Newsticker

Corona-Pandemie verschlechtert weltweite Ernährungslage
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Von wegen Verdrossenheit

16.07.2010

Von wegen Verdrossenheit

Diskussion auf Augenhöhe: Die Jugendlichen hatten Gelegenheit, sich direkt mit den Bundestagsabgeordneten zu unterhalten. Foto: Volker Linder
Bild: Volker Linder

Ingolstadt Von radikaler Kritik am gesamten politischen System bis hin zum Konsens, dass es uns allen doch gar nicht so schlecht gehe - der Abend "Jugend trifft Politik" war Ventil für so manchen frustrierten Jugendlichen und zugleich ein schlagender Beweis, dass die viel zitierten "Krisenkinder" mit ihrer Situation überaus kreativ umgehen. Der Stadtjugendring hat mit seiner Diskussionsrunde im Jugendzentrum Fronte eine viel versprechende Gelegenheit geschaffen, bei der sich Jugendliche und Bundestagsabgeordnete auf Augenhöhe begegneten.

Mit einem Auftritt des Spielclubs vom Theater bekamen die Bundestagsabgeordneten Agnes Krumwiede (Grüne), Daniel Volk ( FDP), Eva Bulling-Schröter (Linke) sowie Kulturreferent Gabriel Engert die Realität der Jugend ungeschönt vor den Latz geknallt: Pornos, Gewalt, Überforderung in der Schule, Konsum und ein fehlendes Wir-Gefühl etwa. Auch in der anschließenden Diskussion (Moderation: Johannes Langer) nahmen die Jugendlichen kein Blatt vor den Mund: "Ich habe das Gefühl, wir werden alle zu Wirtschaftlern und Technikern erzogen und die individuellen und kreativen Fähigkeiten werden wenig gefördert und belächelt", sagte ein Realschüler.

Die Grundsatzdiskussion über das Bildungssystem beherrschte über weite Strecken den Abend und wurde immer wieder von Showeinlagen aus den Reihen des Integrationsprojektes Boomtown Raps aufgelockert. Krumwiede geißelte das bestehende Leistungssystem und plädierte für mehr individuelle Förderung. Volk war aus München als Ersatz für den CSU-Bundestagsabgeordneten Reinhard Brandl angereist, der wegen der Teilnahme von Bulling-Schröter abgesagt hatte. Dafür bekam er Buhrufe in Abwesenheit. Volk verteidigte die Eliteförderung und wollte keinen Widerspruch zur individuellen Förderung erkennen. Bulling-Schröter forderte bezahlte Praktika und eine Übernahmepflicht für Auszubildende. Kulturreferent Engert fragte: "Zu welchem Ziel bilden wir Kinder aus?" und forderte statt reiner Wissensvermittlung "mehr Freiräume".

Vorwurf: Den Politikern geht es doch nur ums Geld

Viele Jugendliche machten keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung über die Politiker. Zu weit weg und zu langweilig lauteten die Vorwürfe bis hin zu der Vermutung, dass es den Volksvertretern ohnehin nur ums Geld gehe. Doch die Bundestagsabgeordneten drehten den Spieß auch um und forderten die Schüler zum Mitmachen auf. "Ihr müsst euch einmischen", fordert Krumwiede. Für viele Jugendliche dürfte der Abend die erste politische Intervention gewesen sein. Die hitzigen Debatten auch nach der Veranstaltung zeigen, dass solche Gelegenheiten zur direkten Diskussion ein wirksames Mittel gegen die Politikverdrossenheit sind. Der Stadtjugendring will eine Fortsetzung der Veranstaltung.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren