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Neuburg

16.01.2021

Warum ein Storchenpaar aus Baiern das Auto eines Neuburgers erkennt

Ein internationales Storchenpaar mit französischer und tschechischer Herkunft lebt in Baiern.
Bild: Winfried Rein

Plus Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sind 15 Storchenpaare nicht in den Süden geflogen. Eines davon füttert Gunter Weinrich schon seit 14 Jahren im Winter. Wie kam es dazu?

Wenn ein blaues Auto am Donaumoosrand auftaucht, dann kommt ein Festmahl: Hähnchenherzen und geschnetzeltes Rindfleisch. Genießen dürfen es zwei Weißstörche, ihr Lieferant ist Gunter Weinrich aus Neuburg. Im Winter füttert der Storchenkenner das Paar aus Baiern bei Rohrenfels zwei- bis dreimal pro Woche – und das seit 14 Jahren.

Eigentlich sollten die Störche längst im warmen Nordafrika oder zumindest in Spanien sein. Vielleicht hat sich auch herumgesprochen, dass es in Madrid stärker geschneit hat als bei uns, jedenfalls sind von den zuletzt 28 Storchenpaaren im Landkreis 15 hiergeblieben. Entweder das Paar oder zumindest ein Partner hat sich den anstrengenden Flug ins Winterquartier erspart.

Wenn Gunter Weinrich anrückt, warten die Störche bereits auf ihn.
Bild: Winfried Rein

Diesen Verlust des Zugtriebes beobachtet der Landesbund für Vogelschutz, kurz LBV, schon länger. Im Januar 2021 schätzt er die Zahl der Winterstörche in Bayern auf 300. Das Nahrungsangebot spielt für die Sesshaften nicht die entscheidende Rolle. Der LBV vermutet, dass Winterstörche meist „zivilisierte“ Nachkommen von Zuchtstörchen aus den Stationen im Elsaß, in der Schweiz und Baden-Württemberg sind.

Und so suchen jetzt im Januar Störche im Paartal bei Hörzhausen, im Moos bei Karlskron oder in der Donauebene bei Rennertshofen nach Nahrung. Die finden sie auch, denn Wiesen, Schilf oder Gräben geben immer Mäuse, Schnecken, Larven oder Fische preis. Kritisch wird es nur, wenn der Boden durchgefroren und durchgehend von Schnee bedeckt ist. Dann weichen die Weißstörche auf die Region größerer Gewässer aus.

Die Störche beobachtet der Neuburger aus ein paar Metern Entfernung

Gunter Weinrich zeigt Hähnchenherzen, eine Delikatesse für Störche.
Bild: Winfried Rein

Die Weinrich-Störche kennen diese Probleme nicht. Der pensionierte Storchenfreund aus Neuburg kommt zuverlässig mit Frischfutter nach Baiern. „Es sind Schlachtabfälle, die mir Metzgermeister Hans Schmid zur Verfügung stellt“, berichtet Gunter Weinrich, „das Fleisch wird von mir zerkleinert und vorgekocht“. Wenn er am frühen Morgen um den Kirchberg des kleinen Ortes herum und in die Weite des Mooses fährt, „flattern die Störche schon aufgeregt herum“. Auf einer Wiese serviert er die Delikatessen. Das Storchenpaar kommt sofort herbei und fängt zu picken an. Der Naturfreund sieht aus ein paar Metern Entfernung zu.

Die Störche nehmen gern das Futter, aber zahm sind sie deswegen nicht. Mit der Winterfütterung hatte Gunter Weinrich 2006 nur begonnen, weil sich ein Baierner Storch den Flügel verletzt hat und kaum mehr fliegen konnte. Der Vogel stammt laut Beringung aus einem tschechischen Ort bei Prag, während sein Partner im französischen Elsaß geboren worden ist. Als Westzieher fliegt er normalerweise über Gibraltar nach Tunesien, Marokko oder Algerien. Der tschechische Storch steuert als Ostzieher über die Türkei, den Libanon und Ägypten afrikanische Länder wie den Sudan an. Die bis 10.000 Kilometer lange abenteuerliche Reise ist mit vielerlei Gefahren verbunden. Etwa ein Drittel der Störche verliert dabei sein Leben.

Storch in Burgheim stirbt vermutlich an vergifteten Mäusen

Auf Burgheimer Flur ist Anfang dieser Woche ein toter Storch entdeckt und gemeldet worden. Gunter Weinrich hat ihn abgeholt und im Landratsamt abgegeben. Nachdem der Storch äußerlich unverletzt ist, besteht der Verdacht, dass er vergiftete Mäuse gefressen hat – ein Zwischenfall, der immer wieder vorkommt.

Im Landstrich zwischen Paar und Donau sind die Glücksbringer das ganze Jahr über gern gesehen. Und es werden immer mehr: 28 Brutpaare hatten 2020 in Neuburg-Schrobenhausen 55 Junge ins Leben entlassen. Damit ist nahezu das Maximum erreicht, denn der Lebensraum bleibt knapp. Das gilt auch bayernweit für den Rekord von 750 Standorten und 600 Brutpaaren mit rund 1500 Jungen im vergangenen Jahr.

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