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Rezension

10.12.2019

Vorsicht, fleischfressende Pflanzen

„Der kleine Horrorladen“ feierte Premiere in Ingolstadt.
Bild: Jochen Klenk

Das Stadttheater zeigt, was es musikalisch drauf hat

Das Musical „Der kleine Horrorladen“ ist eine sichere Nummer in jedem Spielplan. Man wird behaupten dürfen, dass es seit seiner Premiere 1982 in New York und vier Jahre später hierzulande, nur sehr wenige nicht ausverkaufte und nicht frenetisch gefeierte Aufführungen gegeben hat. Das wird in Ingolstadt nicht anders sein, so viel lässt sich nach der umjubelten Premiere im Kleinen Haus des Stadttheaters Ingolstadt prognostizieren.

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In dem schrillen Horror- und Science Fiction-Stück geht es wie immer um alles: die einzig wahre Liebe und die Rettung der Welt. Im sehr schlecht gehenden Blumenladen von Mr. Mushnik (Ralf Lichtenberg) zieht der Angestellte Seymour (Marc Simon Delfs) eine sonderbare Pflanze heran, die für Aufsehen und Kundschaft sorgt. Audrey Zwo (Peter Polgar) – wie Seymour das hingebungsvoll umsorgte Gewächs nach seiner heimlichen Liebe, der Kollegin Audrey (Renate Knollmann), nennt – hat nur einen Fehler: Die Pflanze ernährt sich von Blut. Die Situation gerät außer Kontrolle, als Audrey Zwo zum menschenfressenden Monster mutiert.

Kultstücke wie der Horrorladen entwickeln immer eine eigene Ikonografie, die für jede neue Inszenierung eine potenzielle Gefahr ist. Verführerisch und leicht ist es, hier zu zitieren und ebenso einfach, damit zu scheitern. Der besondere Charme der Ingolstädter Inszenierung liegt nolens volens in der Beschränkung der Mittel. Das, was sich Regie und Ausstattung haben einfallen lassen, lässt die Verfilmung und so manche bühnentechnisch hochgerüstete Theaterfassung des Horrorladens ebenso vergessen wie die geradezu prekären Bedingungen der Spielstätte Kleines Haus. Die Bühne ist ein multifunktionaler Farbrausch, Kostüme und Maske ein (Alb-)Traum in Multicolor – Ausstatter Matthias Engelmann muss eine ausgeprägte Vorliebe für bizarre Perücken haben. Regisseur Philipp Moschitz hat tief in die Popkulturkiste der 80er gegriffen und dennoch sein eigenes Ding gemacht. Weit entfernt von inszenatorischer Routine lebt das wie entfesselt spielende Ensemble mit nahezu perfektem Timing seine unbändige Lust am Klamauk aus und hält durchgängig das hohe Tempo. Musikalisch greift das Musical bis in die 60er zurück und zitiert alles, was Stimmung bringt: Soul, Blues, Beat, Rock’n Roll und Disco. Die sechsköpfige Band (musikalische Leitung: Tobias Hofmann) agiert auf den Punkt. Den aufreibendsten Job haben die drei Soulgirls (Naomi Simmonds, Luisa Meloni und Michaela Thiel). Sie erzählen, moderieren, kommentieren, schlüpfen in etliche Rollen und halten die packenden Tanzszenen des Ensembles (Choreographie: Katja Wachter) zusammen. Der kleine Horrorladen ist großes Entertainment.

Weitere Vorstellungen sind am 13., 15., 27. und 29. Dezember sowie im neuen Jahr.

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