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Kriminalität

31.01.2019

So betrügen falsche Polizisten Senioren

Senioren sind nach wie vor ein beliebtes Ziel für Betrüger. Getarnt als falsche Polizisten oder entfernte Verwandte versuchen die Täter, ihre Opfer um viel Geld zu prellen.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

Immer wieder versuchen Betrüger, ältere Menschen mit perfiden Tricks abzuziehen. In der Region handeln die Opfer oft richtig – jedoch nicht immer.

Als der „Polizeibeamte Martin Bach“ bei Erika Koch* anruft, klingt die Lage dramatisch: In der Nähe der Wohnung der 66-jährigen Ingolstädterin seien Einbrecher festgenommen worden. Bei ihnen: eine Liste mit verschiedenen Namen – darunter auch der von Koch. In mehreren Telefongesprächen verängstigt Bach die Seniorin, überzeugt sie schließlich, Geld abzuheben, um bei den Ermittlungen zu helfen. Tatsächlich übergibt die 66-Jährige in ihrem Wohnhaus einen fünfstelligen Betrag. Erst Stunden später fällt ihr auf, dass sie auf einen falschen Polizisten hereingefallen ist.

Die Masche ist nicht neu – doch gerade in den vergangenen Wochen haben Betrüger in der Region immer wieder versucht, getarnt als falsche Polizisten an das Geld ihrer Opfer zu kommen. Das teilt das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit. Die Täter gehen dabei auf drei verschiedene Arten vor. Entweder sie melden sich telefonisch bei ihren Opfern. Dann erscheint häufig die 110 im Display. Grund dafür ist eine Computersoftware. Die echte Polizei würde nicht unter dieser Notfallnummer anrufen. Dazu behaupten die Betrüger beispielsweise, dass Geld- und Wertgegenstände bei ihren Opfern zuhause oder auf der Bank nicht mehr sicher seien.

Betrüger zeigen gefälschte Ausweise

Oft überraschen die falschen Polizisten die Senioren aber auch persönlich an der Haustür. Dabei schrecken sie nicht davor zurück, gefälschte Dienstausweise vorzuzeigen, um sich Zutritt in die vier Wände ihrer Opfer zu verschaffen, um Schmuck und Bargeld zu stehlen. Ebenfalls beliebt: Die Betrüger melden sich per Post oder E-Mail. Sie verschicken beispielsweise Haftbefehle mit der Aufforderung, die im Schreiben genannte Geldstrafe zu bezahlen, ansonsten drohe Gefängnis.

Doch mittlerweile scheinen die vielen Aufklärungskampagnen der Polizei Wirkung zu zeigen. Das Polizeipräsidium Schwaben Nord informiert etwa zusammen mit dem BRK alle, die mit Senioren im Alltag zu tun haben – seien es Fahrer für Essen auf Rädern oder Menschen, die Senioren bei der Gymnastik betreuen. Auch sie sollen genau wissen, wie die Betrüger vorgehen, um die Senioren zusätzlich schützen zu können.

Bankmitarbeiter verhindern weiteren Betrug

Eine eigene Aufklärungskampagne hat das Polizeipräsidium Oberbayern aktuell zwar nicht. Jedoch informieren die Beamten regelmäßig bei Präventionsveranstaltungen, geben Verhaltenstipps oder betreuen Menschen, die Opfer einer solchen Betrugsmasche geworden sind. Auch Banken werden von den Polizeibeamten sensibilisiert, heißt es in einer Antwort des Präsidiums.

Wie wichtig das ist, zeigt ein aktueller Fall aus Schrobenhausen. Betrüger nahmen telefonisch Kontakt zu einer Seniorin auf. Sie gaben sich als Polizeibeamte aus und erzählten der Frau, sie sei im Visier von Einbrechern und man müsse ihr Geld in Sicherheit bringen. Den Tätern gelang es, ihr Opfer zur Übergabe von einigen tausend Euro Bargeld zu überreden. Doch damit nicht genug: Nur einen Tag später riefen die Täter erneut an und wollten, dass die Seniorin Geld von ihrem Bankkonto abhebt. Aufmerksamen Bankmitarbeitern fiel dies allerdings auf und sie verhinderten den erneuten Betrug.

Neuburg: Seniorin fragt kritisch nach

In Neuburg blieben die Tricks weitestgehend im Versuchsstadium, erklärt Andreas Huber von der Polizeiinspektion Neuburg. „Wir hatten im vergangenen Jahr einen Fall, da hat eine Seniorin den Betrüger sogar für ihren Sohn gehalten. Als es ihr komisch vorkam, fragte sie ihn nach dem Namen seiner Schwester.“ Der Anrufer konnte die Frage nicht beantworten und flog auf.

Auch diese Masche – der klassische Enkeltrick – ist nach wie vor sehr beliebt. Die Betrüger geben sich als Verwandtschaft aus, melden sich meist mit „Na, kennst du mich noch?“ Tatsächlich lassen sich dadurch viele Senioren in die Irre führen. „Die meisten Betrüger in der Region geben an, sich Geld leihen zu wollen, um sich ein Objekt in Ingolstadt zu kaufen“, sagt Huber. Bisher hätten die Angerufenen jedoch meistens gut reagiert, erklärt der Polizist.

Für Huber sind auch solche Fälle nichts Neues: „Die Anrufer suchen sich dabei oft eine Ortschaft aus. In Karlshuld hatten wir einmal den Fall, dass dann gleich 15 oder 20 Leute angerufen wurden.“ Obwohl sich die Betrüger dort sogar als örtliche Polizei gemeldet hatten, bleiben auch diese Versuche erfolglos.

Diese Tipps gibt die Polizei

  • Die echte Polizei ruft Sie niemals unter der Notrufnummer 110 an.
  • Beenden sie das Gespräch schnellstmöglich, ohne persönliche Daten oder Informationen über vorhandene Wertgegenstände oder Bargeld preis zugeben.
  • Gehen Sie nicht auf Forderungen zur Überweisung oder Übergabe von Geldbeträgen ein.
  • Die Polizei fordert niemals Bargeld, Überweisungen oder Wertgegenstände, um Ermittlungen anzustellen.
  • Rufen Sie im Zweifelsfall die Polizei, in eiligen Fällen auch unter der 110.
  • Benutzen sie dabei aber nicht die Rückruftaste, sonst landen Sie möglicherweise wieder bei den falschen Beamten.
  • Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung.
  • Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit: Fordern Sie von angeblichen Amtspersonen den Dienstausweis.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen. Sprechen Sie auch mit ihren Angehörigen über das Phänomen und warnen Sie sie vor dem Vorgehen der Täter.
  • Prüfen Sie, ob ein Eintrag Ihrer Telefonnummer in öffentlichen Verzeichnissen notwendig ist.

*Name geändert

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