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Neuburg

19.02.2014

Stefan B.: Wer ist der Mann, der Franziska (12) tötete?

Die 12-Jährige Franziska wurde vergewaltigt und ermordet. Ein vorbestrafter 26-Jähriger hat die Tat gestanden. Reaktionen aus Neuburg.

Der Verdächtige Stefan B. im Mordfall Franziska hat etliche Vorstrafen - Tankbetrug, Diebstähle, Fahren ohne Führerschein. Nun brachte er eine Zwölfjährige um. Wer ist dieser Mann?

„Unfassbar für uns alle, mitten aus dem Leben gerissen, nahm Gott der Herr Franziska zu sich in den ewigen Frieden.“ Diese Worte haben die Eltern des ermordeten Mädchens in der Todesanzeige für ihr Kind gewählt. Nichts ist zu lesen über Wut oder gar Hass auf Stefan B., der die Zwölfjährige vermutlich am Samstag in den frühen Abendstunden umgebracht haben soll. Das hat er inzwischen zugegeben.

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Dagegen kochen die Emotionen über in Möckenlohe, dem kleinen Ortsteil von Adelschlag im Kreis Eichstätt, wo das Mädchen aufgewachsen ist. Und in Neuburg, wo der mutmaßliche Täter lebte. Das Verbrechen vom Wochenende ist überall Gesprächsthema. Die Menschen sind schockiert, viele wütend.

Stefan B. soll die zwölfjährige Franziska umgebracht haben.
Bild: Facebook/Screenshot

Die breite Anteilnahme dürfte heute auch beim Requiem für Franziska in ihrem Heimatort zum Ausdruck kommen, vor allem hinsichtlich der Beteiligung. Der Ortspfarrer hat der Polizei das Hausrecht übertragen. Es gibt ein Sicherheitskonzept für das gesamte Umfeld der Kirche, weil anzunehmen ist, dass die Trauergäste in dem Gotteshaus bei weitem nicht Platz finden werden. Kameras sind nicht zugelassen.

Über dem Ort liegt Beklemmung. Das Wohnhaus der Familie wird weiter von der Polizei geschützt. Kriseninterventionsteams betreuen Angehörige und Freunde. „Sie werden von uns abgeschottet. Sie sollen alle Ruhe bekommen, die sie jetzt brauchen“, sagt ein Polizeisprecher.

Nach Mädchen-Mord: Viele Mütter holen ihre Kinder jetzt vom Schulbus ab

Obwohl die Meldung von der Festnahme des mutmaßlichen Täters eine gewisse Erleichterung auslöste, holten gestern auffallend viele Mütter ihre Kinder von der Schulbushaltestelle ab. Die Erwachsenen wollen bei ihren Kindern sein in diesen schweren Tagen. Sie wissen, was jetzt in den Köpfen der Kleinen vorgeht. Die können am allerwenigsten verstehen, was passiert ist.

Auch die Freunde und Schulkameraden von Franziska sind wie gelähmt. Die Zwölfjährige ging in Eichstätt zur Schule. Ein Kriseninterventionsteam ist auch dort im Einsatz. Beim Requiem heute halten sich die Helfer mit einem größeren Aufgebot im Hintergrund bereit, um notfalls einzugreifen.

Währenddessen sucht die Polizei an den verschiedenen Schauplätzen dieses Verbrechens weiter nach Spuren. Vor allem an dem Badesee beim Neuburger Stadtteil Zell, wo die Leiche des Mädchens am Sonntag gefunden wurde. Denn dort, das teilten Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Ingolstadt gestern mit, hat Stefan B. das Mädchen nach eigenen Angaben umgebracht. Wann genau an diesem Samstagabend, ist unklar. Vielleicht erst in den Nachtstunden.

Mord an Franziska: Verdächtiger Stefan B. schweigt

Was bis dahin geschehen ist, darüber schweigt sich der Verdächtige aus. Für die Ermittler steht aber nach wie vor außer Frage, dass eine Sexualstraftat vorangegangen sein muss. Die Ergebnisse der Gerichtsmedizin sollen das erhärten.

Stefan B. hat einen Verteidiger gewählt. Es ist derselbe, der ihn schon öfter vor Gericht vertreten hat. Unter anderem wegen Tankbetrugs, kleinerer Diebstähle oder Verkehrsstraftaten. Bis vor wenigen Wochen verbüßte er eine Haftstrafe, weil er wiederholt ohne Führerschein erwischt worden war. Aber die Staatsanwaltschaft spricht auch von mehreren Sexualdelikten. Welche, das sagt sie nicht, weil Stefan B. zur Tatzeit noch nach dem Jugendstrafrecht behandelt worden sei.

Polizist über Stefan B.: "Kann Gott danken, dass er noch lebt"

Fest steht, dass er erst im Dezember am Amtsgericht Neuburg angeklagt war. Er hatte ein rundes Dutzend Frauen übers Internet mit beleidigenden Texten zum Sex aufgefordert und teilweise hohe Summen dafür geboten. Geld hatte der Arbeitslose aber nie viel. Zuletzt wohnte er in Neuburg im Obdachlosenheim. Stefan B. ist Vater eines sechs Jahre alten Kindes. Um das hat er sich aber kaum gekümmert.

Seine Festnahme ist nach der wilden Verfolgungsfahrt von Neuburg bis Donauwörth einer Neuburger Polizeistreife zu verdanken. Die Beamten hatten das Auto des polizeibekannten Kleinkriminellen erkannt, obwohl Stefan B. falsche Kennzeichen angebracht hatte. Sie nahmen die Verfolgung auf und riefen per Funk Verstärkung. Mit bis zu 170 Stundenkilometern brauste der mutmaßliche Mörder davon und riskierte lebensgefährliche Überholmanöver. Einer der Verfolger sagte später: „Der kann Gott eigentlich danken, dass er noch lebt.“

Mädchen umgebracht
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Der Mord an der zwölfjährigen Franziska
Bild: Andreas Gebert, Xaver Habermeier
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