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Neuburg/Ingolstadt

16.01.2020

Söders Pläne: Die Regierung zieht in die Region

Markus Söder will Ingolstadt zum Regierungssitz machen, wenn München ein eigener Regierungsbezirk wird. 500 neue Stellen würde das für Ingolstadt bedeuten. Doch auch die Region könnte von der neuen Behörde profitieren.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archivbild)

Plus Der Regierungsbezirk Oberbayern wird einen seiner Sitze mit 500 Mitarbeitern in Ingolstadt haben. Inwieweit die Region profitieren wird, steht noch nicht fest.

Wirklich vorbereitet schien niemand auf das zu sein, was Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch am Rande der CSU-Klausur in Seeon verkündet hat. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll München zu einem neuen, dem achten Regierungsbezirk Bayerns werden. Die Verwaltung des Regierungsbezirks Oberbayern soll künftig auf zwei Standorte außerhalb Münchens mit jeweils 500 Mitarbeiter aufgeteilt werden – auf Rosenheim im Süden und Ingolstadt im Norden. Weitere 600 Mitarbeiter bleiben zudem in München.

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Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel, der bei der Klausur in Seeon über die Arbeitsmarktstruktur und die wirtschaftlichen Probleme in der Region gesprochen hatte, erfuhr auch erst eine Stunde vor der offiziellen Verkündung von Söders Vorhaben – und fing gleich mit dem Planen an. In einem Telefonat mit Innenminister Joachim Herrmann, der für die Umstrukturierung verantwortlich ist, hat er am Donnerstag bekräftigt, dass er sich nur Ingolstadt als Sitz des künftigen Regierungspräsidiums vorstellen könne. Schon allein deshalb, weil „Ingolstadt die einzige Großstadt“ im Regierungsbezirk sei. Ideen, wo sich die neue Behörde ansiedeln kann, hat der OB bereits. Entweder in einem der drei Hochhäuser, die am Hauptbahnhof, am Nordbahnhof oder an der Saturn-Arena entstehen sollen. Ein grundsätzliches Einverständnis für Gespräche von den Investoren habe er bereits, betonte Lösel. Oder auch auf dem ehemaligen Rieter-Areal. Diese vier großen Areale kämen alle in den Jahren 2023/2024 auf den Markt – also genau in den Jahren, in denen Söder einen Umzug der Regierung plant.

Neuburg sieht seine Chance in Söders Plänen

Für Lösel kommen die Pläne aus München gerade zur rechten Zeit. Allein Audi will in Summe in den kommenden Jahren 7500 Arbeitsplätze abbauen. Die 500 neuen Stellen, die bei der Regierung entstehen sollen, können zwar nur einen Teil abfedern. Aber in seiner Hightechagenda hat Söder bereits angekündigt, den Hochschulstandort Ingolstadt zu stärken, was er in Seeon wiederholt hat. Allein auf dem Campus in Neuburg, der auf dem Areal der ehemaligen Lassigny-Kaserne entstehen soll und ein Ableger der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) ist, werden bis in sechs Jahren rund 1200 junge Menschen studieren. In Ingolstadt soll die Studentenzahl um weitere 2500 wachsen, so dass an der THI im Jahr 2030 10.000 Studenten eingeschrieben sein sollen. Und die Zahl der Mitarbeiter auch entsprechend steigen wird.

Söders Pläne: Die Regierung zieht in die Region

Wie sich aber ein Regierungssitz Ingolstadt auf die gesamte Region auswirken wird, wie die Nachbarlandkreise von der Entscheidung Söders profitieren werden, all das lasse sich noch nicht vorhersehen. „Wir haben gesagt, dass wir uns nach der Wahl zusammensetzen“, so Lösel. Wer eine große Chance in Söders Plänen sieht, ist der Neuburger Stadtrat und Wirtschaftsreferent Hans Mayr (CSU). Seit dem Zweiten Weltkrieg sei die Stadt seitens der Regierung nicht sonderlich gut bedacht worden. „Wir haben zwar einen Flugplatz bekommen, aber auf den hätten wir auch gut verzichten können“, sagte der Bauunternehmer. Sollte der Regierungssitz also tatsächlich nach Ingolstadt umziehen, erhofft er sich auch einige Ämter für Neuburg. Deshalb habe er auch am Mittwoch umgehend dem Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) geraten, einen Brief nach München zu schicken.

In Neuburg gibt es Kapazitäten für Ämter

Das tat der Rathauschef auch, versicherte er auf Nachfrage. „Der Brief ist rausgegangen. Wenn man sich nicht rührt, dann hat man auch keine Chance. Man muss sich ins Spiel bringen.“ Erst kürzlich habe die Stadt ein Anwesen Am Schwalbanger besichtigt. Dort hätte eine Bürofläche mit 900 Quadratmetern Platz. Gmehling könnte sich gut vorstellen, dass 200 bis 300 Beamte nach Neuburg kämen.

Platz genug jedenfalls ist in der Stadt – das sieht auch Stadtrat Mayr so. „Es wäre lachhaft, wenn wir keine freien Räume finden.“ Mayr bringt dabei den bisherigen Standort der Paul-Winter-Realschule nach dem Neubau ins Spiel. Ohnehin gäbe es in Neuburg „Kapazitäten en masse“. Dass Neuburg ebenfalls ein Stück vom Kuchen abbekommt, dabei sollen auch die beiden Landtagsabgeordneten Matthias Enghuber (CSU) und Staatssekretär Roland Weigert (Freie Wähler) helfen. „Die müssen Gas geben, wir müssen aber auch den Boden in Neuburg bereiten, damit sie etwas bewegen können“, erklärte der Stadtrat.

Landrat Peter von der Grün (Freie Wähler) reagierte ebenfalls positiv auf Söders Vorhaben. „Die Pläne der Staatsregierung zur Behördenverlagerung in die Region Ingolstadt begrüße ich sehr, da der geplante Regierungssitz mit rund 500 Mitarbeitern in der Region 10 auch eine Stärkung unseres Heimatlandkreises bedeutet.“ Nun müsse die Region an einem Strang ziehen. Von der Grün ist sich aber sicher, dass die Stadt Ingolstadt, die Landkreise sowie ihre Kommunen die große Aufgabe gemeinsam stemmen können. Über die Zusage der 740 Studienplätze am Neuburger THI-Campus freute sich der Landrat: „Dieser ist für uns ein wichtiger Meilenstein im Ausbau der Bildungslandschaft und stärkt die Attraktivität unseres Landkreises.“ Der Startschuss mit den ersten 80 bis 150 Studierenden soll dann im Oktober 2021 fallen.

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