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Religion in Neuburg

13.04.2020

Neuburger Stadtpfarrer: „Ostern 2020 macht eigentlich sprachlos“

In der noch dunklen Bittenbrunner Kirche feiert Kaplan Jerome Muyanga mit ganz wenigen Besuchern die Osternacht.
Foto: Winfried Rein

Plus Trotzdem hat es rund um Neuburg schöne Gottesdienste mit wenigen Besuchern gegeben. Nach der Coronakrise aber „müssen wir unser Leben nachhaltig ändern“, wünscht sich Stadtpfarrer Kohler.

Beichten per Telefon, keine Freudenfeuer und leere Kirchen – Ostern 2020 war anders. Stillstand und Kontaktverbot trafen ausgerechnet das höchste Christenfest mit der Auferstehung des Herrn und der Überwindung des Todes. Die Neuburger machten trotzdem das Beste aus der Krisenlage, gingen spazieren und feierten familiär zuhause.

Neuburg in der Corona-Krise: Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung

„Ostern 2020 macht eigentlich sprachlos“, meint Stadtpfarrer Herbert Kohler, „aber dennoch gibt es viel zu sagen.“ Wenn aus der Krise neben deren Eindämmung etwas Positives hervorgehen sollte, dann ein Nachdenken und Innehalten in einer hektischen Zeit. „Ich hoffe, dass wir dann unser Leben nachhaltig positiv ändern“, so formuliert der Geistliche seine erweiterte Osterbotschaft.

Im aufblühenden Frühling drängten Jung und Alt nach draußen: ein Ausflug zum Schloss Grünau, mit dem Rad nach Bergen, Spaziergang im Englischen Garten oder zur Kirschblüte nach Gietlhausen. Die Frequenz entsprach aber bei weitem nicht einem „normalen“ Frühlingswochenende. Verstöße gegen die Ausgangssperre entdeckten die Neuburger Polizeistreifen etliche. „Die allermeisten verhielten sich aber korrekt“, so bilanziert ein Polizeisprecher.

Stadtpfarrer Herbert Kohler segnet die Osterkerze für die Kirche St. Martin.
Foto: Winfried Rein

Einkehr ins Café oder in den Biergarten ist nicht möglich. Die Restaurants verkauften Mittagessen zum Abholen, die neue Wirtin im Sportheim Joshofen etwa hatte in der Küche gut zu tun. Und natürlich wird auch zuhause gekocht, vielfach mit dem ersten Spargel der Saison. „Wir haben auf den Wochenmärkten extrem verkauft, das war noch nie da“, berichtet Spargelanbauer Andreas Sigllechner aus Hohenwart. Auf seinen Feldern agiert er mit weißer und schwarzer Folie, einen Teil der Ernte schreibt er ab. Ein weiteres Kontingent an Helfern war kurz vor Ostern aus Rumänien eingeflogen worden.

Für die Gläubigen ist Ostern ohne Kirchgang und Speisenweihe unvollständig. Pfarrer Herbert Kohler bot sozusagen die spirituelle Teilnahme an der Osternachtsfeier an. „Wir beten für Sie mit und nehmen Sie so in die Kirche mit hinein“, versprach er über Video. Die Gottesdienste blieben analog und greifbar, allerdings jeweils nur mit einer Handvoll ausgewählter Besucher. Letztlich gab es bis auf Ried in jeder Pfarrei der Neuburger Gemeinschaft eine Osterfeier.

Ostern um Neuburg: In Bittenbrunn leuchtete die Osterkerze

In Bittenbrunn leuchtete die Osterkerze indes auch ohne großes Feuer. Kaplan Jerome Muyanga trug sie durch die Kirche Mariä Himmelfahrt und entzündete die Kerzen von vier Pfarrgemeinderätinnen. Weit verteilt hatten sie Platz genommen, hörten das Exsultet (Osterlob) und sangen kräftig „Lobet den Herren“ mit Kirchenmusiker Max Höringer. Er beschränkte sich auf eine kleine Heimorgel. Bevor Kaplan Jerome über die Osterbotschaft erzählte, brachte Pfarrgemeinderatschef Bernhard Reichard zum Gloria die Glocken in Bewegung: „Ich lasse jetzt g’scheit läuten, damit alle mitbekommen, dass Ostern ist.“ Es war eine besondere und anrührende Osternachtsfeier.

In Wagenhofen läuteten die Glocken am Ostersonntag

Laetitia verkauft mit Atemschutz Schokoladeneier in der Weinstraße.
Foto: Winfried Rein

„Volle Kanne läuten“, ordnete Pfarrer Herbert Kohler an Ostersonntag auch in Wagenhofen an. Mit Freude zelebrierte er in der bestechend österlich geschmückten Kirche einen Festgottesdienst mit fünf Teilnehmern. Der Pfarrer weihte die Osterkerze für die Martinskirche und für den Kahlhof. Die Hostien zur Kommunion lagen auf vergoldeten Tabletts vor den ausgewählten Besuchern.

„Jesus lebt, mit ihm auch ich“, stimmte die Organistin zum Abschluss an und die kleine Gemeinschaft sang kräftig mit. Kirchenpfleger Alfons Felbermeir bedankte sich herzlich beim Stadtpfarrer, dass Wagenhofen auch in dieser schwierigen Zeit Ostern kirchlich feiern durfte.

„Vielleicht erwachen jetzt manche und vielleicht vermissen sie doch etwas“, überlegt Herbert Kohler. Die Kirche sei nicht da, um an Weihnachten und Ostern die Konsummentalität zu bedienen. Ein kleines Virus habe die überdrehte Erde fast zum Stillstand gebracht. Wenn die Krise überwunden sei, so sagte der Prediger, „dann haben wir Grund, unser Verhalten zu ändern und zu verbessern, damit der Tod vieler Unschuldiger nicht vergebens gewesen ist.“

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