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Prozess in Neuburg

12.02.2020

Urteil: 34-Jähriger hat mit Drogen aus dem Darknet gehandelt

Zwei Jahre und sechs Monate soll der Mann aus Vohburg ins Gefängnis.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Ein Mann aus Vohburg soll Kokain, Haschisch und Marihuana aus dem Darknet bestellt haben, um es danach weiterzuverkaufen. Weshalb ihn das Schöffengericht Neuburg schuldig spricht.

Keine Bong, die unterm Fenster stand. Keine Drogen, die zwischen Kissen steckten. Nicht einmal Papes lagen auf der Couch: Die Wohnung des Angeklagten, schildert ein Zeuge der Ingolstädter Kripo vor Gericht, sei sauber, sei vollkommen unauffällig gewesen. „Es war keine Wohnung der typischen Betäubungsmittel-Szene.“ Trotzdem sprach das Neuburger Schöffengericht den 34-Jährigen schuldig, in zwei Fällen mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Und das hat Gründe.

Ein halbes Kilo Marihuana, 400 Gramm Haschisch und 160 Gramm Kokain – diese Menge an weichen und harten Drogen soll der Anlagenmechaniker aus Vohburg innerhalb von weniger als einem Jahr über das Darknet bestellt haben. So zumindest lautet die Anklage. Wie Staatsanwalt Lorenz Mödl bereits am ersten Prozesstag berichtet hat, waren die ersten Versuche des Angeklagten zunächst aber gescheitert. Erst die dritte Bestellung, es war Anfang 2019, traf tatsächlich in der Wohnung des Angeklagten ein: Ein Kurier hatte ein halbes Kilo Marihuana und 200 Gramm Haschisch erfolgreich nach Bayern transportiert.

Drogen aus dem Darknet: Kurierfahrer legte Lebensbeichte ab

Als jener Kurierfahrer wegen eines ganz anderen Vorfalls zur Polizei zitiert wurde, legte er unvermittelt eine „Lebensbeichte“ ab: Der Mann äußerte sich detailliert zu diversen Kurierfahrten, die er in der Vergangenheit getätigt hatte – insbesondere auch zu seiner vermutlich letzten Zustellung, die er im Februar 2019 dem Angeklagten in Vohburg übergab. All das wiederholt der Zeuge an diesem Nachmittag vor dem Neuburger Amtsgericht, dem zweiten Prozesstag.

Urteil: 34-Jähriger hat mit Drogen aus dem Darknet gehandelt

Er erzählt zum Beispiel, dass er damals zu einem Ort bei Ingolstadt gefahren sei, um Drogen abzugeben. Er sei zu der Adresse gefahren, habe an der Straße gehalten und den Absender des Päckchens verständigt. Dann sei der Angeklagte aus seiner Wohnung gekommen, um es entgegenzunehmen. Geld habe er keins bekommen. Schließlich sei er weiter nach Regensburg gefahren, um eine andere Lieferung abzugeben. „Der Zeuge ist per se glaubwürdig“, so betont es Richter Christian Veh in seiner Urteilsbegründung. Zumal sich seine Angaben bereits in anderen Ermittlungsverfahren bestätigt hätten. Er habe die „viel zitierte Lebensbeichte“ abgelegt, habe über andere Täter ausgesagt, sich angreifbar gemacht. Nicht umsonst müsse er nun von Polizisten beschützt werden. „Er wird offenbar massiv bedroht.“

Handel mit Betäubungsmitteln: 34-Jähriger aus Vohburg ist schuldig

Parallelen sieht der Richter zu einem zweiten Fall der Anklage: So orderte der 34-Jährige schon Wochen zuvor aus Hessen 150 Gramm Kokain über das dunkle Netz. Wieder war ein Kurier mit dem Stoff losgeschickt worden. Die Sendung allerdings wurde auf einer Raststätte bei Würzburg von Polizisten beschlagnahmt. Und dennoch: „Es war wieder seine Adresse auf dem Päckchen, es war wieder die gleiche Lieferart“, resümiert der Richter. Er hat daher keinen Zweifel: Es handelt sich um den gleichen Besteller, um den gleichen Empfänger, um den Mann auf der Anklagebank.

Dass man bei der Wohnungsdurchsuchung nichts gefunden habe, sei gar nicht unwahrscheinlich, fährt Christian Veh fort. Er richtet sich an den 34-Jährigen: „Sie unterscheiden sich wohltuend von anderen Giftlern.“ Konsumenten mit stinkenden, versifften Appartements, mit Bongs zwischen den Lebensmitteln und Papes auf dem Tisch. Gerade deshalb sei es naheliegend, dass er mit den bestellten Drogen Handel betrieben habe. Und so verurteilt ihn das Schöffengericht zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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