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Branche in Neuburg

06.07.2020

Warnstreik bei den Milchwerken: Neuburg legt sich mit Riesen an

Die Belegschaft der Neuburger Milchwerke kämpft für die Beibehaltung des Tarifvertrages.
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Die Belegschaft der Neuburger Milchwerke kämpft für die Beibehaltung des Tarifvertrages.
Bild: Winfried Rein

Plus Die Belegschaft der Milchwerke in Neuburg will den Tarif sichern und bessere Entlohnung. Streiks sollen den Eigentümer zum Verhandeln bringen. Ein neues Logistikzentrum stärkt den Standort.

Die Neuburger Milchwerke arbeiten sehr produktiv, haben auf 240 Mitarbeiter aufgestockt und planen ein neues Hochregallager an der nördlichen Grünauer Straße. Trotzdem gibt es jetzt „Knatsch“ mit dem Eigentümer Lactalis. Der französische Milchkonzern will offenbar die Tarifbindung auslaufen lassen. Dagegen organisierten Mitarbeiter und Gewerkschaft am Montag deshalb einen ersten vierstündigen Warnstreik.

Warnstreik bei den Milchwerken: Produktion war nicht betroffen

Die Produktion war nicht betroffen, denn Frühschicht und Spätschicht wechselten sich beim Streiken ab. „Lactalis muss aber jetzt Verhandlungen aufnehmen, ansonsten geht der Arbeitskampf weiter“, warnte Tim Lubecki, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (kurz NGG) in diesem Zusammenhang.

Ob sich die Geschäftsführung des weltgrößten Milchriesen beeindrucken lässt? Lactalis hatte die Omira Oberland GmbH mit den Werken Ravensburg und Neuburg im Jahr 2017 gekauft. Die Übergangsfrist für die tarifliche Bindung läuft jetzt Ende September aus. Die Mitarbeiter befürchten den Verlust von Sozialleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie mittelfristig niedrigere Löhne – besonders bei Neueinstellungen.

„Das können wir nicht akzeptieren“, sagte Betriebsratschef Dominik Geißler. Die Neuburger schätzten die Investitionen in den Standort und wollten Lactalis keinesfalls schaden, aber nur ein gemeinsam vereinbarter Tarif gebe den Kollegen die nötige Sicherheit.

Im Neuburger Werk hat sich deshalb eine zehnköpfige Gruppe (Tarifkommission) gebildet, die vorangehen will. Die Beschäftigten in Ravensburg zögern noch mit Warnstreiks. „Ich bin voll auf eurer Seite, ohne Tarif kommen wir nicht auf einen grünen Zweig“, rief Sonja Wust den Streikenden in Neuburg zu. Sie ist Betriebsratsvorsitzende der Molkerei Zott in Mertingen im bayerischen Schwaben (im Tarifverbund). Solidaritätsadressen erhalten die Neuburger auch von weiteren Gewerkschaftsregionen, unter anderem aus der Lüneburger Heide.

Milchwerke: Gewerkschaft NGG will nicht nur die Tarifbindung

Die Gewerkschaft NGG will nicht nur die Tarifbindung retten, sie hat auch inhaltliche Forderungen. Sie verlangt unter anderem höheres Weihnachtsgeld und einen besseren Nachtzuschlag (jeweils mindestens 50 Prozent). Außerdem verlangen die Mitarbeiter der Milchwerke tarifliche Lohnerhöhungen. Man sei darauf angewiesen, hieß es, weil allein die Mieten in Neuburg seit 2012 um 32 Prozent gestiegen seien.

Tim Lubecki ist Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG in Schwaben.
Bild: Winfried Rein

„Wir haben auch mit einer von Lactalis gewünschten leistungsorientierten Bezahlung keine Probleme“, bekräftigte Gewerkschafter Tim Lubecki, aber eine tarifliche Grundleistung müsse festgeschrieben werden. Man dürfe mit schlechter gestellten neuen Mitarbeitern „keine Zwei-Klassen-Gesellschaft“ zulassen. Die Geschäftsführung bestimme jetzt, „wohin die Reise geht“.

Der bisherige Weg mit Lactalis war nicht schlecht für Neuburg. Die Produktion laktosefreier Milch (MinusL) ging nach der Schließung des Werkes Rottweil (noch zu Omira-Zeiten) nach Neuburg. Die Franzosen zahlten den Milchbauern die Genossenschaftsanteile aus und bauen nun ein Logistikzentrum in Neuburg.

Es soll ein starker Standort bleiben, auch wenn nur noch 1000 Milchbauern in einer losen Erzeugergenossenschaft nach Neuburg liefern. „Die Franzosen haben uns gekauft, weil sie ein Standbein in Deutschland haben wollten“, vermutet Uwe Berbig. Seit 30 Jahren bereits kämpft er in den Milchwerken für gute Arbeitsbedingungen. Sollten sie schlechter werden, trifft es ihn persönlich kaum mehr: „In zwei Jahren bin ich weg in Rente.“

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