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Neuburg

06.11.2017

Viel Können und berechtigter Mut

Die Chöre Windrose und Magdigalchor unter Gabriella Lay sangen zum Abschluss der Ausstellung „Fürstenmacht und wahrer Glaube“ in der Hofkirche.

Windrose und Madrigalchor bieten ein beeindruckendes geistliches Konzert zum Abschluss der Ausstellung Fürstenmacht und wahrer Glaube

Der Mensch entzweit – Musik vereint. Ein schönes Motto für das große geistliche Chorkonzert zum Abschluss der Ausstellung „Fürstenmacht und wahrer Glaube“ in der protestantisch geplanten und katholisch-marianisch vollendeten Neuburger Hofkirche. Aber ein Motto mit ernstem Hintergrund.

Musik versöhnt eben nicht nur, auch wenn sie eine höhere Art von Sprache ist, die dem Menschen direkt ins Herz geht. Zwischen AC/DC und – sagen wir – dem wohltemperierten Klavier liegen Welten, die katalanische und die spanische Hymne können mit ihrer emotionalen Sprengkraft Völker auseinandertreiben, und auch der lutherische Hymnus „Ein’ feste Burg ist unser Gott“ verträgt sich mit dem katholisch-barocken „Großer Gott, wir loben dich“ nicht auf Anhieb.

Dieses geistliche Konzert der beiden hervorragend geführten und konzentrierten Klangkörper Windrose und Madrigalchor war ein würdiger Schlusspunkt zu einer wichtigen Ausstellung. Klug und mutig die Auswahl der Stücke, scharfe Kontraste von barocken Klassikern wie „Also hat Gott die Welt geliebt“ eines Heinrich Schütz bis hin zur hochkomplexen Sprach- und Tonwelt des „Vater unser“ eines Wolfgang Stockmeier aus dem Jahre 1970. Oder dem faszinierenden Spiel mit Chaos und Ordnung in „Immortal Bach“ nach J. S. Bach/Knut Nystedt von 1988.

Derartige Werke der Moderne so einzustudieren, wie es Werner Lecheler mit seinen „Windröslein“ getan hat, ist eine intellektuelle und musikalische Leistung des Dirigenten und jedes einzelnen Chormitgliedes. Bach-Original und schräge Nystedt-Cluster vereinen sich zu einem stimmigen Ganzen, der große Johann Sebastian verträgt viel und bleibt dabei eben unsterblich. Bemerkenswert auch die modernen Varianten eines Ave Verum (von Alwin Michael Schronen/2015) oder des Ave Maria (von Franz Biebl/1964). Welches Niveau die Windrose zu bieten hat, war in diesem Ave Maria vielleicht am schönsten zu hören: Saubere Intonation, innere Spannung auch über lange Melodiebögen hinweg, ausgewogen in allen Stimmen, mit großem Gespür für Dynamik und Tempo.

Auf gleichem, für Laienchöre mehr als respektablem Niveau präsentierte sich das Ensemble des Madrigalchores unter der Leitung von Gabriella Lay. Mit Freude und Können gehen die Frauen- wie die Männerstimmen ans Werk.

Höhepunkt wurde die Vertonung des 98. Psalms „Singet dem Herrn ein neues Lied“ von Heinrich Schütz. Beide Chöre machten sich an die Interpretation dieses anspruchsvollen polyphonen Werks, sie formten sich zu einem Klangkörper von mehr als 70 Stimmen, leicht und kraftvoll zugleich. Hier unter dem Dirigat von Gabriella Lay mit Werner Lecheler als „normalem“ Bassist. Umgekehrt die Rollen (Lecheler als Dirigent und Lay im Chor) bei Mendelssohn-Bartholdys „Warum toben die Heiden“.

Zwei Akzente steuerte Maximilian Höringer an der Hofkirchenorgel zu einem besonderen Konzert bei. Dabei setzte er nicht auf das Brausen aller Register, sondern auf die feineren Klänge. Durchsichtig in der Struktur stellte Höringer eine Choralbearbeitung von „Ein feste Burg ist unser Gott“ in den Kirchenraum. Und gefühlvoll, aber nicht sentimental erklang die „Cantilene für Orgel“ von Josef G. Rheinberger. Die „Königin der Instrumente“ muss ja nicht immer groß auftrumpfen. Auch dies passte zu einem gelungen Konzert. Der lang anhaltende Applaus war verdient.

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