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Neuburg

15.10.2020

Neuburger Bar wegen Privatpartys im Visier der Behörden

Trotz Corona-Pandemie wollen die Menschen wieder in Bars feiern. Verständlich, aber gefährlich.
Bild: Paul Zinken, dpa

Plus Die Corona-Fallzahlen im Landkreis steigen. Landrat und Oberbürgermeister wollen nun in der Neuburger Gastronomie verstärkt Kontrollen durchführen. Eine Bar steht dabei besonders im Fokus.

Nicht nur bundesweit, auch im Landkreis werden immer mehr Menschen positiv auf Corona getestet: Mit einem Durchschnittswert von 52,3 wurde der kritische Inzidenzwert von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen am Mittwoch überschritten. Mit schuld an den steigenden Fallzahlen seien private Veranstaltungen, sind sich Landrat Peter von der Grün und Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling einig. Konkrete Namen von Verantwortlichen nennen die beiden Politiker nicht, doch wer sich in Neuburg umhört, der weiß: In der Kritik stehen vor allem die Gastronomen Bajram und Leotrim Gashi, denen unter anderem die Fly-Bar gehört.

Dort fand am ersten Oktoberwochenende eine private Party statt, auf der sich laut Gesundheitsamt sieben Menschen aus dem Landkreis bei einer bereits infizierten Person mit dem Coronavirus angesteckt haben. Und es könnten noch mehr sein. Denn das Gesamtergebnis der Testung liegt in Neuburg nicht vor, da sich unter den 38 Partygästen auch mehrere aus anderen Landkreisen befanden. Derlei private Veranstaltungen dürfen ohne Genehmigung stattfinden, sagt die Sprecherin des Landratsamts, Sabine Gooss. Aber sind wirklich alle dieser privaten Partys tatsächlich privat? Die Gerüchte über die Fly-Bar ziehen Kreise.

Einladungen zu privaten Partys in der Fly Bar in Neuburg

Kürzlich erreichte die Neuburger Rundschau ein anonymer Brief, der sich auch an die zuständigen Behörden richtete. Darin beschuldigt der Schreiber mehrere Neuburger Gastronomen, die Hygienevorschriften nicht einzuhalten, an erster Stelle nennt er die Bar Fly. Bei unserer Recherche stießen wir auf Menschen, die selbst auf privaten Partys in der Fly Bar waren oder in der lokalen Feier-Szene vernetzt sind. Die einen berichten von persönlichen Einladungen zu Geburtstagsfeiern, bei denen es „gesittet“ zugegangen sei. Andere aber erzählen Folgendes:

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Sie seien über Social Media auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. Eingeladen wurde ungefähr so: „Private Party. Bei Interesse PN (Abkürzung für persönliche Nachricht, Anm. der Red.) an mich schreiben!!“ Daraufhin konnte man sich beim Veranstalter anmelden, sagt eine der Quellen, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Der Veranstalter wiederum lasse einem dann einen Link zukommen, mit dem man auf ein Dokument Zugriff erhalte, auf dem man seine Kontaktdaten angibt und sich mit der Weiterverarbeitung der Daten einverstanden erklärt. Den Link könne man beliebig weiterverschicken. Ein Screenshot der Einladung – von einem Anlass wie etwa einem Geburtstag ist darauf nicht die Rede – sowie ein Foto des Dokuments liegen der Redaktion vor. Weitere Gäste berichten davon, dass Getränke ganz normal über den Ausschank verkauft und dass sogar Eintritt verlangt worden sei.

Die Brüder Gashi erklären, wie Partys in der Fly Bar funktionieren

Ist das nun noch eine private Veranstaltung? Wie eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums auf Anfrage erklärt, handle es sich nur dann um eine private Veranstaltung, wenn diese „nicht für ein beliebiges Publikum angeboten“ werde. Die Veranstaltung muss einen „persönlichen Zuschnitt“ haben, das heißt, sie wird nur von einem „absehbaren Teilnehmerkreis“ besucht, wie es zum Beispiel bei Hochzeiten und Geburtstagen der Fall ist. Die Sprecherin betont, eine solche Veranstaltung liege nicht vor, wenn sich „jedermann anmelden kann“. Maßgeblich sei, dass der feiernde Personenkreis „aufgrund einer inneren Verbindung auch unabhängig von der jeweiligen Veranstaltung Kontakt pflegt“. Eine vorherige Einladung alleine sei nicht ausreichend.

Bajram und Leotrim Gashi nahmen per E-Mail Stellung zu den Vorwürfen. Sie schreiben, sie seien verwundert, dass es Unklarheiten über die Vermietung der Fly-Cocktailbar für Privatfeiern gebe. Richtig sei, dass sie die Bar für Geburtstage und Junggesellenabschiede zur Verfügung stellen. Dabei werde mit dem Veranstalter ein Mietvertrag abgeschlossen – entweder mehr Miete und Getränke inklusive oder weniger Miete und offener Getränkeverkauf. Die Hygienevorschriften würden eingehalten, dem Landratsamt liege ein Konzept vor, schreiben die Gashis.

Partys in Coronazeiten: OB Gmehling hält nichts davon

Mehr als 100 Gäste kämen nicht in die Bar. Der Veranstalter erhalte ein Online-Formular, auf dem sich alle Gäste eintragen müssen, zur Kontaktverfolgung und um eine Gästeliste für den Abend zu erstellen. Weiter geben die beiden Neuburger Gastronomen an, dass das Fly auf seinem eigenen Social-Media-Kanal keine öffentliche Werbung für diese Partys mache. Den Veranstaltern sei dies aber natürlich freigestellt, deren Posts würden ja nur die eigenen Freunde sehen. Ob die Partygäste tatsächlich einen persönlichen Bezug zueinander hätten, müssten sie als Vermieter nicht sicherstellen.

Oberbürgermeister Bernhard Gmehling zeigt sich verärgert. Vom Modell der „Privatpartys“ hält er generell überhaupt nichts: „Es hat sich gezeigt, dass die Distanz schwindet und keine Abstände mehr eingehalten werden – oft, wenn eben Alkohol im Spiel ist.“ Außerdem würden sich auch bei ihm die Hinweise verdichten, dass sich die meisten Leute dort gar nicht kennen. Gmehling: „Da wird auf Teufel komm raus gefeiert und damit die bisher gute Situation, die wir im Landkreis hatten, aufs Spiel gesetzt.“ Er habe sich bei einem Telefonat mit dem Landrat darauf verständigt, dass es vermehrt Kontrollen geben soll. Der kommunale Ordnungsdienst könne hierbei unterstützen, auch wenn für Verstöße gegen die Infektionsschutzverordnung eigentlich das Landratsamt zuständig sei.

Landrat von der Grün: Party in der Fly Bar wird ein Nachspiel haben

Landrat Peter von der Grün hat unter den aktuellen Umständen ebenfalls wenig Verständnis für die Feiernden. Wie Gmehling will er verstärkt kontrollieren und dabei noch enger mit Stadt und Polizei zusammenarbeiten. „Uns ist von zwei Fällen bekannt, in denen Partys stattgefunden haben, bei denen es mutmaßlich Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz gab. Eine Veranstaltung war bereits im September.“ Und auch die Veranstaltung am 3. Oktober werde ein Nachspiel haben. „Wir lassen in diesem Zusammenhang nichts unter den Tisch fallen“, verspricht von der Grün. Das Landratsamt müsse dem Beschuldigten allerdings erst einmal nachweisen, dass Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz vorliegen. Dies werde derzeit geprüft.

Sollte sich herausstellen, dass es wirklich Partys gab, bei denen wahllos Menschen eingeladen wurden, dann verstoße dies gegen die Definition einer privaten Feier, so der Landrat. „Es klingt mittlerweile gebetsmühlenartig, aber man sieht an dem aktuellen Beispiel, wie schnell aus einer Party mehrere Infizierte werden. Eine Veranstaltung unter dem Namen ‘Privatparty’ mit Einladungen, die frei zugänglich im Internet gestreut werden, geht nicht zusammen.“

Auch die Polizei Neuburg hat die Fly Bar im Visier

Die Polizei hat die Fly Bar bereits im Visier, bestätigt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Neuburg, Hubert Scharpf. Dort seien bereits Kontrollen durchgeführt worden, bei denen die Beamten Verstöße gegen die Maskenpflicht und die Abstandsregeln festgestellt hätten. Da es sich um laufende Ermittlungen handelt, könne er aber nichts Genaueres dazu sagen.

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