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Neuburg-Schrobenhausen

07.05.2020

So reagieren Wirte der Region auf die Corona-Lockerungen

Um die Corona-Pandemie einzudämmen, mussten Restaurants lange Zeit geschlossen bleiben.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolfoto)

Plus Nach teils monatelangen Schließungen dürfen Gastronomiebetriebe aus Neuburg und Umgebung Mitte Mai wieder öffnen. Gute Nachrichten in Krisen-Zeiten also – trotzdem bleibt die Branche skeptisch.

Besonders in einem Gewerbe sorgte die Krise der letzten Wochen für Kopfzerbrechen. Die Gastronomie in Deutschland und der Region leidet erheblich unter der Pandemie: keine Gäste, kaum Umsatz. Nun, nach Monaten, hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder eine Entspannung der Corona-Maßnahmen verkündet. Viele Wirte in und um Neuburg stimmt das fröhlich, andere wiederum sind nur vorsichtig optimistisch.

Karl Deiml vom Gasthaus Neuwirt in Neuburg: Lockerungen waren "hochdringend"

Als „hochdringend“ bezeichnet etwa Karl Deiml die Lockerungen. Zusammen mit seiner Frau betreibt er den Hotel-Gasthof Neuwirt in der Neuburger Innenstadt. „Es ist ein wichtiger Schritt für uns, weil wir momentan fast keine Einkünfte haben.“ Doch wüssten die Gastronomen noch immer nicht genau, wie die Öffnung praktisch umgesetzt werden, unter welchen Auflagen sie geschehen soll. „Ich warte darauf, dass man uns konkrete Handlungsmöglichkeiten gibt.“ Abstand zwischen den Tischen, Personenanzahl im Lokal, Masken und Spuckschutz: Bisher, sagt Karl Deiml, seien sämtliche Überlegungen dazu „ungelegte Eier“, man müsse warten.

Es war Dienstagmittag, als Markus Söder die Entschärfungen bei einer Pressekonferenz offiziell mitgeteilt hat. Die Entscheidung sei in diesem Bereich besonders schwierig, erklärte er. Denn Hygienemaßnahmen seien in der Gastronomie am schwierigsten zu treffen. Am 25. Mai „halten wir es für vertretbar, Speiselokale zu öffnen“. Sie dürfen ihre Türen bis 22 Uhr offen halten. Schon eine Woche zuvor, am 18. Mai, darf die Außengastronomie den Betrieb aufnehmen – allerdings nur bis 20 Uhr.

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Karl Deiml findet es zwar gut, dass es wieder Bewegung in der Branche gibt. Bei aller Erleichterung bleibt er aber skeptisch: „Wenn es in diesen Wochen regnet, bringt uns der Biergarten nichts, weil keine Leute kommen.“ Ein Risiko, das viele seiner Kollegen tragen. Außerdem, betont er, müsse die Öffnung so gestaltet sein, dass Betriebe „überlebensfähige Umsätze“ erzielen. Es gelte also, die Balance zwischen Hygienevorschriften einerseits und der Wirtschaftlichkeit andererseits zu finden. „Wir werden deshalb noch einige Zeit auf unseren Abholservice setzen.“

Der Gewölbekeller Brucklachner in Burgheim bleibt weiterhin geschlossen

Daran hält auch Stefan Lenz fest, der den Gewölbekeller Brucklachner in Burgheim führt. „Wir waren in der Gegend die Allerersten, die sich dazu entschlossen haben, den Service to go zu machen.“ Die Lockerungen, die in der Pressekonferenz genehmigt wurden, helfen speziell seinem Betrieb nicht. „Wir öffnen normalerweise um 17 Uhr, die meisten unserer Gäste kommen erst gegen 18 Uhr.“ Da bringe es herzlich wenig, den Biergarten zu öffnen, um ihn um 20 Uhr wieder zu schließen. Deshalb bleibt der Gewölbekeller Brucklachner auch in den kommenden Wochen für seine Gäste geschlossen. „Zwei Stunden Betrieb lohnen sich für uns einfach nicht“, bekräftigt Stefan Lenz. Zumal er denke, dass sich die aktuellen Auflagen bis zu den Pfingstferien weiter entspannen könnten, sollten die Infektionszahlen tatsächlich sinken. „Vielleicht können wir das Geschäft dann ganz normal wieder aufnehmen.“

Auch Familie Hammer vom Landgasthof Vogelsang in Weichering kämpft mit den Folgen der Corona-Krise. Trotz strenger Auflagen will sie ihr Lokal öffnen. Die Regierung verlangt unter anderem eine begrenzte Anzahl von Gästen; Küchenpersonal und Kellner müssten Masken tragen; Tische, Salzstreuer und Speisekarten sollten regelmäßig desinfiziert werden. „Dafür brauchen wir erhöhtes Personal“, erklärt Christine Hammer nüchtern. Und dieses Personal muss bezahlt werden – bei verminderten Umsätzen. „Wir werden diese Saison einen Einbruch von 70 Prozent haben. Wie sollen wir das überleben?“

Noch immer, beklagt die Wirtin, fehlten klare Antworten von der Regierung auf wichtige Fragen. Fragen wie: Können Hochzeiten dieses Jahr stattfinden? Dürfen wir Tagungen veranstalten? Sind Taufen und Familienfeiern erlaubt? Die Anfragen seien da, sagt Christine Hammer. „Ich kann allen aber nur sagen, dass ich es nicht weiß.“ Ungewissheit, die frustrierend ist.

Stephanie Höck vom Gasthof zur Blauen Traube in Neuburg sieht Lockerungen gespalten

Ein lachendes, ein weinendes Auge – so beschreibt Stephanie Höck vom Gasthof zur Blauen Traube in Neuburg die Stimmung in der Gastronomie dieser Tage. „Meine Mitarbeiter und ich freuen uns sehr auf unsere Gäste.“ Gleichwohl aber müsse die ganze Maschinerie hochgefahren werden, obwohl man wisse, dass es finanziell höchstens die Hälfte einbringen werde. „Ich sehe die Öffnung deshalb gespalten.“ Sie sei ein mittelmäßiges Friedensangebot, das nicht völlig durchdacht wurde. „Man wollte den Gastronomen die Hand reichen, ihnen sagen, dass man sie nicht vergessen habe. Vielleicht wäre es aber besser gewesen, bis Ende Mai geschlossen zu bleiben, um dann ganz normal wieder aufzumachen“, sagt die Wirtin.

Stephanie Höck will dennoch optimistisch bleiben. Sie betrachte die vergangene Zeit als Zwangsentschleunigung, die unerwartet gewesen sei, ihrem Team aber gutgetan habe. „Wir sind ein etabliertes Unternehmen in Neuburg.“ Die Gäste würden kommen. Andere hätten es da schwerer. „Mir tut es leid für diejenigen, die frisch aufgemacht haben.“ Sie könnten auf die Krise nicht so positiv blicken.

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