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Neuburg

31.01.2018

Was hinter Städtepartnerschaften steckt

Städtepartnerschaften stiften nicht nur Frieden, sondern dienen auch dem interkulturellen Austausch in einer zunehmend globalisierten Welt.
Bild: svan9422, fotolia

Neuburg erhält vermehrt Freundschaftsanfragen. Was ursprünglich Brücken zwischen Ländern bauen sollte, hat heute seinen Fokus verschoben - in Richtung Globalisierung.

Willst du mit mir gehen? Die Frage, die Schülerherzen höher schlagen lässt, lässt sich auch auf Neuburg übertragen. Drei Städte haben unlängst ihr Interesse an einer Partnerschaft mit der Donaumetropole bekundet: Dunakeszi in Ungarn, Salonta in Rumänien und Indija in Serbien. Schmeichelhaft. Dennoch hat die Stadt alle Anbandelungsversuche ins Leere laufen lassen. Argument: Sie will sich lieber auf ihre bestehenden Städtepartnerschaften mit Sète und Jesenik sowie die Freundschaften mit Malcesine und Hamburg konzentrieren (wir berichteten). Ein Grund, das Beziehungsgefüge zwischen Städten einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Idee der Städtepartnerschaft entstand im Wesentlichen nach dem Zweiten Weltkrieg – sie sollte die in Europa durch Weltkriege verursachten Wunden zwischen den Nationen heilen helfen. „Städtepartnerschaften dienten zu dieser Zeit in erster Linie der Vergangenheitsbewältigung“, erklärt Marie-Luise Kühnl, Leiterin der Tourist-Info Neuburg. Eine Grundlage im Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich sei der sogenannte Élysée-Vertrag gewesen. Der Vertrag, 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im Pariser Élysée-Palast unterschrieben, besiegelt bis heute die deutsch-französische Freundschaft.

Es geht um den Austausch von Bürgern

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Ein zahnloser Papiertiger allein verändert noch nicht die Realität, dessen waren sich auch die Konstrukteure der europäischen Friedensidee bewusst. Von Anfang an war klar: Im Mittelpunkt von Städtepartnerschaften soll der Austausch von Bürgern stehen. In Neuburg wuchs das zarte Pflänzchen der Beziehung etwa zu Frankreich über persönliche Kontakte der Familie du Moulin. Der Vater von Franz Graf du Moulin war in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als deutscher Konsul in Montpellier tätig und suchte von dort nach einer französischen Stadt, die in der Größe mit Neuburg vergleichbar und noch keine Partnerschaft mit einer deutschen Stadt eingegangen war – und stieß bei seiner Recherche auf die 20 Kilometer von Montpellier entfernte Hafenstadt Sète. Seit 1986 heißt der offizielle Beziehungsstatus zwischen Neuburg und Sète: Partner.

Bis heute zählen Städtepartnerschaften zu den öffentlichkeitswirksamen und langfristig effektiven Methoden, um Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenzuführen. Das friedensstiftende Element ist dabei über die Jahre in den Hintergrund getreten, heute ginge es vielmehr darum, Perspektiven in einer globalisierten Welt zu eröffnen, sagt Kühnl: „Menschen an eine andere Sprache heranführen, Auslandserfahrungen ermöglichen, interkulturelle Kompetenzen fördern.“ Im Gegensatz zu einer Beziehung zwischen Mann und Frau, in der es sinnvoll sein kann, Privates und Berufliches zu trennen, ist das bei Städtepartnerschaften anders. Ihre Beziehung erstreckt sich gezielt auch auf die Bereiche Schule, Ausbildung und Beruf, etwa über Austauschprogramme. „Wir hatten bereits Praktikanten aus Sète in der Tourist-Info, welche bei Audi oder einen jungen Arzt, der in einem Sèter Krankenhaus gearbeitet hat“, berichtet Kühnl.

Partnerschaften wollen mit Leben gefüllt werden

Was für zwischenmenschliche Beziehungen gilt, gilt auch für Städtepartnerschaften: Sie wollen mit Leben gefüllt sein. Daher sieht Kühnl Städtepartnerschaften kritisch, die quasi aus dem Nichts, am Reißbrett geplant, ins Leben gerufen würden. Auch wenn dies theoretisch möglich sei. „Sofern vom Stadtrat beschlossen, gibt es meines Wissens keine Obergrenze für die Zahl an Partnerschaften, die eine Stadt eingeht.“ Allerdings müsse man sich die Frage nach dem Sinn solcher Beziehungen stellen: Nicht nur, weil sie Menschen erfordern, die sich dafür interessieren, darum kümmern und Projekte auf den Weg bringen, die Bürger aus beiden Städten zusammenführen und die Verbindung wachsen lassen. Sondern auch, weil eine Beziehung Geld kostet: 69000 Euro sind im städtischen Haushalt für die engeren Partnerschaften und loseren Freundschaften zu anderen Städten in diesem Jahr veranschlagt. Beim Geld hört bekanntlich die Liebe auf.

Sind Städte dennoch darauf aus, ihren Beziehungskreis zu erweitern, schauen sie – wie Menschen auch –, wer zu ihnen passt: Von der Größe, den Gemeinsamkeiten oder der finanziellen Ausstattung her. Dabei sind Städtepartnerschaften keine ganz uneigennützigen Veranstaltungen: Sie können das Image einer Stadt aufwerten, den Tourismus und die Wirtschaft ankurbeln, sagt Kühnl. Ingolstadt beispielsweise hat zehn Partnerstädte. Die jüngste, Foshan in China, kam 2008 hinzu. In dem Wirtschafts- und Handelszentrum sitzt das Autowerk eines chinesisch-deutschen Gemeinschaftsunternehmens.

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