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Interview

12.09.2018

Roland Weigert: Der Landrat will in den Landtag

Roland Weigert ist vor allem auch ein naturverbundener Mensch. Wenn er auf die Jagd, sein großes Hobby, geht, dann darf sein Hund Bruni nicht fehlen.
Bild: privat–honorarfrei

Roland Weigert sagt, dass er die besten Voraussetzungen mitbringt, die Lücke Seehofer schließen zu können.

Es kommt eher selten vor, dass ein Landrat freiwillig, ohne Not sein Amt aufgibt, um in den Landtag zu wechseln, wo er womöglich nur ein „Hinterbänkler“ sein wird. Warum also der Wechselwunsch?

Roland Weigert: Ausgangspunkt der Überlegung war die völlig überraschende Ablöse von Ministerpräsident Horst Seehofer durch Markus Söder. Damit haben wir auch unseren bewährten Stimmkreisabgeordneten verloren. Jetzt gibt es in der Staatsregierung keinen Vertreter mehr aus dem nördlichen Oberbayern. Damit ist ein wichtiger Baustein weggebrochen, der Neuburg und dem Landkreis viel geholfen hat. Ich denke nur an den Campus, oder die Geriatrie.

Und Sie wollen Horst Seehofer ersetzen?

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Weigert: Horst Seehofer ist in seiner Wirkung für unseren Landkreis nicht zu ersetzen. Aber es braucht in München einen wirkungsähnlichen Ersatz, jemanden, der den Landkreis aus eigenem Erleben kennt, der um die Herausforderungen und Probleme weiß und weiß, wie man diese in München an den Mann bringt, um sie zu lösen. Da gibt es im Landkreis nur eine handvoll Leute, die das können und nach zehnjähriger Amtszeit als Landrat bringe ich die besten Voraussetzungen dafür mit.

Es gibt böse Zungen die unterstellen Ihnen, dass Sie das Amt nur deshalb abgeben wollen, weil der Berg an Schulden des Landkreises enorm ansteigen wird – nicht zuletzt wegen des Realschulneubaus. Was antworten Sie denen?

Weigert: Die sind in Unkenntnis darüber, dass die Kreisräte das vorgestellte Investitionsprogramm abgesegnet haben. Dass die Finanzsituation der Kommunen und Landkreise angespannt ist, das ist ja nichts Neues. Ministerpräsident Söder verspricht gerade hier mal 20 und dort noch schnell zehn Millionen. Er sollte bei seinem Wahlkampf mit dem Scheckheft lieber für eine besserte Finanzierung der Kommunen sorgen. Denn die sind in ihren notwendigen Investitionen gehemmt.

Sollten Sie das Mandat erhalten: Wie glauben Sie, in München etwas für unseren Landkreis bewirken zu können?

Weigert: Es wäre natürlich einfacher, aus der Mitregierung, also aus einer Koalition heraus, aktiv handeln zu können. Aber auch in der Opposition lässt sich etwas bewirken. Die Freien Wähler haben das ja zum Beispiel mit der Rückkehr zum G9, den Studiengebühren oder der Änderung der Straßenausbausatzung gezeigt, dass es auch in ihrer Rolle Gestaltungsspielraum gibt.

Was wären denn die wichtigsten lokalen Themen, für die Sie sich einsetzen würden?

Weigert: Das wären die Themen, für die ich mich schon jetzt als Landrat stark mache und die ich aus eigenem Erleben kenne. Dazu gehört das Gesundheitswesen mit der Entwicklung des Kreiskrankenhauses zu einem modernen Gesundheitszentrum, das auch das immer wichtigere Feld der Pflege einbezieht. Die ärztliche Versorgung und die Bildungsstrukturen im ländlichen Raum. Die Verbesserung der Infrastruktur digital und verkehrlich, etwa mit der Umgehung Karlskron oder der Brücke in Bertoldsheim. Aber auch die Fortführung der Donaumoossanierung, der Kampf gegen den Flutpolder Bertoldsheim/Burgheim und eine bessere Finanzierung der Kommunen.

Wie stehen Sie, aus bayerischer Sicht gesehen, zu folgenden Problemen? Bitte in aller Kürze antworten: Mietpreisentwicklung

Weigert: Das ist problematisch, weil bezahlbarer Wohnraum eine wichtige Voraussetzung für die organische Entwicklung eines Raumes darstellt – sowohl wirtschaftlich wie sozial.

... Pflegekräftemangel

Weigert: Sicherlich spielt hier auch die Bezahlung mit hinein. Aber ich glaube, dass der Beruf vor allem deshalb so unattraktiv ist, weil vor lauter administrativer Aufgaben keine Zeit mehr für das Wesentliche bleibt: den Menschen. Wer sich nämlich für diesen sozialen Beruf entschieden hat, will sich doch vor allem denjenigen widmen, die er zu pflegen hat.

... Asyl

Weigert: Ich bin für keinen Etikettenschwindel, wie etwa zeitliche Abschiebezentren. Vielmehr sollten die Gesetze auf Grundlage der Rechtsstaatlichkeit und der Humanität geändert werden. Neue Ämter zu schaffen, ist keine Lösung, sondern nur Verballhornung.

... Digitalisierung

Weigert: Der Megatrend der gesellschaftlichen Entwicklung, der uns in den nächsten Jahren in jeder Ecke der Gesellschaft erreichen wird. Die richtigen Antworten auf diesen Trend zu finden, wird entscheidend dafür sein, unseren Wohlstand zu sichern. Für Industrienationen ohne Alternative.

...AfD

Weigert: AfD = kAfD = keine Alternative für Deutschland, denn sie zeigt keine Problemlösungen auf. Als Protestbewegung gibt sie einen klaren Hinweis auf eine hohe Unzufriedenheit mit der Politik. Da bin auch ich als Landrat unmittelbar Betroffener und da gilt es in vielen Bereichen, bessere Ansätze zu finden.

Wie schätzen Sie ihre Chancen am 14. Oktober ein?

Weigert: Da lass’ ich mich überraschen, das entscheiden die Wähler. Wählen heißt auch vertrauen. Und vertrauen tue ich nur dem, von dem ich glaube, dass er meine Probleme kennt und lösen kann.

Wenn Sie scheitern sollten, bleiben Sie Landrat. Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, ob sie dann bei der Kommunalwahl in zwei Jahren noch einmal für das Amt kandidieren würden?

Weigert: Den Gedanken mach’ ich mir dann, wenn es soweit ist. Ich gehe davon aus, dass die Menschen mein Bemühen, den Landkreis auch in München vorwärtsbringen zu wollen, anerkennen und positiv werten werden.

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