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Neuburg

29.10.2020

Wie das Zeitungsarchiv der Neuburger Rundschau zurückkehrte

Ludwig Ried blättert in seinem Fundus.
Bild: Winfried Rein

Plus Die Presse-Druck- und Verlags-GmbH Augsburg, Mutterhaus auch der Neuburger Rundschau, überlässt die Bände dem Historischen Verein. Die gedruckte Stadtgeschichte ist tonnenschwer und umfasst 160 Jahre.

Es schien schon verschwunden und verloren für die Stadt, doch jetzt ist das Neuburger Zeitungsarchiv wieder aufgetaucht. 160 Jahre lokalen Zeitgeschehens – und Schlagzeilen aus aller Welt – ruhen tonnenschwer im Dachsaal der Raiffeisenbank Sinning mit Erwartung eines neuen Standortes in Neuburg.

Archiv der Neuburger Rundschau: Rückkehr ist Ludwig Ried zu verdanken

Es handelt sich um alle Neuburger Zeitungen von 1832 bis 1995 – gesammelt und sauber gebunden. Die Rückkehr dieses dokumentarischen Schatzes ist vor allem Ludwig Ried (82), dem langjährigen Archivar des Historischen Vereins Neuburg zu verdanken. Er hatte die Bände nie aus den Augen verloren, seit sie 1994 Heimatverleger Werner Loibl aus der Hand gegeben hatte.

Weit zurück reicht die Zeitungsgeschichte in Neuburg.
Bild: Winfried Rein

Kurz vor der endgültigen Schließung der Buchdruckerei verkaufte Werner Loibl sein Archiv an das Mutterhaus, den Verlag der Augsburger Allgemeinen. Der damalige Chef des Historischen Vereins, Matthias Schieber, hatte auch großes Interesse gezeigt, aber er war zu spät dran gewesen.

25 Jahre später fragte Ludwig Ried wieder einmal nach dem Zeitungsarchiv. Manfred Rinke, Redaktionsleiter der Neuburger Rundschau, machte die Sache zu seinem Anliegen und vermittelte den Kontakt zum Archiv des Verlages in Augsburg. Der dortige Herrscher über alle Bände, Bilder, Filme und Dokumente, Robert Treffer, zeigte Verständnis für das Interesse aus Neuburg. „Sie können alles haben, wenn Sie es abholen“, erklärte er dem freudig überraschten Heimatkundler aus Neuburg. Ludwig Ried fackelte nicht lange, organisierte einen Lastwagen, fuhr mit Helfern nach Augsburg und holte die Zeitungsbände aus eineinhalb Jahrhunderten zurück nach Neuburg. Das Wichtigste hatte die Zeitungszentrale in Augsburg längst digitalisiert und per Computer aufrufbar gemacht.

Neuburger Rundschau: Bände schlummern in der Raiffeisenbank in Sinning

Die Bände schlummern nun im Obergeschoss der Raiffeisenbank in Sinning. Ludwig Ried hat das „Zwischenlager“ dank seiner Kontakte ermöglicht und dankt der Bank da-für. Doch bald wäre es Zeit für einen Standort in Neuburg. „Außerdem müsste man ein Register anlegen und das Zeitungsarchiv für Leser nutzbar machen“, findet der pensionierte Volksschulrektor. Offizieller Eigentümer des Archivs ist jetzt der Historische Verein Neuburg, dessen Depots prallvoll sind.

Das Neuburger Anzeigeblatt war einer der Vorgänger der Neuburger Rundschau.
Bild: Winfried Rein

Die Bände sind jedenfalls eine wahre Fundgrube, wenn man Vergangenes nachlesen und so manche Entwicklung verstehen will. Die Blätter firmierten unter „Neuburger Wochenblatt“ und „Neuburger Anzeigeblatt“ bis zur „Neuburger Rundschau“, zugehörig zur Presse-Druck- und Verlags-GmbH Augsburg, die am heutigen 30. Oktober 75 Jahre alt wird. Zu diesem Datum übergab die US-Army die neue „Schwäbische Landeszeitung“ an die Verleger Curt Frenzel und Johann Wilhelm Naumann. Seit dem 1. November 1959 heißt die Zeitung „Augsburger Allgemeine“. Am 2. März 1951 erschien die erste Ausgabe der „Neuburger Rundschau“. Im 19. Jahrhundert hatte die Verlegerfamilie Rindfleisch die ersten Blätter herausgegeben. Die Familie Loibl führte später die Grießmayerische Buchdruckerei weiter.

Zwei Blätter, vier Seiten – mehr umfasste das „Neuburger Wochenblatt“ am Anfang nicht. Das reichte bald nicht mehr aus, die Zeitung wuchs im Umfang und kam schließlich täglich heraus. 1920 kostete das Jahresabo sieben Mark und 75 Pfennig. Allerdings durfte man nicht viel mehr als Bekanntmachungen erwarten, die Tageszeitung hieß schließlich „Amtsblatt für das Amtsgericht, Notariat, Rentamt und den Stadtrat Neuburg“.

Die erste Ausgabe der Neuburger Rundschau erschien am 2. März 1951.
Bild: Winfried Rein

Karl Sing, rechtskundiger Bürgermeister der Stadt Neuburg, gab im Juni 1870 die Befreiung von der Impfpflicht bekannt, „wenn das Kind geschwächt ist oder die natürlichen Blattern schon überstanden hat.“ In der gleichen Ausgabe stehen Säulen-Göppel und 2000 Bauschen und Schober Stroh zur Versteigerung an. In den Anzeigen werden Knechte und Dienstmädchen gesucht, Apfelmus, Häute und Felle angeboten und im Fuchsbräukeller zur „Tanz-Unterhaltung“ eingeladen. Wie kaum ein anderes Medium spiegeln die Zeitungsseiten den Wandel der Zeit wider.

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