das erste und auch nicht das letzte Mal im vergangenen Jahr, dass sich Peter von der Grün über die Entwicklungen wundern musste. Im Jahr der Corona-Pandemie ist so vieles anders als sonst. „2020 war der krasse Gegensatz zu meinem ersten Jahr“, sagt von der Grün rückblickend. Veranstaltungen, Feste, Bürgerkontakte – nichts davon konnte seit März stattfinden. Stattdessen mussten FFP2-Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel und Schutzkittel besorgt sowie ein Corona-Testzentrum aus dem Boden gestampft werden. Darüber hinaus war das Gesundheitsamt nicht im Ansatz auf eine Belastung ausgerichtet, wie sie die Corona-Krise mit sich brachte. Sowohl technisch als auch personell fehlte es hinten und vorne. Innerhalb eines halben Jahres wuchs das Gesundheitsamt von 16 auf 46 Mitarbeiter an.

Schutzkleidung und Masken waren zu Beginn der Corona-Krise schwer zu bekommen. Im Sommer lieferte das THW eine Ladung an das Landratsamt.
Bild: Landratsamt

Die jüngste große Herausforderung für die Verwaltung sei das Errichten eines Impfzentrums gewesen. „Das ist organisatorisch nicht mit dem Testzentrum zu vergleichen“, sagt Peter von der Grün. Am an das Testzentrum angedockten Impfzentrum in Mühlried wurden am Sonntag die ersten Bürger geimpft. Aktuell hat die Regierung von Oberbayern genehmigt, dass in Neuburg ein zweites Zentrum im Landkreis entstehen kann. Die Kosten beider Einrichtungen trägt der Freistaat.

Landrat Peter von der Grün: Corona-Baustellen und der eine oder andere Erfolg

Wenn Peter von der Grün auf das Jahr 2020 zurückblickt und die vielen großen und kleinen Corona-Baustellen ausblendet, dann verbucht er trotz des schwierigen Jahres auch den einen oder anderen Erfolg für sich. Die beschlossene Machbarkeitsstudie zur Zukunft des Kreiskrankenhauses (Neubau oder Sanierung?) sei „klasse, damit wir konkrete Perspektiven aufzeigen können“. Und auch bei der Donaumoosentwicklung sieht er Fortschritte dahingehend, dass es nun endlich Signale aus der Bayerischen Staatsregierung gebe, den angestrebten Moorschutz finanziell unterstützen zu wollen. Für den Landkreis allein ist diese Aufgabe – so hat es die Vergangenheit gezeigt – nämlich nicht stemmbar.

Peter von der Grün
Bild: Landratsamt

Im kommenden Jahr wird der Landkreis erneut in seine Schulen investieren. Die neue Paul-Winter-Realschule soll im Herbst 2021 fertig werden. Auf 44 Millionen Euro haben sich die Kosten im Laufe der Jahre hochgeschraubt, wobei Zuschüsse von etwa 15 Millionen Euro zu erwarten sind. Von 18 Millionen Euro war ganz am Anfang die Rede. Als schließlich die ersten Entwürfe vorlagen, ging es um 22 bis 25 Millionen Euro, ein Jahr später wurden die Kosten bereits auf 35 Millionen Euro hochkorrigiert.

Jetzt kommen nochmals rund zehn Millionen Euro obendrauf. Wäre diese Summe von Anfang im Raum gestanden, ist es fraglich, ob der Schulneubau die politische Mehrheit im Kreistag überhaupt gefunden hätte. Ob Peter von der Grün in diesem Fall sein Veto als damaliger Kreisrat eingelegt hätte, darüber mag er heute nicht spekulieren. „Klar hätten wir gerne weniger Geld ausgegeben. Aber das ist so eine tolle Schule mit einer Strahlkraft über Neuburg hinaus – da will ich sie im Nachhinein nicht schlechtreden.“

„Die Förderschule will nicht umziehen“

Aus der damit verbundenen ursprünglichen Idee, dass das Sonderpädagogische Förderzentrum dann in die bestehende Realschule einzieht und sich gleichzeitig die Berufsschule im angrenzenden Förderzentrum ausbreiten kann, wird jedoch nichts. „Die Förderschule will nicht umziehen“, sagt Peter von der Grün. Stattdessen hat die BOS/FOS an der Realschule Interesse angemeldet.

Mit (weiteren) Kostenmehrungen ist mutmaßlich auch bei der Donaubrücke Bertoldsheim zu rechnen. Ursprünglich auf zwölf Millionen Euro taxiert, liegt die Kostenschätzung aktuell bei über 19 Millionen Euro – wobei es ordentlich Zuschüsse gibt. Das Landratsamt rechnet, dass es für die reinen Baukosten bis zu 70 Prozent Förderung gibt.

In einem ehemaligen Supermarkt in Mühlried hat der Landkreis an das Corona-Testzentrum das Impfzentrum angedockt. Am Sonntag wurden dort die ersten Landkreisbürger – los geht es mit den über 80-Jährigen – geimpft.
Bild: Winfried Rein

Das alles sind jedoch Projekte, die das Tagesgeschäft mit sich bringen und noch in der Amtszeit von Roland Weigert angestoßen wurden. Doch wo setzt Landrat Peter von der Grün seine persönliche Duftmarke? Grundsätzlich, so sagt er, gebe es für große „persönliche“ Projekte finanziell und personell wenig Spielraum. „Dafür haben wir an der Corona-Front zu viele Kämpfe zu fechten.“ Doch eine Idee schwebt ihm vor: ein Ärztebus für den Landkreis, der durch alle Gemeinden tourt, in denen es keinen Hausarzt mehr gibt. In Nordhessen sei ein solcher bereits im Einsatz, den er sich – vielleicht im kommenden Jahr – vor Ort einmal genauer anschauen würde.

Landrat Peter von der Grün hofft auf Corona-Impfungen

Vorrangig geht es Peter von der Grün aber erst einmal darum, dass die Landkreisbürger den Corona-Winter gut überstehen. „Ich hoffe, dass sich viele Menschen impfen lassen“, sagt er. Auch er wolle sich zu gegebener Zeit impfen lassen. Denn nur dann bestehe die Chance, dass „wir wieder zu einem normalen Leben zurückkehren können mit mehr Geselligkeit und mehr Kontakten“.

Denn das sei es gewesen, was er 2020 mit am meisten vermisst habe: die Kontakte zu den Menschen. Der erzwungene Abstand ist seiner Meinung nach nicht spurlos an den Menschen vorbeigegangen. „Die soziale Distanz hat was mit uns gemacht – und das ist noch lange nicht abgeschlossen.“

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