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Neuburg 

08.08.2019

Stadt Neuburg gibt „gesperrte“ Kindergartenplätze frei

Dass die Erzieherinnen in Kindergärten aufgrund von Schwangerschaften oder anderen Jobangeboten wechseln, ist keine Seltenheit. Im Sonnenhügel-Kindergarten in Neuburg-West war die Fluktuation zuletzt jedoch besonders hoch. 
Bild: Marcel Rother

Plus Die Stadt Neuburg hat Betreuungsplätze zurück gehalten, weil es an Erziehern fehlte. Jetzt wurden die offenen Stellen besetzt - und die Plätze sind frei.

Die Nachricht sorgte bei so manchen Eltern, die für ihr Kind zum 1. September einen Kindergartenplatz suchen, für Verwirrung: Von den mehr als 1000 Kindergartenplätzen, die die Stadt Neuburg in ihren fünf Kindergärten Sonnenhügel, Franziskanerstraße, Brändström, Heinrichsheim und Bittenbrunn bietet, konnten Anfang Juli nicht alle vergeben werden. Von einem „Aufnahmestopp“ war die Rede, weil es zu diesem Zeitpunkt weniger Erzieher gab, als für einen Vollbetrieb notwendig gewesen wären. Deshalb wurden kurzerhand 45 Plätze vorübergehend „gesperrt“. Am Donnerstag wurden diese Plätze nun freigegeben, weil kurzfristig fünf neue Erzieher eingestellt werden konnten. Damit gibt es für jene 80 Eltern, die derzeit auf der Warteliste stehen, noch Hoffnung, kurz vor dem Start ins neue Kindergartenjahr doch noch einen Platz zu ergattern.

Die angespannte Personalsituation bei den Erziehern ist nicht Neuburg-spezifisch. Wie schwer es mittlerweile ist, Personal für diesen Bereich zu finden, weiß Heike Gomez, Sachbearbeiterin für Kindergartenangelegenheiten bei der Stadt, nur zu gut. Die Gründe dafür seien vielfältig. Am triftigsten sei der generelle Mangel an Erziehern. „Die werden inzwischen gesucht wie die berühmte Nadel im Heuhaufen.“ Ständig seien Stellen ausgeschrieben, doch so schnell wie neue Kindertagesstätten entstünden, käme gar kein neues Fachpersonal nach. „Das wachse schließlich nicht auf Bäumen“, sagt Gomez.

Der Mangel an Erziehern ist nicht nur ein Problem in Neuburg

Das habe inzwischen zu einer Umkehr der Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt geführt. „Früher haben wir uns die Erzieher ausgesucht, heute suchen sich die Erzieher aus, wo sie arbeiten wollen.“ Das hat zur Folge, dass die Einrichtungen mit einer erhöhten Mitarbeiterfluktuation zu kämpfen hätten. Die Stadt steht diesbezüglich in Konkurrenz zu freien Trägern, die im Endeffekt jedoch dasselbe Problem hätten: Es gibt schlicht zu wenige Bewerber für zu viele Stellen. In Neuburg hätten einige Schwangerschaften bei den Erzieherinnen die Situation zusätzlich verschärft. „Sobald feststeht, dass eine Erzieherin schwanger ist, bekommt sie in 99 Prozent der Fälle ein Beschäftigungsverbot und fällt ab diesem Zeitpunkt aus“, sagt Gomez. So soll das ungeborene Kind vor der erhöhten Infektionsgefahr in Kindertagesstätten geschützt werden. Allein für das zurückliegende Kindergartenjahr hat die Stadt 20 neue Erzieher eingestellt, in den vergangenen Wochen wurden fünf neue Mitarbeiter für die Kindergärten rekrutiert.

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Eigentlich hätten die 45 zurückgehaltenen Plätze schon vor rund zwei Wochen freigegeben werden sollen, nachdem die neuen Erzieher ihre Arbeitsverträge unterschrieben hatten. Doch Heike Gomez wollte sicher gehen, „dass alle Erzieher ihre Stelle angetreten haben und sich nicht doch noch für eine andere Stelle entschieden haben – weil sie beispielsweise näher an ihrem Wohnort liegt“, argumentierte sie. Die Entscheidung revidierte Oberbürgermeister Bernhard Gmehling jedoch am Mittwoch. „Dass wir Kindergartenplätze auf Halde halten, kann ich nicht gelten lassen“, sagte er. Deshalb wurde das Ansinnen, auf Nummer sicher zu gehen und die restlichen 45 Plätze erst Mitte September zu vergeben, jetzt verworfen.

Fehlende Kindergartenplätze: Seitens der Eltern habe es keine Kritik gegeben

Der Aufnahmestopp, den Gmehling lieber als ein „Vertrösten auf später“ verstanden haben möchte, habe bei den betroffenen Eltern seiner Einschätzung nach zu keiner Kritik geführt. „Zumindest war bei uns niemand, der sich deswegen beschwert hat.“ Auch seien unter den Wartenden keine „Notfälle“ gewesen, die etwa wegen einer Arbeitsstelle dringend einen Betreuungsplatz benötigt hätten.

Die für die Kindergärten zuständigen Mitarbeiter werden nun in den nächsten Tagen auf jene Eltern zugehen, die auf der Warteliste stehen. Nichtdestotrotz können sich Eltern auch direkt an die Stadtverwaltung wenden: Heike Gomez (08431/55-328) oder Kathrin Reiter (08431/55-337).

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