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BarmherzigeBrüder

20.03.2015

Nächstenliebe in Zeiten von Ebola

Lehrerin Stephanie Breitfeld übergibt Frater José 640 Euro.
Bild: Raphael Beck

Frater José María Viadero berichtet über die Situation in den westafrikanischen Krankenhäusern

Der Kampf gegen Ebola ist noch nicht gewonnen. José María Viadero vom Orden der Barmherzigen Brüder hat das Elend in den beiden Ordenskrankenhäusern in Sierra Leone und Liberia hautnah erfahren müssen. Im Rahmen der Missionstage der Barmherzigen Brüder machte der gebürtige Spanier auch in Neuburg Station und erzählte Neuntklässlern der Paul-Winter-Realschule von seinen Erlebnissen.

Die Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika war laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) der bisher schlimmste erfasste Ausbruch der Viruserkrankung überhaupt. Mehr als 9000 Menschen kamen dabei ums Leben. Seit einiger Zeit ist sowohl die Zahl der Neuinfektionen als auch das Medieninteresse an Ebola deutlich abgeebbt. Doch vor Ort sind die Auswirkungen noch spürbar.

Frater José erzählt auf Englisch, sein Regensburger Mitbruder Markus Krippner übersetzt ins Deutsche. Die kleine Stadt Guéckédou im Süden Guineas sei wohl der Ursprung der Ebola-Epidemie gewesen. „Normalerweise löschen die Ebolaviren in den ländlichen Regionen ganze Dörfer auf einmal aus. So kann sich die Krankheit nicht weiter verbreiten“, übersetzt Frater Markus. Die Tödlichkeit des Virus verhindere also makabererweise oft eine Epidemie. Letztes Frühjahr seien die Viren aber von der Grenzstadt Guéckédou aus nach Sierra Leone und Liberia eingeschleppt worden. Das labile Gesundheitswesen in Liberia sei mit der Seuche völlig überfordert gewesen.

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In der Hauptstadt Monrovia, wo etwa die Hälfte der Staatsbevölkerung lebt, betreiben die Barmherzigen Brüder das „einzige funktionierende Krankenhaus des Landes“, das St. Joseph’s Catholic Hospital. Im August kam es dort zu einem, wie Frater José es nennt, „Blackout“: Der Leiter der Klinik, Frater Patrick, und einige weitere Angestellte des Krankenhauses hatten sich mit Ebolaviren infiziert und starben. Die Seuche hatte „das Herz der Mission“ erreicht, die Klinik musste geschlossen und unter Quarantäne gestellt werden.

Neben dem persönlichen Verlust für den Orden hatte der Blackout zur Folge, dass die Kommunikation mit den umliegenden Krankenhäusern völlig zusammenbrach. Aus Angst vor einer Ansteckung schlossen sich die Mitarbeiter zuhause ein.

Nach einem Vierteljahr Stillstand und einer langwierigen Desinfektion des Hospitals ging es dann endlich aufwärts: Die Fratres konnten Ende November die Geburtenstation wiedereröffnen, die Ordensklinik in Sierra Leone läuft seit Anfang Januar wieder.

Doch von Entwarnung kann –noch – keine Rede sein: Die WHO registrierte Ende Januar rund 100 Neuerkrankungen pro Woche. Für die Barmherzigen Brüder gibt es also nach wie vor viel zu tun. Um sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, haben die Neuntklässler der Paul-Winter-Realschule Geld gesammelt. Dabei kamen 640 Euro zusammen – eine Summe, die der Arbeit des Ordens zugutekommt. Lehrerin Stephanie Breitfeld bedankte sich bei den Eltern, die sich als überaus spendabel erwiesen hätten.

Gestern endete Frater Josés Deutschlandreise mit einem Besuch in München – er muss zurück nach Afrika. Er habe hier nicht nur finanzielle Unterstützung erhalten, sondern auch seinen Orden und die Mission vorstellen können, sagt er. Am wichtigsten sei ihm aber die erneute Sensibilisierung für das Thema Ebola gewesen. Das dürfte ihm gelungen sein – so gebannt, wie die Schüler ihm in ihrem Klassenzimmer zugehört haben.

Wer die Nichtregierungsorganisation Juan Ciudad, der Frater José vorsteht, unterstützen möchte, kann das unter folgender Bankverbindung tun: Zahlungsempfänger: Barmherzige Brüder; IBAN: DE57 7509 0300 0002 2995 50; BIC: GENODEF1M05, Verwendungszweck: Ebola-Hilfe

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