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Schule

21.02.2019

Strategien gegen das Elterntaxi

Schulprobleme diskutierten von links: der Vorsitzende der LEV Dr. Jörg Steinwagner, die Landtagsabgeordnete Eva Gottstein, Schulleiter Peter Seyberth und die Vorsitzende des Elternbeirats Franziska Hildebrandt.
Bild: Annemarie Meilinger

Eltern-Vereinigung diskutiert am Descartes-Gymnasium über Probleme im Schulalltag

Die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern – kurz LEV – traf sich am Dienstagabend im Neuburger Descartes-Gymnasium zur Sitzung ihrer ARGE, zu der die Gymnasien im Bereich Donau/Ilm/Altmühl zählen. Elternvertreter aus Ingolstadt, Gaimersheim, Pfaffenhofen, Kelheim, Eichstätt und den Gastgebern diskutierten mit der Eichstätter Landtagsabgeordneten Eva Gottstein, die im Bildungsausschuss der neuen Staatsregierung zweite Vorsitzende ist. Die ehemalige Lehrerin ist seit elf Jahren für die Freien Wähler im Bayerischen Landtag und bekleidet noch kommissarisch das neugeschaffene Amt der „Beauftragten für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement“.

An den bayerischen Gymnasien gibt es offensichtlich vieles zu verbessern, besonders die Fahrt zur Schule mit den ÖPNV-Bussen ist oft Anlass zu Kritik: zu voll, unpünktlich und unsicher. Zudem ist das Radwegenetz als Alternative zum Schulbus unzureichend ausgebaut. Kein Wunder, dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen.

In Neuburg, so die Elternbeiratsvorsitzende Franziska Hildebrandt, hätte man dazu eine breit angelegte Fragebogenaktion durchgeführt, die viel Kritik an den ÖPNV-Bussen zutage förderte. 1700 Fragebögen wurden ausgewertet, doch nichts sei passiert, so Hildebrandt. Weil die Bahn auf einigen Strecken günstiger sei, müssten voraussichtlich im kommenden Schuljahr Schüler aus Oberhausen mit der Bahn fahren, obwohl der Fußweg zum Bahnhof lang und gefährlich sei, berichtete Oberstudiendirektor Peter Seyberth. „Die Folge sind noch mehr Elterntaxis“ befürchtet der Schulleiter.

Strategien gegen das Elterntaxi

Hier seien die Kommunen und Landratsämter zuständig, sagte Eva Gottstein und: „Elternproteste helfen erfahrungsgemäß am besten“. Eine Petition des LEV, die kostenlose Beförderung von in Ausbildung befindlichen Fahrgästen fordert, scheint sich noch in der Ministeriums-Warteschleife zu befinden. Eva Gottstein wusste jedenfalls darüber nichts, warb aber um Verständnis, dass zuerst dringend benötigtes Personal bei Polizei und Lehrern aufgestockt werden müsste, bevor hier Geld ausgegeben werden könnte.

Dass die „Bildungsregion Ingolstadt“ auf den Neubau des Apian-Gymnasiums verzichtet, prangerte der Landesvorsitzende des LEV Dr. Jörg Steinwagner an. „Für Schulprojekte ist auch die Kommune Entscheidungsträger“ so Gottstein, der Staat finanziert hier nur mit. Dass allerdings die Raumprogramme für Neubauten viel zu eng ausgelegt seien, bemängelte auch sie und versprach, sich für großzügigere Rahmenbedingungen einzusetzen.

Dass Schulsozialarbeit auch an Gymnasien dringend nötig ist, diese Forderung setzt sich auch zunehmend im bayerischen Parlament durch. „Früher dachte man, die Welt sei bei uns noch in Ordnung und Schulsozialarbeit sei ein Luxus, den man nur in Brennpunktschulen nötig habe“, so Gottstein. Flächendeckende Schulsozialarbeit werde schon länger diskutiert, wer jedoch die Sozialpädagogen bezahlen soll, darüber herrschte lange Zeit Unklarheit. „Die Sachaufwandsträger und der Freistaat haben den Ball ping-pong-artig hin und hergespielt“, so Gottstein. Jetzt habe man nicht nur im Nachtragshaushalt 60 zusätzliche Stellen geschaffen, bis zum Ende der Legislaturperiode will man 500 neue Stellen für Schulsozialarbeit und Schulpsychologen schaffen.

Wieso man den derzeitigen Lehrermangel nicht schon früher erkannt und geeignete Maßnahmen ergriffen hätte, das wollte eine Diskussionsteilnehmerin wissen. „Die Firma Hipp kann immer aus den Geburtenzahlen die Produktionszahlen für Babynahrung kalkulieren, warum der Freistaat das einfach nicht hinbekommt, weiß ich auch nicht.“ Darauf wusste auch Eva Gottstein keine Antwort.

Über den Sinn der Verbeamtung von Lehrern, über die Qualität der Mittagessen an Schulen und über Kostenfreiheit von Kulturveranstaltungen für Schüler hätte noch lange diskutiert werden können. Die Landtagsabgeordnete notierte sich alles und versprach, am Ball zu bleiben.

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