Konzert

28.03.2017

Vater und Sohn

Das Ensemble del Arte bot einen unterhaltsamen Abend mit Ariel Zuckermann an der Querflöte und Shalv Ad-El am Cembalo.
Bild: Tobias Böcker

Das Ensemble del Arte spielte wohlklingend Werke von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach

Als Carl Philipp Emanuel Bach am Karsamstag des Jahres 1768 als Nachfolger seines verstorbenen Paten Georg Philipp Telemann seinen Dienst als städtischer Musikdirektor und Kantor in Hamburg antrat, galt die Musik seines Vaters Johann Sebastian bereits als hoffnungslos altmodisch. Die Zeiten änderten sich auch damals schon und die Welt drehte sich schneller, als manch einer wahrhaben wollte. Sturm und Drang beherrschten die Zeit und die literarische Empfindsamkeit grüßte die musikalischen Affekte: Musik sollte die Zuhörer ganz individuell ansprechen und von Herzen rühren.

Lange Zeit danach war es wieder andersherum: Dem Vater gebührte die Ehre, der Sohn war fast vergessen. Die Generationen übergreifende Wiedervereinigung der beiden Bachs gehört heute zum Konzertrepertoire, allgegenwärtig spätestens seit dem 300. Geburtstag des jüngeren im Jahr 2014.

In einem spannenden Programm stellte das Ensemble del Arte unter der Leitung von Ariel Zuckermann im Neuburger Kongregationssaal die Musik beider nebeneinander, kontrastierte den Sohn mit dem Vater, die große Form mit der kleinen, die Flöte mit dem Cembalo.

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Der für Carl Philipp Emanuel charakteristischen Sinfonie III in C-Dur gab das Ensemble del Arte im furiosen Lauf des Allegro, mit elegantem Strich im Adagio und tänzerischem Schwung im Allegretto jene delikat kontrastreichen Gefühlsregungen mit, die dem leidenschaftlichen Ideal des Komponisten entsprachen. Innig dagegen Johann Sebastians Sonaten für Flöte und Basso Continuo BWV 1035 und 1034, die Ariel Zuckermann an der Querflöte und Shalv Ad-El am Cembalo in all ihrer komplexen Grazie entfalteten. Da rankten sich die Flötentöne in schlanker Anmut um die Cembaloklänge, erblühten, sprangen auf und entfalteten pure Schönheit.

Eigentlich ist es am Cembalo ja gar nicht möglich, den einzelnen Ton im engen Sinne zu formen. Um so höher ist die Kunst Shalev Ad-Els zu schätzen, das Instrument zu solch virtuoser Lebendigkeit zu erwecken, wie es ihm mit höchstem Fingerspitzengefühl auch in Johann Sebastian Bachs Konzert für Cembalo BWV 1056 gelang.

Im Miteinander von Flöte, Cembalo und Orchester kam zuletzt Carl Philipp Emanuel Bach wieder zu Wort mit seinem Flötenkonzert d-Moll Wq 22. Noch recht nah am Barock atmet das Werk doch schon den neuen Klang seiner Zeit in deutlich ausgeprägter Dynamik und kontrastreicher Emotionalität, die Ariel Zuckermanns Flöte in durchwegs emphatischer Intensität vor dem Hintergrund eines passgenau agierenden Ensembles genussvoll auslotete.

Alles in allem ein bisschen brav, das Überraschungsmoment dem Wohlklang untergeordnet, gab der Konzertabend einen gleichwohl beeindruckenden, stark bejubelten Einblick in die Entwicklung vom Vater zu jenem Sohn, der einst bekannte: „In der Composition und im Clavierspiel habe ich nie einen anderen Lehrmeister gehabt als meinen Vater.“

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