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Porträt

12.06.2018

Rupert Stadler: Der Audi-Chef im Strudel der Abgasaffäre

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Audi-Chef.
Bild: Christof Stache, AFP (Archiv)

Rupert Stadler war ein gefeierter Konzernlenker – bis die Dieselaffäre auch den Audi-Chef einholte. Der Weg vom beneideten Audi-Chef zum Verdächtigen.

Erst vor einigen Monaten, mitten in den Wirren des Dieselskandals, ist Rupert Stadler in sein neues Haus im Ingolstädter Westviertel gezogen. Es sieht aus, als wollte sich die fünfköpfige Familie nach Jahren der Wanderschaft ein Zuhause einrichten. Nur drei Kilometer weg vom Büro, aber die Probleme, so scheint es, sollten draußen bleiben vor den dicken Mauern. Bis gestern die Staatsanwälte an der Haustür klingelten.

Jahr für Jahr konnte Rupert Stadler neue Rekordzahlen präsentieren

Ob die Vorwürfe der Ermittler das Ende von Stadlers Karriere bedeuten, werden die kommenden Tage zeigen. Bislang kannte sein beruflicher Weg nur eine Richtung: nach oben. Der 55-Jährige ist auf einem Bauernhof im Altmühltal aufgewachsen, er besuchte die Knabenrealschule Rebdorf, zusammen mit seinem heutigen Vorstandskollegen Wendelin Göbel.

Stadler studierte in Augsburg, 1990 kam er zu Audi. Und arbeitete sich dort in 17 Jahren – mit Zwischenstationen in Barcelona und Wolfsburg – an die Spitze hoch. Um seinen Job als Audi-Chef dürften ihn damals viele andere Konzernlenker beneidet haben. Jahr für Jahr konnte Stadler neue Rekordzahlen präsentieren. Wenn VW auch schwächelte, auf die Konzerntochter in Bayern und ihren Chef war Verlass.

Dabei war Stadlers Berufung anfangs nicht unumstritten. Ein Betriebswirt an der Spitze eines Unternehmens, das mit „Vorsprung durch Technik“ warb – das konnten sich viele nicht vorstellen. Immerhin hatten Ingenieure, allen voran Ferdinand Piëch, aus der Firma mit ihren lange Zeit etwas biederen Autos ein Unternehmen gemacht, das mit Premiummodellen ins Rennen gegen BMW und Mercedes einstieg.

Doch Stadler hatte starken Rückhalt, vor allem von Piëch, dessen Generalsekretär Stadler in Wolfsburg war. Der VW-Patriarch war Stadlers Mentor, hielt immer seine schützende Hand über den Manager, solange er das Sagen bei VW hatte. Und dann ist da auch noch die Audi-Belegschaft: Viele Mitarbeiter sehen Stadler, den Landwirtssohn aus einfachen Verhältnissen, als einen der ihren, als einen, dem man glauben kann. Nicht zuletzt sorgten auch die jährlichen Erfolgsbeteiligungen für gute Stimmung unter den Mitarbeitern. Zu besten Zeiten lag die Prämie bei durchschnittlich über 8000 Euro.

Vor einem Jahr wurde die Konzernzentrale durchsucht

Stadlers Nimbus begann zu schwinden, als Gerüchte auftauchten, auch Audi könnte in den VW-Dieselskandal verwickelt sein. Bislang hatte Stadler jedoch alle Vorwürfe bestritten. Einen seiner schwersten Tage dürfte er am 15. März 2017 gehabt haben. Damals verkündete er bei der Bilanzpressekonferenz mal wieder ganz ordentliche Zahlen, während ein paar Meter weiter Polizei und Staatsanwaltschaft die Konzernzentrale durchsuchten.

Auf die Frage, ob die Ermittler auch bei ihm zu Hause seien, versuchte er es damals noch mit Humor: Als er morgens aus dem Haus sei, sei niemand da gewesen und „meine Frau hat mich auch noch nicht angerufen“. Gestern hat er womöglich einen Anruf bekommen.

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