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Neuburg

21.12.2020

So erlebte ein Neuburger Junglehrer den Berufsstart in Corona-Zeiten

Martin Ott ist seit diesem Jahr Lehrer am Descartes-Gymnasium.
Bild: Descartes

Plus Martin Ott fing heuer als Lehrer am Neuburger Descartes-Gymnasium an. Er spricht über seinen schwierigen Berufsstart in Corona-Zeiten – und sagt, wie er sich Schüler trotz Maske einprägte.

Das Corona-Jahr 2020 wird in die Geschichte eingehen, und jede Berufsgruppe dürfte es anders erlebt haben. Wir stellen in einer Serie einige Perspektiven aus dem Raum Neuburg vor – und was sich die Betroffenen für das neue Jahr wünschen.

Neuburger Descartes-Gymnasium: Ein neuer Lehrer in Corona-Zeiten

Das Neuburger Descartes-Gymnasium konnte im vergangenen Herbst eine neue Lehrkraft begrüßen. Martin Ott begann zum aktuellen Schuljahr als Lehrer für Latein und Sport. Sein Start in den Berufsalltag war herausfordernd, was nicht nur an Stundenplänen, Unterrichtsstoff und Schülern lag, sondern – natürlich – auch an den besonderen Corona-Bedingungen. „Das war viel am Anfang“, sagt Ott, der ursprünglich aus Memmingen stammt und nun nach Neuburg gezogen ist. „Manchmal bin ich sehr erschöpft nach Hause gekommen.“

Das ging bei den Namen los. Gut zwei Dutzend neue Gesichter musste sich Ott pro Klasse einprägen. Das Problem: Die vorgeschriebenen Masken verdecken Mund und Nase der Schüler. „Am Anfang sahen alle gleich aus“, sagt Ott. Es sei ihm zu Beginn schwergefallen, einen Bezug zu den Schülern aufzubauen und sich die Namen zu merken. Er orientierte sich zum Beispiel an Frisur, Haarfarbe oder interessanten Beiträgen, die ihm im Gedächtnis blieben. In diesen Punkten unauffällige Schüler seien eine Zeit lang auch mal unter dem Radar gelaufen, bedauert Ott.

Neuburger Lehrer: „Die Kommunikation leidet unter den Masken“

Und ein weiteres Problem bringen die Mund-Nasen-Bedeckungen mit sich: „Die Kommunikation leidet unter den Masken“, sagt der 28-Jährige. Es gehe nicht nur darum, sich akustisch zu verstehen, sondern auch, sich über die Mimik auszudrücken. Anfangs, als Ott normale Alltagsmasken trug, habe er das Gefühl gehabt, dass die Schüler ihn mitunter nicht richtig verstehen. Dann ist er auf einen durchsichtigen Gesichtsschutz umgestiegen. „Ich denke, dass ich die Klasse jetzt besser erreiche“, sagt Ott.

Ungewohnt war es für ihn, als die Schüler infolge einer neuen Regelung ihre Masken im Freien und mit Abstand zwischenzeitlich abnehmen durften. „Manche habe ich gar nicht mehr wiedererkannt“, sagt er und lacht.

Maskenpflicht auch im Sportunterricht

Distanzunterricht- beziehungsweise -lernen hat Ott bereits im Frühjahr, als Referendar in Regensburg, kennengelernt. Am Descartes-Gymnasium kam er im Dezember damit in Berührung, als infolge des zweiten Lockdowns alle zuhause bleiben mussten. „Das geht schon, aber es bereitet sehr viel Mühe“, berichtet der Lehrer. Der Distanzunterricht sei nicht mit jeder Gruppe gleich gut umsetzbar. „Wenn es in einer Klasse schon vorher Probleme gab, verstärkt sich das“, sagt er. Die Kontrolle im Digitalen sei eingeschränkter, und die Verantwortung des einzelnen Schülers größer.

Zwei Dutzend neue Gesichter, die von Masken bedeckt sind: Für Lehrer ist dies eine Herausforderung.
Bild: dpa (Symbol)

Auch im Sportunterricht gilt Maskenpflicht. Anstrengende Aktivitäten, bei denen die Schüler allzu sehr nach Luft schnappen müssen, sind also weggebrochen. Man kann nur noch im niedrigen und mittleren Intensitätsbereich arbeiten. Es bleiben zum Beispiel Technikschulungen oder Individualsportarten wie Badminton. „Die Attraktivität des Sportunterrichts leidet ganz klar“, sagt Ott. Trotzdem seien die Schüler froh, wenn sie sich ein bisschen bewegen können. Zwischenzeitlich war die Turnhalle gesperrt, da dort die Schüler der Oberstufe unterrichtet wurden. So gab es anstatt Sportunterricht einen strammen Spaziergang an der Donau. „Die Schüler haben am Anfang geschimpft“, sagt Ott. „Aber es wurde dann doch ein nettes Erlebnis.“

Bereut der Junglehrer seine Berufswahl?

Trotzdem wünscht sich der Lehrer für kommendes Jahr, dass er im Sportunterricht „wieder richtig Gas geben kann“: „Die Schüler sollen ausgepowert aus der Stunde gehen, um konzentriert weiterarbeiten zu können.“ Schließlich sei dies für manche Kinder die einzige Bewegung in der Woche. Im Klassenzimmer will Ott außerdem wieder „normale“ Projekte umsetzen, wie zum Beispiel Gruppenarbeiten.

Bereut der Junglehrer angesichts des schwierigen Starts seine Berufswahl? „Wenn ich wüsste, dass es 30 Jahre so weitergehen würde, schon“, sagt Ott. Momentan sei es nicht einfach, man habe keine Planungssicherheit. „Aber der Beruf macht mir Spaß. Und ich weiß, dass andere Zeiten kommen.“

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