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Neuburg

04.05.2015

Von Bürgern für Bürger

Die Wechselrichter sind in einem Geräteraum in der Halle untergebracht, auf der sich das Sonnenstromkraftwerk befindet (von links): Manfred Rößle (Vorstandsmitglied der BEG), Tobias Stuhlenmiller (Planer und Bauleiter des Projekts), Matthias Haile (Assistent des Vorstands), Peter Mießl (Vorstandsmitglied der BEG) und Arnold Fischer (Besitzer der Halle) beim Ortstermin.
Bild: Manfred Dittenhofer

Die Bürger-Energie-Genossenschaft Neuburg-Schrobenhausen-Aichach nimmt ihr erstes Photovoltaik-Kraftwerk in Neuburg in Betrieb

Neuburg Die Bürger-Energie-Genossenschaft Neuburg-Schrobenhausen-Aichach, kurz BEG ND-SOB-AIC, gibt es schon seit knapp zwei Jahren. Nun hat sie die erste Photovoltaikanlage in Neuburg in Betrieb genommen. Die Firma Fischer in der Nördlichen Grünauer Straße stellte zwei Hallendächer für die 430-kWp-Anlage zur Verfügung. Als Pachtersatz erhält Arnold Fischer 17kWp dieser Anlage. Für den Rest haben bereits rund 30 Genossen Darlehen gezeichnet oder Interesse bekundet. Damit ist die BEG eine Energieerzeugung vom Bürger für den Bürger. Sie baut auf dezentrale Stromerzeugung auf regenerativer Basis.

Der Besitzer der Halle, Arnold Fischer, war gleich von dem Projekt begeistert, als er vor drei Jahren Manfred Rößle kennenlernte, der im Vorstand der BEG sitzt. Aus einem Gedankenaustausch entstand die Idee, Strompaneele auf die Hallendächer der Firma zu installieren. Dazu Fischer: „Ich bin gegen die geplante Stromtrasse und für die dezentrale Stromerzeugung und die Nutzung von Speicherkapazitäten. Das war einmal der Kerngedanke der Energiewende. Und da ich nicht nur protestieren will, sondern agieren, war diese Anlage nur ein logischer Schritt.“ Der Verdienst spielt für Fischer dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ihm geht es um das Setzen von Zeichen und um Glaubwürdigkeit. Mit dem Gedanken Photovoltaik hatte der Unternehmer schon lange gespielt. Einzig die liquiden Mittel für eine solche Anlage fehlten, da er vor allem in seine Firma investiert. Da kam die BEG gerade recht.

Mit der Anlage erzeugt die Bürger-Energie-Genossenschaft rund 400000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, das ist der durchschnittliche Jahresbedarf von etwa 100 Einfamilienhäusern. Beteiligen kann sich jedes Genossenschaftsmitglied. 170 solche Mitglieder zählt die BEG inzwischen und fast täglich kommen neue dazu. Mitglied in der Genossenschaft kann man mit mindestens einem Anteil werden, der 100 Euro kostet. Es gibt Beteiligungsmöglichkeiten zwischen 1000 und 25000 Euro, die in Form eines qualifiziertes Nachrangdarlehens erfolgen. Das gesamte Investitionsvolumen der BEG für diese Anlage beträgt 480000 Euro. Die Laufzeit des Darlehens, das die Genossen der BEG zur Verfügung stellen, beträgt 20 Jahre bei einer Verzinsung zwischen 2,5 und drei Prozent. Ab dem elften Jahr wird zudem das Darlehen in Zehn-Prozent-Schritten getilgt. Nach 20 Jahren betreibt die BEG die Anlage gemeinsam mit Arnold Fischer und überträgt während dieser restlichen zehn Jahre schrittweise die Photovoltaik an Fischer, so dass sie nach 30 Jahren Betrieb dem Unternehmer gehört. „Was immer sie dann noch Strom produziert, wird für uns gut sein. Denn wer weiß, was dann die Kilowattstunde kostet“, meint dazu Fischer.

Die BEG hat inzwischen mit der Anlage in Neuburg vier Stromkraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 550 kWp konzipiert und plant, noch mehr Anlagen zu errichten. Dafür ist die BEG weiter auf der Suche nach geeigneten Hallendächern. Allerdings, so Vorsitzender Peter Mießl, sei nicht jeder Unternehmer so kooperativ wie Arnold Fischer. Viele Hallenbesitzer schreckten vor dem Eintrag einer Grunddienstbarkeit zurück und hätten Angst um ihr Dach. „Dabei steigt der Wert der Halle mit diesem Kraftwerk enorm. Und die Montagen werden von absoluten Fachleuten durchgeführt“, erklärt Mießl. Nicht nur Strom aus der Sonne steht auf dem Programm der BEG. Wie Peter Mießl erläuterte, will die BEG auch in Windkraft in der Region investieren. 50 Projekte befinden sich momentan in der Identifikations- oder Planungsphase. Mit den rund 170 Mitgliedern besitzt die BEG eine Einlage von knapp 200000 Euro. Den Vorstand bilden neben Peter Mießl aus Schrobenhausen Manfred Rößle (Neuburg) und Alfred Seitz (Aichach). Tobias Stuhlenmiller plante die Anlage und agierte als Bauleiter während der Errichtungsphase. (mad)

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