1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Schloßfest: Aus die Maus für das Roulette?

Neuburg

01.07.2019

Schloßfest: Aus die Maus für das Roulette?

Vor allem bei Kindern ist das Mäuseroulette auf dem Neuburger Schloßfest beliebt.
Bild: Claudia Stegmann

Wieder einmal ruft das Mäuseroulette Tierschützer auf den Plan. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins erstattet sogar Anzeige gegen Betreiber Matthias Enghuber.

Eigentlich zeichnete sich der Ärger schon vor drei Monaten ab. Da hat sich der Chef des Tierschutzvereins Neuburg-Schrobenhausen, Gerhard Schmidt, bei Friedhelm Lahn gemeldet. Thema des Gesprächs: das Mäuseroulette auf dem Neuburger Schloßfest. Immer wieder hatte das Spiel in der Vergangenheit Ärger bereitet. Schließlich sei es, so die Meinung der Tierschützer, Tierquälerei. Damit sollte heuer Schluss sein. Schmidt forderte vom Vorsitzenden des Schloßfestkomitees, das Spiel abzuschaffen.

Nun ist das erste Schloßfest-Wochenende Vergangenheit. Das Mäuseroulette fand trotz der Einwände dennoch statt. „Ich habe immer wieder Anrufe von Besuchern erhalten“, sagt Schmidt, dessen Geduld am Sonntag am Ende war. Er erstattete Anzeige gegen den Betreiber des Mäuseroulettes, den Landtagsabgeordneten Matthias Enghuber. Schmidt machte sich am Wochenende selbst ein Bild vom Mäuseroulette. Sein Urteil fällt vernichtend aus: „Es besteht nur aus Blech, das extrem heiß wird, und aus ein paar Häuschen. Drum herum stehen grölende Menschen, vor denen die Maus panische Angst hat.“ Menschen würden immer wieder nach dem Tier greifen und es damit permanentem Stress aussetzen.

Mäuseroulette auf dem Schloßfest: Anzeige wegen Glücksspiels oder Verstoß gegen das Tierschutzgesetz?

Schmidt beruft sich auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs von 2008. Dort wurde einem Festbetreiber das Mäuseroulette untersagt. „Mir geht’s ums Tierschutzgesetz, da steht drin, dass man keinem Wirbeltier ohne vernünftigen Grund schaden darf. Beim Mäuseroulette handelt es sich also um einen klaren Verstoß.“ Am Montag fand indes ein Gespräch zwischen Oberbürgermeister Bernhard Gmehling und Schmidt statt. Wenn die Stadt signalisiere, dass es heuer zum letzten Mal ein Mäuseroulette gebe, sei Schmidt bereit, die Anzeige zurückzuziehen. Ansonsten werde der Chef des Tierschutzvereins alles dafür tun, dass der Fall vor Gericht landet. „Von einer Person, die im Landtag sitzt und dort über Tierschutz mitbestimmt, erwarte ich mehr Empathie“, sagt Schmidt über Enghuber.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Unklarheit herrschte am Montag über die Art der Anzeige. Während Schmidt seiner eigenen Aussage nach einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz angeprangert habe, bestätigte Enghuber gegenüber unserer Redaktion, dass er wegen illegalen Glücksspiels angezeigt worden sei. Ein unhaltbarer Vorwurf, wie der CSU-Politiker betont: „Dazu gibt es ein EuGH-Urteil. Das Mäuseroulette liegt unterhalb jeglicher Bagatell-Grenzen.“ Trotzdem pausierte das Traditionsspiel zur Sicherheit am Sonntagnachmittag. Das lag, wie Enghuber erklärt, zum einen an der großen Hitze. „Wenn außerdem ein Vorwurf wegen Glücksspiels im Raum steht und man den am Sonntagnachmittag nicht juristisch widerlegen kann, bin ich lieber vorsichtig.“ Deshalb gab es am Abend auch kein Geld, sondern Haribo-Mäuse zu gewinnen. Mittlerweile sei jedoch alles geklärt – das Mäuseroulette könne also auch am kommenden Wochenende wie geplant stattfinden, sagt Enghuber.

Zum Thema Tierschutz äußerte er sich ebenfalls. Da gibt es beim Mäuseroulette einiges zu beachten, weiß Enghuber: Es müssen Tiere sein, die an Menschen gewöhnt sind. Keine Maus darf mehr als fünf Einsätze nacheinander haben. Sie müssen in den Ruhephasen artgerecht und außerhalb des Publikums gehalten werden. Und die Witterungsbedingungen – nicht zu kalt, nicht zu heiß – müssen für die Tiere stimmen. An all das würde er sich halten, versichert Enghuber. „Wir malträtieren die Tiere nicht. Jeder hat ein Interesse daran, dass es ihnen gut geht. Die Unterstellung ist nichts als üble Nachrede.“ Der Erlös des Spiels gehe zudem an ein soziales Projekt, in diesem Jahr an die Klinikclowns. Die Mäuse werden nach dem Schloßfest in vertrauensvolle Hände übergeben, erklärt er.

Schloßfest: Das Mäuseroulette ist Tradition

An Schmidt adressiert sagt Enghuber: „Ich würde ihn gerne überzeugen, dass bei uns alles korrekt abläuft. Das bestätigen alle Stellen immer wieder. Schade, dass solche Angriffe immer aus dem Hinterhalt kommen und nicht im persönlichen Gespräch.“ Zwar schätze er die Arbeit des Tierschutzvereins, Schmidt habe sich hier aber in eine Sache verbissen, die so nicht stimme. Außerdem gehöre das Mäuseroulette zum Schloßfest dazu, es sei Tradition.

Genau mit dieser würde Schmidt gerne brechen. „Es käme nicht eine Person weniger aufs Schloßfest, wenn es das Spiel nicht mehr geben würde. Es passt nicht mehr in die Zeit und dient einzig der Unterhaltung.“ Immer wieder müsse er sich anhören, dass es ja nur um eine Maus geht. „Das verstehe ich nicht: Wenn große Tiere im Spiel sind wie im Zirkus, dann ist jedem klar, dass es Regeln gibt.“

Lesen Sie dazu den Kommentar "Schloßfest: Geht es nicht auch ohne Tiere?" von Fabian Kluge.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren