Newsticker

Nach Trumps Wahlkampfauftritt steigen die Corona-Fälle in Tulsa
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Stadt Neuburg will großzügig Außengastronomie genehmigen

Lokale in Neuburg

25.05.2020

Stadt Neuburg will großzügig Außengastronomie genehmigen

Die Stadt Neuburg hat dem Gasthaus zur Blauen Traube genehmigt, Tische auch auf dem Karlsplatz aufzustellen.
Bild: Elisa Glöckner

Plus Während der Innenbereich bis 22 Uhr bewirten darf, muss die Außengastronomie um 20 Uhr schließen. Unter Neuburger Wirten sorgt das für Irritation. Indes versucht die Stadt, mit Sondernutzungsflächen zu helfen.

Eine Frage bekommt Stephanie Höck, Inhaberin der Traube am Karlsplatz in Neuburg, aktuell mehrmals täglich zu hören: Wieso müssen draußen die Gäste um 20 Uhr gehen und in den Innenräumen darf bis 22 Uhr bewirtet werden? Seit Montag dürfen Gastronomen auch ihre Gasträume wieder aufsperren – unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Das heißt konkret: Ein Gast pro fünf Quadratmeter, Kellner und Küchenpersonal müssen Mundschutz tragen, Tische regelmäßig desinfiziert werden. Zudem müssen die oben genannten Uhrzeiten strikt eingehalten werden. Die aber hatten in den vergangenen Tagen auf allen Seiten – bei Gästen wie Wirten – für reichlich Kopfschütteln gesorgt.

Corona hat die Gastro-Szene in Neuburg hart getroffen

„Ich halte die Regel mit den längeren Öffnungszeiten im Innenbereich für sinnlos“, sagt Stephanie Höck. „Das Virus ist an der frischen Luft weniger leicht übertragbar.“ Das Argument, dass gerade in den Biergärten und Außenbereichen zu späterer Stunde mehr Alkohol getrunken werde und das dazu führe, dass Abstands- und Hygieneregeln missachtet werden könnten, hält sie für Humbug. „Die Weggehfreude ist bei den Menschen noch nicht wieder da.“ Mit dieser Meinung ist die Wirtin nicht alleine. Viele Kollegen teilen ihr Unverständnis.

Mittlerweile sind die Beschwerden auch bis zum bayerischen Wirtschaftsminister durchgedrungen. Demnach kündigte Hubert Aigwanger in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk an, bisherige Gegebenheiten im Freistaat zeitnah ändern zu wollen. Als möglichen Termin für die angepassten Öffnungszeiten auch für Biergärten nannte er das Pfingstwochenende. Vorerst heißt es also weiter: Draußen ist um 20 Uhr Zapfenstreich.

Stadt Neuburg will großzügig Außengastronomie genehmigen

Bedingungen der Corona-Krise, die die örtliche Gastro-Szene hart getroffen haben und es noch tun. Um die Neuburger Betriebe in so außergewöhnlichen Zeiten wie diesen zu unterstützen, sind im Mai jeweils Anträge von der CSU, der SPD und den Grünen bei der Stadtverwaltung eingegangen, die unter anderem die Zahl der Außensitzplätze betreffen. Wie der Finanzausschuss in seiner kommenden Sitzung am Dienstag diskutieren wird, sollen zum Beispiel Sondernutzungsflächen zur Verfügung gestellt werden. Das bedeutet im Falle von Stephanie Höck und der Traube deshalb mehr Platz als sonst. Die Inhaberin hat von der Stadt genehmigt bekommen, Tische auch auf dem angrenzenden Karlsplatz aufstellen zu dürfen – ohne Mietzahlungen. „Ich bin sehr froh, dass das so schnell und unkompliziert geklappt hat“, sagt Stephanie Höck. Insgesamt 24 Plätze kann sie nun zusätzlich besetzten.

Stadt und Stadtmarketing in Neuburg wollen Wirte unterstützen

Solche Hilfestellungen seien ein Anliegen, das die Stadt genauso wie das Stadtmarketing unterstütze, sagt Bernhard Mahler. Allerdings hängen sie von den jeweiligen Bedürfnissen und Umständen eines Lokals ab. Um die Bedürfnisse im Vorfeld also abzuklären, seien Vertreter von Ordnungsamt und Stadtmarketing „proaktiv“ unterwegs gewesen und auf die Wirte zugegangen, erzählt der Pressesprecher. „Dabei wurde individuell besprochen, was vor Ort möglich ist.“ Zumal etwa Feuerwehrzufahrten und Rettungswege nicht vergeben werden dürfen, außerdem muss eine gewisse Gehwegbreite erhalten sein. Dazu kommt, dass der Verkehr nicht gefährdet werden darf. Die Erkenntnisse aus diesen Gesprächen, sagt Bernhard Mahler, seien zusammengefasst worden und würden den Finanzausschussmitgliedern nun vorgestellt. Gleichermaßen spreche sich Oberbürgermeister Bernhard Gmehling dafür aus, dass die Gebühren für betreffende Flächen entfallen.

Die notwendigen Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat aber nicht nur Konsequenzen für die Gastronomie. Auch Schausteller sind existenziell bedroht. Wie Betroffenen geholfen werden soll, bespricht das Gremium ebenfalls in seiner Dienstagssitzung. Geplant ist unter anderem, dass sich die Schausteller bald auf städtischen Flächen wie dem Hofgarten präsentieren dürfen. Das allerdings, bemerkt Bernhard Mahler, werde aktuell noch geprüft. Eine Standgebühr soll laut Sitzungsvorlage dabei nicht anfallen. Bezahlt werden müssten lediglich Verbrauchsgebühren wie Strom, Wasser und Abwasser.

Der Innenbereich der Traube jedenfalls bleibt bei gutem Wetter vorerst geschlossen und die Gäste werden ausschließlich im überdachten Biergarten und auf dem Karlsplatz bedient. Bei schlechtem Wetter kann auf den Innenraum ausgewichen werden. Alles andere sei im Moment nicht rentabel. „Ich bin froh, wenn ich kostendeckend wirtschaften kann in der aktuellen Situation“, erklärt Stephanie Höck. Sie hofft daher auf das Verständnis der Gäste. Das sei allerdings nicht bei allen Leuten gegeben. In der vergangenen Woche hatte es die Inhaberin der Traube immer wieder mit uneinsichtigen Gästen zu tun, die sich nicht an Abstandsregeln oder Maskenpflicht halten wollten. „Uns macht es auch keinen Spaß, diese Regeln umzusetzen. Aber so ist es nun mal. Wenn sich jemand nicht dran hält, muss er gehen.“

Lesen Sie auch:

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren