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Stadtwerke: Ohne Rücksicht auf Verluste

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Kommentar Von Dorothee Pfaffel
31.05.2019

Warum Werkleiter Richard Kuttenreich es sich zu leicht macht.

Dass 20 mal drei 60 ergibt, lernt man schon in der Grundschule. Dafür muss man kein Akademiker sein wie Richard Kuttenreich, Werkleiter der Neuburger Stadtwerke. Von einem Mann, der 2011 vom Freistaat Bayern zum Professor für Betriebsorganisation ernannt wurde, darf man durchaus eine differenziertere Erklärung für 60 Millionen Euro Schulden erwarten.

Mit dieser banalen Gleichung, die Kuttenreich am Mittwoch bei der Pressekonferenz zum Personalabbau aufgestellt hat, will er sagen, dass der aktuelle Schuldenstand der Stadtwerke keineswegs aus dem Ausbau der Nahwärme und des Stromnetzes resultiert. Die Schulden kämen vielmehr von den drei Millionen Euro Minus, die Bäder, Busse und Tiefgaragen jährlich (seit 20 Jahren) schreiben.

Nicht nur an dieser Stelle hat es sich der Werkleiter zu leicht gemacht. Sondern auch, indem er sich seine Entscheidungen stets vom Werkausschuss oder vom Stadtrat absegnen ließ – und damit die Verantwortung abgab. Kuttenreich wusste genau, dass die Gremiumsmitglieder ihm, dem Experten, vertrauen würden. Waren sie doch froh, dass 2013 ein Mann mit seiner Vita, der noch dazu bereits Stadtrat und Finanzreferent war, das Ruder bei den Stadtwerken übernahm.

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Mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein trat Kuttenreich auch bei der Pressekonferenz in dieser Woche auf – obwohl er eine Hiobsbotschaft zu verkünden hatte. Kein Wunder: Haben die Stadträte doch die von ihm vorgeschlagenen elf betriebsbedingten Kündigungen am Abend zuvor einstimmig abgenickt. Was blieb ihnen angesichts des Schuldenbergs auch anderes übrig? Zwar fiel während der Pressekonferenz mehrmals der Satz „Es geht hier um Menschen“ – dennoch nahm man dem Werkleiter sein Mitgefühl nicht so recht ab. Schließlich gab Kuttenreich ja unumwunden zu, dass er bei den Kündigungen in erster Linie nach dem Nutzen des jeweiligen Mitarbeiters entschieden und weniger auf Sozialverträglichkeit geachtet habe. Dass er bei Tätigkeiten, die automatisiert wurden, Mitarbeiter einspart, kann ihm wirtschaftlich gesehen niemand vorwerfen. Aber dass er sich bei 60 Millionen Euro Schulden, einigen freiwilligen und elf betriebsbedingten Kündigungen als Werkleiter hinstellt und behauptet, er habe keinen Fehler gemacht – darüber muss man sich schon wundern.

Kuttenreich ist ein Mann, der seine Ziele ohne Rücksicht auf Verluste verfolgt. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling hat zwar Fehler eingeräumt, sich aber trotzdem ganz klar hinter seinen Werkleiter gestellt. Sind die Visionen dieses Mannes, in dem die Stadträte einst den Messias für die Neuburger Energiewirtschaft sahen, nicht vielleicht einfach zu ambitioniert für ein mittelständisches Kommunalunternehmen?

Den Artikel "Stadtwerke: Elf Mitarbeiter müssen gehen" von Dorothee Pfaffel lesen Sie hier.

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