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Themenwoche Donau (3)

19.08.2020

So leben die Menschen in Neuburg und Umgebung mit der Hochwasser-Gefahr

Weichen oder bleiben? Diese Frage stellt sich den Bewohnern von Straß-Moos. Hier macht Gerhard Günther noch das Beste aus dem Hochwasser im August 2005.

Plus Die Donau stellt die Anlieger immer wieder vor Herausforderungen. Neuburg steckt 22 Millionen Euro in den Flutschutz. Die Bewohner von Straß-Moos stehen vor der Frage: Bleiben oder gehen?

Straß-Moos hat Post bekommen. Das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt will von den verbliebenen Bewohnern des „Hochwasserdorfes“ wissen, ob sie nicht doch absiedeln wollen. Bis zum 30. September sollen die Betroffenen antworten. Die Antwort lautet entweder „ich bin interessiert“ oder „nicht interessiert“. Rücksendekuverts liegen bei.

Ungewöhnlich ist es schon, wenn eine staatliche Behörde Bürger fragt, ob sie ihre Heimatgemeinde verlassen wollen. Aber die Wasserwirtschaftler stecken jetzt den Rahmen für die kommenden Jahre ab. „Wir loten aus, wie es weitergeht“, sagt Bauoberrat Holger Pharion. Es gehe auch um die erforderlichen Haushaltsmillionen.

Pfingsten 1999: Die Donau macht sich Platz. Der Untere Brandl mitsamt dem Freibad und dem VfR-Gelände standen unter Wasser.

22 von knapp 40 Anwesen sind mittlerweile abgerissen, die Bewohner räumten das Feld. Der Staat gab 4,5 Millionen Euro „Ablösung“ dafür aus. Der Absiedlungsvertrag zwischen Bayern, Markt Burgheim und dem Kreis Neuburg-Schrobenhausen läuft angeblich 2029 aus. Bis dahin soll Moos „leer“ sein – oder auch nicht.

„Wo soll ich denn hin mit meinem Hof?“, fragt Martina Haag. Sie hält Vieh und bewirtschaftet Felder, eine Million Euro reicht nicht für einen Neuaufbau an anderer Stelle. Die Landwirtin geht davon aus, dass Mooser, die ihr Einfamilienhäuschen aufgegeben haben, am neuen Wohnort ihre Mühe hatten. Das Weggehen ist freiwillig, betonen die Behörden. Aber gerade jetzt das neue Schreiben „ist ein bisschen, wie wenn man ein Messer auf die Brust gesetzt bekommt“, findet Leonhard Marschall. In wenigen Wochen soll er festlegen, ob er sein Haus in seinem Geburtsort aufgibt.

Die große Flut 1999 in Pfingsten war ein Schock

Verursacht hat das Dilemma das Hochwasser von Donau und Lech. Der Lech kommt „von oben herunter“, die Kleine Paar staut sich am Felsenspitz und die Donau nähert sich über die Schütt. Die große Flut an Pfingsten 1999 war ein Schock, den hat man abgeschüttelt. Aber 2005 folgte schon wieder ein „Jahrhunderthochwasser“, jetzt wollten die ersten Anlieger weg. Der Absiedlungsvertrag von 2009 regelte die Entschädigung für die Aufgabe der Heimat.

Moos war Anfang der 60er Jahre bei der Planung der Donaustaustufen Hochwasserfreilegung angekündigt worden – aber der Schutz galt nur für andere. Nördlich der Donau gibt es einen Damm, doch er schützt auch Hatzenhofen und Stepperg keineswegs vor starken Fluten und dem Rückstau der Ussel. Vergeblich mühte sich der Markt Rennertshofen um eine technische Lösung. Mit dem Polder Riedensheim hilft die Gemeinde jetzt den Unterliegern.

Die Stadt Neuburg investierte nach 1999 mit Staatshilfe stark in den Hochwasserschutz, hier mit dem ersten Mobilschutz auf der Insel.

Von dem Rückhaltebecken mit acht Millionen Kubikmeter Volumen profitiert die Stadt Neuburg. Seit 1999 hat sie im Hochwasserschutz aufgerüstet. Der Freistaat Bayern investiert ebenso enorm in den Hochwasserschutz, seine Fachbehörden zogen Konsequenzen. Der Forggensee (Lech) etwa bleibt bis zur Schneeschmelze strikt halb leer, während der Flut 2005 hielt er 45 Millionen Kubikmeter Wasser zurück. Retention erhält Vorrang.

Neuburg hat mithilfe des Freistaates in zwei Jahrzehnten 22 Millionen Euro in den Flutschutz investiert. Eine findige Firma bot die mobilen Aluschutzwände an, Staatsbehörde und Kraftwerksbetreiber verstärkten die Dämme. Nur Brandlbad und VfR-Stadion bleiben Überschwemmungsgebiet, da ist das Wasserwirtschaftsamt hart. „Nach menschlichem Ermessen ist die Stadt gegen große Hochwasser gesichert“, erklärt Oberbürgermeister Bernhard Gmehling.

Aber das haben seine Vorgänger vielleicht ähnlich gesehen, als die Donau 1911, 1924, 1948, 1965 und 1999 Riesenfluten heranbrachte. Im Juni 1965 war die Stadtverwaltung noch einen Tag vor dem Hochwasser zum Betriebsausflug weggefahren. Am Samstag, 12. Juni, war dann Land unter im Jahnviertel, Ried, Hessellohe und Laisacker. Einen See an der Monheimer Straße gab es seit 1970 nicht mehr, als die Rhein-Main-Donau AG mit ihrem Kies den Damm bauen ließ. Und gleich dahinter entstanden neue Häuser, zuletzt am Brandl, attraktives Wohnen am Fluss – und ganz nah am Hochwasser.

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