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Schloßfest

25.05.2019

Wie aus einer Idee ein Massenspektakel wurde

„Bei der Pressekonferenz kurz vor Mitternacht blickten die Journalisten in zwar abgekämpfte, aber doch voll innerer Freude erleuchtete Gesichter“, schrieb die NR nach dem ersten Schloßfest im Jahre 1976. „Bei uns ist eitel Sonnenschein“, sagte der damalige OB Theo Lauber. Aber einiges gab es auch zu verbessern.

Fritz Seebauer und Matthias Schieber ist es zu verdanken, dass Neuburg heute eines der größten Renaissance-Feste in ganz Bayern hat. Heuer feiert das Neuburger Schloßfest sein 25. Jubiläum

Mit 5000 Gästen hatten die Organisatoren gerechnet, 20.000 waren gekommen. Das erste Schloßfest im Jahr 1976 war ein voller Erfolg. Und die Erfolgsgeschichte ging weiter. Heuer feiert das Historien-Spektakel sein 25. Jubiläum.

Aus den 20.000 Besuchern sind inzwischen 110.000 geworden, aus dem Schlosshof als Kulisse wurde die gesamte Altstadt und aus dem Bierpreis von 2,50 DM wurden 4,20 Euro. Aber vieles ist gleich geblieben. So sind von Anfang an acht Gruppen mit dabei, die auch heute noch aktiv sind: der Neuburger Liederkranz, die Kammeroper, die Stadtkapelle, der Neuburger Jagdschutzverein, die Stadtwache, die Fahnentänzerinnen, der Truchsess sowie natürlich die Steckenreiter.

Angefangen hatte damals alles mit einer Idee. Fritz Seebauer und Matthias Schieber hatten die Landshuter Hochzeit besucht und waren begeistert. Das Fest erinnert an die Hochzeit des Wittelsbacher Herzogs Georg der Reiche von Bayern-Landshut mit der polnischen Königstochter Hedwig, die damals das christliche Abendland vereinte. Und die ganze Stadt spielte mit. Da dachten die beiden Neuburger an ihren Pfalzgrafen Ottheinrich, einen Enkel des Herzogs Georg, und waren sich sicher: Was die Landshuter können, das können die Neuburger auch.

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Oberbürgermeister Theo Lauber war schnell überzeugt. Herzstück des Renaissance-Festes sollte der von der Choreografin Senta Maria 1955 geschaffene Steckenreitertanz der beiden Prinzen Ottheinrich und Philipp sein. Die Musik dazu stammt von Paul Winter. Verkehrsverein-Geschäftsführer Fritz Seebauer nahm sich zusammen mit Kreisheimatpfleger Matthias Schieber, Kulturreferent Anton Sprenzel, Gastronomen-Sprecher Manfred Enzersberger sen., Hauptamtsleiter Norbert Hohenester, Alois Thumann und Mäzen Fritz von Phillipp der Sache an. Mit vereinten Kräften wurde das erste Neuburger Schloßfest aus der Taufe gehoben.

Ein Wochenende lang wurde gefeiert, an dessen Ende Oberbürgermeister Theo Lauber verkündete: „Ich glaube, nach einem solchen Erfolg gibt es nur eine Konsequenz: Das nächste Schloßfest findet im nächsten Jahr statt.“

Gesagt – getan. Im Jahr darauf kamen etliche Gruppen hinzu. Unter ihnen die Neuburger Hofmusik, die Hoftänzer, der Fanfarenzug „Ottheinrich“, die Reiter, der Madrigalchor sowie die Schlosswache. Schließlich wurde das Fest für den Schlosshof zu klein und die Amalienstraße wurde miteinbezogen. 1978 wurde am Karlsplatz das von der Neuhof-Brauerei zum Schloßfest aus der Taufe gehobene „Ottheinrichbier“, im Hof der Amalienschule das Ehekirchener Hochzeitsbier der Gutsbrauerei Zett und im Marstall das Festbier der Neuburger Julius-Brauerei ausgeschenkt. Die Maß kostet 2,60 DM, 10 Pfennig mehr als im Jahr zuvor. 1,50 DM wurde als Wegzoll verlangt.

Ein Jahr später schrieb die Neuburger Rundschau: „Der Durchbruch zu einem überregional akzeptierten Fest ist geschafft.“ 56.000 zahlende Gäste waren in diesem Jahr gekommen und die Organisatoren überlegten, die Herrenstraße miteinzubeziehen.

Doch es ging nicht immer nur steil bergauf. Nachdem man sich 1981 wegen des organisatorischen Aufwands auf einen zweijährigen Rhythmus geeinigt hatte, blieb das „pulsierende Leben“ 1983 aus. Die Neuburger Rundschau schrieb: „Die Amalienstraße hoch klafften doch einige Lücken.“

Doch schon das nächste Schloßfest schrieb neue Rekorde: 80.000 Gäste. In der NR hieß es: „Ganz clevere Neuburger mit guten Ortskenntnissen glaubten auch heuer wieder, sich über den Nachtberg-Steilaufstieg zur Zwehl-Lücke herauf einen kostenlosen Zutritt zum Schloßfest erschleichen zu können. Doch sie machten die Rechnung ohne die Stadtwache, die auch hier eine „Zollstelle“ eingerichtet hatte und Eintritt kassierte.“

Dutzende neue Gruppen und Mitwirkende waren in der Zwischenzeit dazugekommen. Auch Schulen und Vereine wirkten nun mit. 1989 stand in der Heimatzeitung: „Die Stimmung bis Sonntagfrüh muss selten gut gewesen sein, denn die Polizei fuhr nicht weniger als 24 Einsätze wegen Ruhestörung. Aber es war kaum Ernstes dabei.“

Die Leitung des Verkehrsvereins war im Jahr 1990 in die Hände von Rudi Niessner übergegangen, von dem 2004 Friedhelm Lahn übernahm und seitdem Chef-Organisator des Neuburger Schloßfestes ist. Vor allem die Bürokratie und die steigenden Sicherheitsanforderungen machen Lahn und dem Schloßfest-Komitee das Leben nicht einfacher. Was früher noch hemdsärmelig bei einem Bier entschieden wurde, muss heute von diversen Instanzen im Landratsamt, der Stadtverwaltung sowie vonseiten der Polizei und des Rettungsdienstes abgesegnet werden.

Doch trotz aller ehrenamtlicher Strapazen, die Neuburger freuen sich auf ihr Schloßfest und auch Fritz Seebauer möchte mit seinen 91 Jahren zumindest auf einen kurzen Besuch vorbeischauen.

Um die Wartezeit auf das große Spektakel zu verkürzen, wird die Neuburger Rundschau in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge einen Teil der Gruppen vorstellen, die im Zuge des Neuburger Renaissance-Festes entstanden sind oder von Anfang an mitwirken. Dazu gibt es viele Fotos aus den vergangenen 43 Jahren Schloßfest, auf denen Sie bestimmt das ein oder andere bekannte Gesicht entdecken werden. "Sonderseite 35

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